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Artikel und Hintergründe zum Thema

Wohn- und Geschäftshaus

Stefan Menning,

Holz-Hybridbau - Stadthaus New7

Holz als zentraler Baustoff: Das New7 mitten in Mannheim bietet als gemischt genutztes Gebäude 75 Mietwohnungen sowie Geschäftsräume. Das Baukonzept soll traditionelles Handwerk mit modernen Bauweisen verbinden – und Maßstäbe für nachhaltiges Bauen in der Metropolregion Rhein-Neckar setzen.

Revitalisierung und Aufwertung im Mannheimer Stadtzentrum: Den Großteil des Gebäudes nehmen 75 Mietwohnungen ein. Im Erdgeschoss befinden sich Einzelhandelsflächen, darüber Büro- und Praxisflächen © Blocher Partners

Das ambitionierte Holzbauprojekt der Diringer & Scheidel Unternehmensgruppe vereint moderne Urbanität mit nachhaltigem Bauen. Das ehemalige Kaufhaus, einst ein Symbol des stationären Handels, wird in eine innovative Immobilie transformiert. Während die ersten Stockwerke und Untergeschosse des alten Gebäudes bestehen bleiben, wächst ab dem zweiten Obergeschoss eine Holz-Hybrid-Struktur in die Höhe – ein Novum in der Region.

Das New7 befindet sich in einer der bekanntesten Mannheimer Lagen. Bis zum Herbst 2020 unterhielt Kaufhof dort ein Warenhaus. Die Gebäudestruktur machte viele Nutzungen möglich © Diringer & Scheidel

Das New7 fällt durch das Zusammenspiel von Holz, Beton und hängenden Grünflächen ins Auge. Ein moderner und zugleich naturnaher Gebäude-Charakter setzt im Mannheimer Quadrat N7 neue gestalterische Akzente. "Holz ist nicht nur CO2-Speicher, sondern verleiht der Architektur eine warme und natürliche Ästhetik", beschreibt Architekt Benjamin Blocher von blocher partners. "Nachhaltigkeit und Modernität waren für uns darüber hinaus wichtige Kriterien", erläutert Alexander Dech, Architekt und Geschäftsführer des Projektentwicklers und Bauherrn, der Diringer & Scheidel Städtebau GmbH. "Deshalb haben wir uns dafür entschieden, nicht nur hinsichtlich des neuen Nutzungskonzepts eine innovative Immobilie, sondern auch im Sinne der ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) zu realisieren."

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Ein Novum: Fünf Stockwerke aus Holz

Mit New7 realisieren der Bauherr und die beauftragten Architekten ein Baukonzept, das traditionelles Handwerk mit modernen Bauweisen verbindet. Das Gebäude soll dabei nicht nur den Ansprüchen von heute gerecht werden, sondern auch zukünftige Anforderungen an Flexibilität, Nachhaltigkeit und Ästhetik erfüllen. Herausforderungen an die Planer ergaben sich vor allem durch die Kombination unterschiedlicher Baustoffe und damit einhergehenden Konstruktionsweisen. "Zunächst wird die bestehende Massivbauweise Bestandsmauerwerk der zwei Untergeschosse und des Erdgeschosses sowie der aufgehenden Teile im Obergeschoss erhalten und ertüchtigt, dann schließt mit einer Stahl-Beton-Verbundkonstruktion als Ausgleichsebene der Deckenbereich des 1. Obergeschosses an, um anschließend in Holzbau aufzustocken", erläutert Benjamin Blocher. "Die Holzbauweise ist in diesem Kontext der Schlüssel zum Erfolg des Projekts. Denn durch die gewichtssparende Konstruktionsweise konnten zwei zusätzliche Geschosse realisiert werden, ohne die Gründung aufwändig zu verstärken."

"Bei diesem Projekt haben wir bereits in der frühen Planungsphase sehr eng mit dem Bauherrn, den Architekten, Tragwerksplanern und anderen Fachplanern sowie den Verantwortlichen der Diringer & Scheidel Bauunternehmung zusammengearbeitet. Auf diese Weise konnten wir bereits in der Genehmigungsplanung Hinweise geben, wie sich die geplanten Strukturen später am besten umsetzen lassen. Dies hat sich in Mannheim bewährt und dazu geführt, dass wir bisher keine größeren Probleme auf der Baustelle hatten", ergänzt Kai Vahle vom Tragwerksbauer Hess Timber.

