Rechtstipp
Mehr Sicherheit für KI
Der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) bietet der Baubranche neue Chancen. Doch mit dem technologischen Fortschritt wachsen auch die Anforderungen an die IT-Sicherheit.
Automatisierte Systeme und vernetzte Maschinen sind potenzielle Ziele für Angriffe – sei es durch Schadsoftware, Datendiebstahl oder Sabotage. Wer hier zu spät handelt, riskiert nicht nur Störungen im Betriebsablauf, sondern auch Bußgelder oder Reputationsschäden. Ein Leitfaden ist hier die europäische KI-Verordnung (EU) 2024/1689. Sie wurde im Juli 2024 im Amtsblatt veröffentlicht – erste Vorschriften gelten bereits seit Juli 2025, etwa zur Marktüberwachung. Weitere zentrale Regelungen, insbesondere für sogenannte "Hochrisiko-KI-Systeme", greifen ab 2026. Für die Bauwirtschaft relevant sind u. a. KI-Systeme zur:
• sicherheitskritischen Maschinensteuerung,
• Überwachung von Baustellen,
• Bewertung von Auftragsvergabe, Subunternehmern oder Kreditwürdigkeit.
Wer solche KI-Systeme entwickelt, einsetzt oder integriert, muss künftig einige Vorgaben beachten und erfüllen, darunter:
• Risikobewertungen und Konformitätsprüfungen,
• Transparenzpflichten gegenüber Nutzern,
• Pflichten zur Datenqualität und Dokumentation, sowie
• sicherstellen, dass menschliche Eingriffsmöglichkeiten bestehen bleiben.
Auch "geringfügig riskante" KI-Systeme – etwa Chatbots, Empfehlungssysteme oder Sprachmodelle – unterliegen bestimmten Transparenzanforderungen. Unternehmen sollten daher ihre KI-Anwendungen prüfen und interne Prozesse anpassen. Automatisierung und KI ersetzen keine Menschen, aber sie verändern Aufgaben: Bauleiter analysieren Echtzeitdaten, statt Checklisten abzuhaken, Maschinenführer steuern komplexe Systeme statt einzelne Geräte. Die Technik übernimmt stattdessen monotone oder gefährliche Aufgaben. Der Wandel gelingt nur, wenn alle Beteiligten frühzeitig eingebunden werden. Schulungen und praxisnahe Trainings sind zentrale Erfolgsfaktoren.
Gerade kleine und mittlere Betriebe zögern häufig mit Investitionen. Dies aus Sorge vor Aufwand oder rechtlichen Unsicherheiten. Dabei kann der Einstieg schrittweise erfolgen:
• Pilotprojekte starten: klein beginnen, Erfahrungen sammeln, Prozesse evaluieren
• Datenqualität sichern
• Datenschutz und IT-Sicherheit frühzeitig prüfen, Mitarbeitende einbinden
• Rollen und Zuständigkeiten klären
KI und Automatisierung verändern auch die Bauwirtschaft. Die Technik ist längst verfügbar, entscheidend ist, wie sie implementiert wird. Wer regulatorische Anforderungen wie IT-Sicherheit, Datenschutz und KI-Compliance von Beginn an integriert, schützt nicht nur sich selbst, sondern schafft Vertrauen bei Auftraggebern, Partnern und Mitarbeitenden.
Dieser Artikel erschien zuerst in der September-Ausgabe des Baugewerbe Magazins.












