Schrottumschlag
Cat: Nimm zwei für eins
So wie Handwerker nur Spitzenleistung abliefern können, wenn sie das richtige Werkzeug haben, braucht auch jeder Recyclingbetrieb das passende Equipment.
Doch wenn es das noch nicht gibt? Dann muss es konstruiert werden. Nach Vorgaben des Entsorgungsspezialisten Bergler entwickelte die Abteilung Customizing einen Wechselstiel für den Cat Umschlagbagger MH3040. Damit wird die Baumaschine zum Prototyp. So kann ein Gerät zwei Aufgaben abdecken.
Eine klare Trennung braucht es im Schrottumschlag, um die unterschiedlichen Altmetalle nach Haufwerken zu separieren und mit einem sauberen Schnitt für die Weiterverarbeitung aufzubereiten. "Der Kunde wollte ein Trägergerät für zwei verschiedene Aufgaben haben", definiert Michael Arzberger, Zeppelin-Verkaufsleiter Bayern für Materialumschlag und Recycling, das Anforderungsprofil. Mit einem geraden und vier Meter langen Stiel soll bei Bergler eine 2,9 Tonnen schwere Schrottschere mit einer Backenöffnung von 565 und einer Backentiefe von 630 Millimetern bedient werden können, um den Schrott zügig in die Chargen für Stahlwerke zu zerlegen. Für das Sortieren und die Verladung braucht es einen Polypgreifer. Dieser wird per vollhydraulischem Wechselsystem an einer gekröpften und drei Meter langen Stielverlängerung angebracht. Somit wird eine Reichweite von 15,4 Metern erzielt.
"Die beiden Stiele zum Wechseln wurden entsprechend den Kundenanforderungen neu entwickelt und gebaut", so Michael Sünder, Projektleiter für Sonderlösungen der Abteilung Customizing. Das bedeutete, die geforderten Trag- und Hublasten zu berechnen. Entsprechende Anpassungen an der Arbeitshydraulik für den Umlenkstiel, wie ihn der Schereneinsatz erforderlich machte, waren notwendig. Er setzt einen Arbeitsdruck von bis zu 350 Bar und einen Öldurchfluss von 200 bis 250 Litern pro Minute voraus. Auch der verwendete Polypgreifer ist auf 350 Bar und einen Öldurchfluss von 100 Litern pro Minute angewiesen. Als Trägermaschine konzipiert, hat der Cat MH3040 alles, um Drücke und Durchflussmengen für bis zu 20 Anbaugeräte zu speichern und einzustellen. Dazu wurde extra Tool Control nachgerüstet. Wie alle Cat-Bagger der neuen Generation ist der Umschlagbagger mit einer elektrohydraulischen Vorsteuerung ausgestattet. Weil es im Umschlag von Schrotten und Metallen auf kurze Reaktionszeiten ankommt, soll das Arbeitsgerät schnell ansprechen und entsprechend starke Leistung abliefern. Durch den Wechselstiel waren daher Modifikationen der elektrohydraulischen Vorsteuerung erforderlich. Schließlich musste die Elektronik samt Steuerung angepasst werden. "So ein Umschlagbagger wie ein MH3040 ist sehr speziell. Die Maschine beruht auf der Plattform eines Kettenbaggers vom Typ 330 und wurde strukturell sowie softwaretechnisch für den anspruchsvollen Materialumschlageinsatz entwickelt", erklärt Gerhard Hamsch, Zeppelin-Verkaufsrepräsentant von der Niederlassung Erlangen, die an Bergler erstmals ein Cat-Gerät lieferte.
Maßgeblichen Anteil daran hatte der Maschinist. "Fahrerwünsche spielen inzwischen eine große Rolle, was Wahl und Ausstattung ihres Arbeitsgeräts betrifft. Schließlich sollen sich die Maschinisten wohlfühlen, wenn sie damit jeden Tag arbeiten", so Gerhard Hamsch. Ein Touchscreen-Monitor mit Jog-Dial-Eingabe ermöglicht Martin Hanauer die Navigation durch die Funktionen. Die Joystick-Einstellungen, die an den Greiferbetrieb angepasst wurden, und der bevorzugte Leistungsmodus können über den Monitor eingestellt werden. Weil es auf dem Umschlagplatz eng ist, muss die Baumaschine wendig sein. Daher wurde der begehbare Steg als klappbare Lösung entwickelt. "Ich habe schon viele Hersteller gefahren, aber der neue Bagger ist kein Vergleich dazu. Er liefert volle Leistung und ist viel leiser. Ich sitze den ganzen Tag in der Maschine. Da muss der Sitz vom Komfort her passen. Die Schere hat viel Kraft, um den Stahlschrott zu schneiden", bestätigt Martin Hanauer, der mit dem Cat MH3040 seit Mitte Januar arbeitet. Marco Bauer, Betriebsleiter von Bergler, ergänzt: "Durch den Wechselstiel sind wir viel flexibler geworden." Bis der Fahrer auf den Greifer umstellt, lässt er immer wieder eine gewisse Menge an Stahlschrott zusammenkommen. "In Zukunft wollen wir den Wechselstiel auch anderen Kunden in Verbindung mit dem Schnellwechselsystem von Oilquick anbieten", kündigt Michael Sünder an.
Bergler plant, noch ein Gestell zu bauen, um den Stiel, der pausiert, ablegen zu können. Schließlich sollen keine Partikel das System verunreinigen. Das schadet der Hydraulik, sorgt für einen Leistungsverlust oder auf Dauer für einen Schaden. "Wir kaufen nicht alle drei, vier Jahre eine neue Maschine, sondern wollen eine Umschlagmaschine an die 20.000 Betriebsstunden einsetzen. Auch das ist nachhaltig, wenn man so Ressourcen schont. Das entspricht unserem Geschäftsmodell. Daher brauchen wir einen Umschlagbagger, der genau zu unserem Anforderungsprofil passt. Umso besser, dass der neue Cat auch noch der aktuellen EU-Emissionsstufe V entspricht", erklärt Geschäftsführer Thomas Bergler. Heute sind 90 Fahrzeuge im Umlauf. 1989 erfolgte der Einstieg in Metallhandel und Recycling – die Leistungen werden für Industrie, Gewerbe, Handel, Kommunen und Privatpersonen erbracht. Inzwischen gehören Standorte wie Amberg, Bindlach, Steinfels, Weiden und Weiherhammer zur Firmengruppe, die darüber hinaus einen Mineralölhandel sowie eine Reparaturwerkstatt für Nutzfahrzeuge betreibt und als inhabergeführte Unternehmensgruppe 250 Mitarbeiter beschäftigt.
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 11_23.












