Arbeitssicherheit
Arbeiten unter null: Baustelle trifft Winter
Eisige Temperaturen, rutschige Flächen und eingeschränkte Sicht: Wer im Winter auf der Baustelle arbeitet, ist höheren Gesundheits- und Unfallrisiken ausgesetzt. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) zeigt, wie sich diese Gefährdungen verringern lassen, damit Beschäftigte auch bei Minusgraden sicher arbeiten können und gesund bleiben.
„Sicherheit im Winter ist kein Zufall. Kälte, Schnee und Dunkelheit erschweren den Arbeitsalltag auf Baustellen, und sie können nicht nur zu mehr Unfällen führen, sondern auch die Gesundheit belasten. Niedrige Temperaturen beeinflussen zudem die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, was die Sicherheit der Beschäftigten zusätzlich gefährden kann“, betont Hans-Jürgen Wellnhofer, kommissarischer Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG Bau. „Wichtig ist, dass Unternehmen und Beschäftigte gemeinsam darauf achten, die Arbeitsbedingungen den winterlichen Verhältnissen anzupassen. Schon kleine Maßnahmen, wie klare Abläufe, geeignete Schutzausrüstung und Aufwärmzeiten, verhindern Unfälle und reduzieren Gesundheitsrisiken.“
Die BG Bau rät Unternehmen, Baustellen frühzeitig auf die Witterungsbedingungen im Winter vorzubereiten. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung müssen Unfall- und Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten ermittelt und geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Dazu gehören unter anderem:
• Ausreichende Beleuchtung: Gemäß der Technischen Regel für Arbeitsstätten „ASR A3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung“ benötigen Verkehrswege eine Helligkeit von mindestens 20 Lux, während Arbeitsplätze je nach Tätigkeit bis zu 500 Lux erfordern. Eine gute Beleuchtung sorgt für bessere Sicht und verringert das Risiko von Stolper- und Rutschunfällen auf der Baustelle.
• Sichere Verkehrswege und Arbeitsplätze: Wege auf die Baustelle und zu den Arbeitsplätzen sind regelmäßig zu prüfen und bei Bedarf von Schnee, Matsch und Verunreinigungen zu befreien. Verkehrswege sollten entwässert und befestigt werden – etwa mit Schotter oder rutschhemmenden Matten. Auch auf Gerüsten ist auf einen rutschfesten Untergrund zu achten. Besonderes Augenmerk gilt Lichtbändern auf Dächern, die nicht durchtrittsicher sind. Diese müssen abgesperrt, abgedeckt oder mit Netzen gesichert werden, da sie unter einer Schneedecke schnell zur Absturzgefahr werden können.
• Warme Pausenräume und Toiletten: Beheizte Aufenthaltsräume ermöglichen es den Beschäftigten, Kleidung zu wechseln, zu trocknen und sich aufzuwärmen. Gemäß der Technischen Regel für Arbeitsstätten „ASR A3.5 Raumtemperatur“ sollen Pausenräume und Toiletten auf 21 Grad Celsius beheizt werden.
• Angepasst arbeiten: Bei besonders niedrigen Temperaturen sollten Tätigkeiten mit geringer Bewegung oder in Zwangshaltungen möglichst vermieden werden. Wenn es die Arbeitsorganisation erlaubt, können sich Beschäftigte bei Tätigkeiten im Freien abwechseln oder Arbeiten in wärmere Bereiche – etwa in Gebäudeteile oder beheizte Fahrerkabinen – verlegen. Regelmäßige Unterbrechungen und Aufwärmpausen sind wichtig, um Unterkühlungen zu verhindern.
• Witterungsangepasste Bekleidung: Schutz vor Kälte, Wind und Nässe ist entscheidend für die Sicherheit und Gesundheit auf der Baustelle im Winter. Neben Jacken, Hosen, Winterschuhen, Mützen und Handschuhen kann auch Thermounterwäsche sinnvoll sein. Für die Bereitstellung von Kälte- und Wetterschutzkleidung ist laut „DGUV Vorschrift 1 Unfallverhütungsvorschrift Grundsätze der Prävention“ der Arbeitgeber verantwortlich.
• Fahrzeuge winterfest machen: Dazu gehören Winterreifen mit ausreichendem Profil, Frostschutzmittel im Scheibenwischwasser sowie Eiskratzer und Schneebesen im Fahrzeug. In Regionen mit starken Schneefällen sind Schneeketten zusätzlich empfehlenswert.
Seit August unterstützt die Technische Regel für Arbeitsstätten „ASR A5.1 Arbeitsplätze in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten und Arbeitsplätze im Freien“ Arbeitgeber dabei, Sicherheits- und Gesundheitsrisiken durch Witterungseinflüsse systematisch zu erfassen und zu bewerten. Ergänzend hat der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) eine Empfehlung zur Beurteilung der Gefährdungen durch Kälte veröffentlicht. Diese enthält zahlreiche praxisnahe Maßnahmen, mit denen Tätigkeiten unter freiem Himmel im Winter sicherer gestaltet werden können.
So zeigt sich: Mit sorgfältiger Planung, klaren Strukturen und geeigneten Schutzmaßnahmen lassen sich die Herausforderungen des Winters auf der Baustelle wirksam meistern. Die Hinweise der BG Bau bieten Unternehmen dabei eine praxisorientierte Grundlage, um die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten auch bei Arbeiten unter null zu gewährleisten.












