Exklusivinterview mit Rototilt-Chef
Neue Gerätegeneration und Fernwartung
Rototilt fokussiert die Schnellwechsler-Sicherheit und den vollhydraulischen Wechsler. Baugewerbe-Chefredakteur Martin Schrüfer sprach Mitte August mit dem Rototilt-Geschäftsführer Wolfgang Vogl, der sich auf die Arbeitsmesse bauma 2022 freut – und in diesem Jahr mit seinem Unternehmen das 20-jährige Jubiläum feiert.
Baugewerbe: Herr Vogl, wichtige Rototilt-Themen im Herbst sind die neuen vollhydraulischen Schnellwechsler und das Sicherheitssystem SecureLock. Erzählen Sie mehr davon …
Wolfgang Vogl: Wir stellen eine komplett neue Gerätegeneration von Rototilt vor mit verbesserter Hydraulik und dem bekannten Sicherheitssystem SecureLock. Der Fokus liegt auf den vollhydraulischen Wechslern, die hierzulande und in Österreich massiv wachsen und die das System der Zukunft sind. Es wird die Kombination vom vollhydraulischen Wechsler QuickChange mit SecureLock und der neuen Gerätegeneration auf der bauma vorgestellt.
BGW: Was gab es noch zu verbessern an den Produkten?
Vogl: Die Hydraulik hat einen hydraulischen Ausgleich. Wenn bislang bei der Benutzung eine zweite Funktion zugeschaltet wurde, verlor die erste Funktion temporär an Geschwindigkeit, weil der Ölstrom sich verteilen musste. Die neue Hydraulik gleicht dies aus, weshalb die Funktionen nun präziser laufen. Auch die Durchflussmengen in der Hydraulik stehen im Fokus. Bei der Elektrik heben wir auf das neue Steuersystem, den Nachfolger für das ICS-System, ab. ICS wurde bereits 2013 eingeführt, das neue System ist zukunftsfähig, hat mehr Speicherkapazität und mehr Möglichkeiten der Einbindung in moderne Bagger, Stichwort CAN-Bus. Das wird das System für die kommenden zehn Jahre zukunftssicher und ausbaufähig machen.
BGW: Zum gleichen Preis?
Vogl: In der aktuellen Marktlage über Preise zu sprechen, ist fast unmöglich. Aus der Erfahrung heraus denke ich im Moment, dass wir die neue Generation zum gleichen Preis anbieten werden.
BGW: Wie bewerten Sie den Stellenwert von Sicherheit generell? Findet man hierfür überhaupt derzeit Gehör?
Vogl: Sicherheit verliert nie an Gehör. Die Schnellwechsler-Sicherheitsnorm wurde überarbeitet, womit ab 2024 verpflichtend weitere Sicherheitsmaßnahmen getätigt werden müssen. SecureLock hat das Thema vorweggenommen, ist prämiert und gefördert und seit 2022 serienmäßig in allen Rototilt-Wechslern. Wir haben mit SecureLock eine der besten Lösungen auf dem Markt.
BGW: Stirbt der Bauunternehmer aus, der so ein System für modernen Schnickschnack hält?
Vogl: Ja, durchaus. Denn die Haftungsfragen betreffen den Inhaber bei Schadensfällen immer öfter direkt, es haftet nicht nur der Bediener. Auch die Förderung der BG Bau erleichtert die eine oder andere Entscheidung.
BGW: Rototilt Control, die neueste Entwicklung aus Ihrem Haus, umfasst unter anderem eine neue Schwenkrotatorreihe, ein neues Steuersystem und eine App für Fernsupport. Wird das der Knaller auf der bauma?
Vogl: Die App alleine sicher nicht, aber das Gesamtkonzept. Die Produktbezeichnungen wechseln von „R“ zu „RC“, um dies zu verdeutlichen. Das Konzept fokussiert sich auf den Fahrer: komplett neuentwickelte Joysticks, die App und ein neues Display vereinfachen die Bedienung und geben mehr Möglichkeiten. Inklusive der Testphasen arbeitet Rototilt seit fünf Jahren dran.
BGW: Holt Rototilt damit auf dem Markt auf oder setzt Standards? Wie schätzen Sie die Neuerung ein?
Vogl: Sowohl als auch. Bei einzelnen Komponenten wie der Elektrokupplung und den Joysticks setzen wir neue Standards, bei der App ist es eher ein Auf- und Überholen. Der wesentliche Bestandteil der App wird die Fernwartung. Softwareupgrades und das Auslesen von Fehlercodes werden aus der Ferne möglich. Das spart Zeit und erhöht die Verfügbarkeit. Wir haben hier nicht nur Europa, sondern auch Nordamerika mit seinen riesigen Dimensionen im Fokus. Hier sitzt bei einem Ausfall ein Monteur erstmal ein paar Stunden im Flugzeug, bevor er sich dem System nähert.
BGW: Wie ist derzeit die Lage beim offenen Standard Open-S?
Vogl: Der Standard setzt sich immer stärker durch, da das gemeinsame Streben nach Sicherheit und die Abkehr von monoplistischen Lieferstrukturen stark begrüßt wird. Zudem fördert OpenS die technische Entwicklung und den freien Wettbewerb, Qualität, nicht das System sind kaufentscheidend.
BGW: Mit welchem Leitgedanken präsentieren Sie sich auf der bauma?
Vogl: Der klare Fokus wird die Schnellwechsler- Sicherheit und der vollhydraulische Wechsler sein.
BGW: Welche bauma erwarten Sie? Party wie immer oder eher eine ruhigere Variante?
Vogl: Wir erwarten eine reine Arbeitsmesse ohne Schnickschnack. Dementsprechend wird unser Stand die gleiche Grundfläche wie früher haben, diesmal aber sogar zweistöckig gebaut sein, um mehr Exponate zeigen zu können. Wir sind optimistisch und wollen das auch zeigen.
BGW: Ich denke, Sie haben allen Grund zum Optimismus, die deutsche Dependance von Rototilt wurde 2002 gegründet und feiert den 20. Geburtstag. Das ist ein Statement. Was erwarten Sie für die kommenden 20 Jahre?
Vogl: Wir erleben aktuell in Deutschland gerade den Durchbruch der Schwenkrotatoren. Ich sehe für den deutschsprachigen Raum zwar keine Ausrüstungsquote von bis zu 95 Prozent wie in Skandinavien, aber doch eine von 25 bis 30 Prozent in den kommenden 20 Jahren. Aktuell liegt er bei rund sechs Prozent.
BGW: Woher kommt der Unterschied?
Vogl: In Skandinavien sind mehr Allrounder, also kleine Unternehmer, die flexibel sein müssen vorhanden. Im Süden gibt es mehr größere Unternehmen, die pro Aufgabe eine Maschine haben. Allerdings gibt es auch hier bei uns immer weniger Arbeiter für sogenannte einfache Arbeiten auf dem Bau, sprich wir müssen Arbeit durch Technik ersetzen. Die Angst, dass ein Schwenkrotator Menschen Arbeit wegnimmt, gibt es in der Form nicht mehr.
BGW: Danke für das Gespräch, Herr Vogl.
bauma-Freifläche Nord, Stand FN.914/9
Der Beitrag erschien in Baugewerbe 9/22.









