Dr. Peter Burnickl
Wüstenrot-Experte gibt 10 Strategien zur Kostenreduktion
Hohe Zinsen, hohe Materialkosten, hohe Unsicherheit – Bauherren sehen sich derzeit mit einer Vielzahl von Schwierigkeiten konfrontiert, weiß Dr. Peter Burnickl:
Diese Tipps und Tricks sind nicht nur für private Bauherren hilfreich. Auch Profis können mit dieser Hilfestellung echtes Geld sparen und die Baustelle schneller abwickeln.
1. Mit Eigenleistungen oder Einzelvergaben sparen
Handwerklich geschickte Bauherren oder die über ein großes Netzwerk an Freunden, Familie und Bekannten verfügen, können einige Aufgaben selbst übernehmen und so Kosten sparen. Alternativ kommt die Einzelvergabe von Gewerken meist günstiger als die Beauftragung eines einzelnen Bauunternehmens, das alle Arbeiten durchführt. Diese Vorgehensweise verursacht allerdings auch mehr Organisationsaufwand, damit die einzelnen Handwerker nicht aufeinander warten müssen und so teure Leerläufe entstehen. Umso wichtiger ist die sorgfältige Planung durch Architekten, Bauingenieure oder Energieberater, damit es nicht zu Koordinationsfehlern kommt.
2. Durch Verhandlungen sparen
Bauunternehmen spüren die Krise der Branche an der nachlassenden Auftragslage. Viele sind momentan zu großzügigen Verhandlungen bereit, was Bauherren Spielraum bei der Preisgestaltung verschafft und sie in eine Verhandlungsposition bringt. Bauherren sollten sich die Zeit nehmen und mehrere Angebote einholen, um gezielt zu verhandeln. Im Vordergrund sollten jedoch stets die Qualität sowie die enthaltenen Leistungen stehen.
3. Durch die Wahl der Fachkräfte sparen
Nicht jeder Architekt versucht, ein Objekt wirtschaftlich zu planen; stattdessen werden häufig Designelemente bevorzugt. Auch die Zusammenarbeit mit einem Fachplaner für Gebäudetechnik oder einem Bauingenieur kann sich auszahlen, da diese darauf spezialisiert sind, teure Fehlplanungen abzuwenden. Vorsicht: Die Arbeit erfolgt oft nach HOAI. Das bedeutet im Umkehrschluss: Mehr Baukosten führen auch zu mehr Honorar. Deshalb sollte man Pauschalierungen lediglich mit den erforderlichen Leistungen anstreben, nicht pauschal alles gemäß HOAI beauftragen.
4. Durch klare Leistungsbeschreibungen sparen
Leistungsbeschreibungen von Bauunternehmen sind oft oberflächlich formuliert. So halten sich die Firmen die Möglichkeit offen, Fehleinschätzungen später zu korrigieren. Für Bauherren bedeutet dies, dass sie eventuell mit teuren Nachträgen rechnen müssen. Um konkret kalkulieren zu können, sollten sie deshalb auf eindeutige und unmissverständliche Leistungsbeschreibungen bestehen – vor allem bei Heizung, Lüftung und Elektroinstallationen.
5. Mit Fördermitteln sparen
Ein Bauvorhaben wird unter bestimmten Voraussetzungen von vielen Anbietern gefördert. Die bekanntesten davon sind die KfW und die BAFA. Häufig gibt es jedoch auch regionale oder kommunale Programme, die weniger bekannt sind. Gerade für Familien mit Kindern oder beim energieeffizienten Bauen gibt es einige Förderprogramme. Auch gibt es zahlreiche Programme für Mehrfamilienhäuser in Altstädten. Bauherren sollten deshalb vor Baubeginn einen Fördermittelberater hinzuziehen, der auf entsprechende Angebote aufmerksam macht. Wichtig ist die rechtzeitige Beantragung.
6. Durch die Hinterfragung von Normen sparen
Für Bauvorhaben gibt es viele Normen und Standards. Diese werden von Bauherren oftmals nicht infrage gestellt – dabei handelt es sich bei einigen von ihnen lediglich um Empfehlungen. Ein Beispiel: Die DIN 18015 gibt eine Einschätzung, wie viele Steckdosen und Stromkreise ein Gebäude haben soll. Oft treibt diese Norm die Kosten ordentlich in die Höhe. Wer bei den optionalen Normen nicht blindlings dieser Empfehlung folgt, sondern sich vorab gründlich beraten lässt, kann Einsparpotenziale nutzen.
7. Bei Materialkosten sparen
Die Materialkosten sind deutlich gestiegen – dennoch lassen sich Schnäppchen erzielen. Besonders aussichtsreich sind Restposten im Baumarkt. Alternativ sind Materialien wie Fenster oder Türen oft deutlich günstiger, wenn sie direkt beim Hersteller gekauft werden. Wer hier die Augen offen hält, dem eröffnen sich hohe Einsparmöglichkeiten.
8. Durch funktionale Ausschreibungen sparen
Wer sich für den schlüsselfertigen Bau entscheidet, sollte bedenken, dass er zwar weniger Einfluss auf einzelne Gewerke hat, dafür aber auch einen geringeren organisatorischen Aufwand. Grundsätzlich gilt: Ein hoher Wettbewerbsdruck senkt die Kosten. Daher ist es ratsam, nicht direkt den erstbesten Fertighaushersteller zu wählen, sondern mehrere Angebote einzuholen und die Anbieter gezielt in Konkurrenz zueinander zu setzen. Eine funktionale Baubeschreibung durch einen Architekten kann zusätzlich helfen, die Kosten zu optimieren, indem sie klare Vorgaben definiert. Wer den Wettbewerb noch weiter maximieren möchte, sollte die Bauweise – etwa Holz- oder Massivbau – offenlassen, um die bestmöglichen Konditionen zu erzielen.
9. Durch Angebotsvergleiche sparen
Wer mehrere Angebote vergleicht, kann sich für das günstigste entscheiden. In der Baubranche ist dies jedoch nicht immer ganz einfach. Das liegt daran, dass es für Angebote keine Vorgaben gibt. Während die eine Firma also sämtliche Kosten inklusive Material transparent kalkuliert, lässt die andere möglicherweise diesen Punkt weg, um ein scheinbar günstigeres Angebot präsentieren zu können. Bauherren müssen daher sorgfältig die Details der Angebote prüfen, bevor sie sich für ein Unternehmen entscheiden. Hilfreich sind hierbei immer auch Referenzen und Kundenbewertungen, um am Ende die richtige Entscheidung zu treffen.
10. Durch Flexibilität sparen
Eine frühzeitige detaillierte Planung ist wichtig, um Kosten zu reduzieren. In manchen Bereichen, beispielsweise bei der Wahl der Baumaterialien, kann es jedoch hilfreich sein, sich erst später festzulegen. Auf diese Weise können Bauherren auch von kurzfristigen Preisnachlässen oder Angeboten profitieren. Wer flexibel bleibt, kann also meist bessere Konditionen aushandeln. Außerdem sollten Bauherren bei ihrem Bauprojekt immer einen Puffer einkalkulieren, damit etwaige unvorhergesehene Kosten nicht zur finanziellen Belastung werden.
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 04_2025 des Baugewerbe Magazins.












