Tiefbau in der Hansestadt
Aarsleff - noch so gut wie neu
1983 setzte Hamburg Wasser erstmals einen Synthesefaserliner zur Sanierung eines öffentlichen Abwasserkanals ein.
Diese Premiere in der Holzmühlenstraße markierte einen Wendepunkt in der Kanalinstandhaltung. Nun, 40 Jahre später, bestätigen aktuelle Untersuchungen die Langlebigkeit und Zuverlässigkeit dieses Verfahrens. Die Ergebnisse zeigen: Der Liner ist nach wie vor funktionstüchtig und erfüllt alle ursprünglichen Anforderungen – ein Beweis für die Nachhaltigkeit moderner Sanierungstechnologien.
Innovation und erster Einsatz
Das Schlauchlining-Verfahren wurde 1971 in London entwickelt und 1979 von der dänischen Firma Per Aarsleff verfeinert. Es basiert auf der Idee, beschädigte Kanäle ohne kostspielige und störungsintensive Erdarbeiten zu sanieren. Dabei wird ein flexibler, harzgetränkter Liner in den Kanal eingeführt, dort an die Wandung gepresst und ausgehärtet. Das Ergebnis ist eine robuste, wasserdichte Innenauskleidung, die dem Kanal eine neue Lebensdauer verleiht.
In Hamburg wurde dieses Verfahren 1983 erstmals eingesetzt, um einen durch biogene Schwefelsäure angegriffenen Mischwasserkanal zu sanieren. Die Entscheidung für das innovative Verfahren brachte nicht nur eine kosteneffiziente Lösung, sondern reduzierte auch die Belastungen für Anwohner und Verkehr.
Beständigkeit über vier Jahrzehnte
Bereits 2007, nach 24 Jahren Betriebsdauer, wurden Proben des Liners entnommen und untersucht. Die Ergebnisse waren beeindruckend, doch die erneuten Tests im Jahr 2023, nach 40 Jahren, setzen neue Maßstäbe. Die Proben zeigen, dass der Synthesefaserliner auch nach vier Jahrzehnten die mechanischen Anforderungen und die Wasserdichtheit erfüllt.
Selbst eine leichte Reduktion der Wanddicke beeinträchtigt weder die Stabilität noch die Funktionsfähigkeit. Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass das Material den Herausforderungen des Betriebsumfelds – darunter wechselnde Belastungen und chemische Einwirkungen – ohne signifikante Verschleißerscheinungen standgehalten hat. Damit bestätigt sich das Verfahren als eine langfristige Lösung für die Kanalsanierung.
Zufriedenheit und Vertrauen
Dipl.-Ing. (FH) Stephan Bollmann von Hamburg Wasser hebt die Bedeutung der Ergebnisse hervor:
"Das Produkt hat sich in seinem Grundgedanken kaum verändert, wurde aber durch kontinuierliche Weiterentwicklungen noch besser. Es ist robust, anwenderfreundlich und verzeiht selbst kleinere Fehler beim Einbau. Dass der Liner nach 40 Jahren Betriebsdauer immer noch so zuverlässig ist wie beim Einbau, bestätigt unsere hohen Erwartungen. Wir sind überzeugt, dass der Mischwasserkanal in der Holzmühlenstraße nicht nur die geplante Lebensdauer von 50 Jahren erreicht, sondern darüber hinaus langfristig funktionsfähig bleibt."
Bollmann betont außerdem die Bedeutung der kontinuierlichen Verbesserung des Materials: Jede Weiterentwicklung steigere die Effizienz und Anwendungssicherheit, ohne die ursprüngliche Einfachheit und Robustheit des Verfahrens zu beeinträchtigen.
Vorteile für die Bauwirtschaft und Infrastrukturplanung
Die Ergebnisse der Langzeitstudie verdeutlichen die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile des Schlauchlining-Verfahrens. Als grabenlose Technik minimiert es nicht nur die Beeinträchtigungen für Anwohner, Verkehr und Umwelt, sondern bietet auch eine kostengünstige Alternative zum Neubau von Kanälen. Die verlängerte Nutzungsdauer der sanierten Infrastruktur reduziert zudem langfristig den Bedarf an weiteren Eingriffen.
Besonders im Kontext der nachhaltigen Stadtentwicklung gewinnt das Verfahren an Bedeutung. Es unterstützt Kommunen und Versorgungsunternehmen dabei, ihre Infrastruktur ressourcenschonend und wirtschaftlich zu modernisieren. Dabei zeigt der Synthesefaserliner von Hamburg Wasser, dass eine innovative Technik mit über vier Jahrzehnten Betriebserfahrung auch für zukünftige Projekte wegweisend sein kann.
Ein Blick in die Zukunft
Angesichts der Ergebnisse der 40-Jahres-Studie sind die Erwartungen für die kommenden Jahrzehnte hoch. Der Synthesefaserliner hat nicht nur die prognostizierte Lebensdauer von 50 Jahren fast erreicht, sondern könnte sie dank seiner Robustheit und Beständigkeit deutlich überschreiten. Dies macht das Schlauchlining-Verfahren zu einer zukunftssicheren Technologie für die Sanierung von Abwasserkanälen – eine Methode, die sich durch kontinuierliche Verbesserungen weiterentwickelt und in der Praxis bewährt hat.
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 12_2024.