Koordination muss passen

Dipl.-Ing. Emilia von Fritsch von Kempen Krause Beratende Ingenieure GmbH ist verantwortlich für die Tragwerksplanung: "Zunächst mussten wir sicherstellen, dass sowohl die Bestandsstützen und -fundamente als auch der Baugrund die Lasten des Neubaus tragen können. Eine Verstärkung der Gründung war hier nicht möglich, da der Bestand permanent im Grundwasser stand und die Untergeschosse mit einer, schwarzen Wanne‘ abgedichtet sind."

Die Holzbauweise stellt dabei hohe Anforderungen an die Koordination aller Beteiligten. "Von Anfang an haben wir im Planungsteam eng mit Architekten und den Holzbaufirmen zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass alle Anforderungen – ob statisch, bauphysikalisch oder brandschutztechnisch – berücksichtigt werden." Kempen Krause Beratende Ingenieure sind neben der Tragwerksplanung auch verantwortlich für die Planung von Brandschutz und Bauphysik.

Elegante Fassade aus Holz

Während die ersten Stockwerke und Untergeschosse des alten Gebäudes bestehen blieben, wächst ab dem zweiten Obergeschoss eine Holz-Hybrid-Struktur in die Höhe, ein Novum in der Region © Johannes Voigt für Diringer & Scheidel

Die Fassade, die ebenfalls in Holz gestaltet wird, fügt sich nahtlos in das urbane Bild ein und verleiht New7 eine natürliche Eleganz. "Wir haben uns entschieden, die Konstruktionsweise über das gesamte Gebäude in der Fassade zu zeigen", sagt Benjamin Blocher. "Damit ist New7 eines der wenigen Gebäude, das in zentraler Innenstadtlage auf Holz in der Fassade setzt. Es entsteht ein einzigartiges Bild, das sich durch den Kontrast zwischen dem robusten Betonsockel und der leichten, aufgestockten Holzstruktur auszeichnet. Diese Kombination hebt New7 optisch von umliegenden Gebäuden ab. Die Begrünung der Fassade gliedert diese zusätzlich."

Holz aus heimischen Wäldern

Die Holzfassade wird mit einem grauen Pigment vorbehandelt, das den natürlichen Alterungsprozess simuliert. Die Holzfassade, sowie Außenwandbauteile einschließlich der Fenster werden von der HU-Holzunion hergestellt und montiert © Diringer & Scheidel

Für die Fassade werden hauptsächlich Fichte und Douglasie verwendet. Die Fassade von New7 wird aus rauem, unbehandeltem Holz gefertigt, das bewusst eine natürliche, vergraute Oberfläche bekommt. "Dies erfolgt durch eine Vorbehandlung mit einem grauen Pigment, das den natürlichen Alterungsprozess simuliert", erklärt Dipl.-Ing. (FH) Heiko Seen, geschäftsführender Gesellschafter der HU-Holzunion GmbH, die die Holzfassade, sowie Außenwandbauteile einschließlich der Fenster, herstellt und montiert. "Diese Methode verhindert, dass die Fassade ungleichmäßig vergraut, was bei ungeschütztem Holz vorkommen kann. Die raue Oberfläche ist zudem weniger anfällig für Schäden durch Wettereinflüsse und behält auch nach Jahren ihr ansprechendes Erscheinungsbild."

So zeigt bereits die Fassade des New7, wie traditionelle Materialien und moderne Architektur Hand in Hand gehen können. Es zeigt, wie bestehende Gebäude weiterentwickelt und gleichzeitig ökologische und ökonomische Vorteile erzielt werden können. Das Projekt will ein starkes Zeichen für nachhaltiges Bauen in urbanen Räumen setzen und sowohl in punkto Technik als auch in Bezug auf Nachhaltigkeit Vorbild mit Strahlkraft sein.

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