Wanderschaft im Rheinischen Revier
Alle an einem Strang dank Cat
Cat Rohrverleger PL87 unterstützt RWE Power beim Versetzen der Förderbänder im Tagebau.
Regelmäßig gehen sie auf Wanderschaft im Rheinischen Revier und müssen ihre Position kontinuierlich verändern: die Förderbänder, die im Tagebau Garzweiler Braunkohle oder Abraum transportieren.
Normalerweise sind Rohrverleger überall dort, wo Wasser-, Gas- oder Ölleitungen zu verlegen sind und Pipelines gebaut werden. Bei RWE Power erfüllen sie einen anderen Zweck: Sie versetzen hauptsächlich die bis zu drei Kilometer langen Teilbandanlagen im Tagebau Garzweiler. Daher tragen die Baumaschinen auch den Namen Rückraupen. Aufgrund von Belastung und Verschleiß hält frischer Wind Einzug in den Gerätepark des Tagebaus Garzweiler. Ein neuer Cat PL87 mit 55 Tonnen Einsatzgewicht ersetzt eine der fünf bestehenden Cat-Rückraupen und wurde für den Einsatz entsprechend von der Zeppelin-Niederlassung Köln im Hinblick für anstehende Arbeiten modifiziert. Beim Rücken wird ein hydraulisch anzusteuernder Rollenrückstuhl eingesetzt. Das Hydrauliksystem des ursprünglichen Rohrverlegers wurde zur Steuerung des Rollenrückstuhls erweitert. Dies ist eine wesentliche Modifizierungsmaßnahme für den Einsatz im Tagebau.
Teamwork von Zeppelin Baumaschinen und RWE
"Das Ganze war echtes Teamwork", erklärt Stefan Lanio, Zeppelin Niederlassungsleiter. Weil das Modell, ein Cat 589, der sonst im Tagebau Garzweiler im Einsatz ist, nicht mehr lieferbar war, musste eine Alternative her, die nach RWE-Standard modifiziert wurde: Der PL87 ist derzeit das größte Modell an Rohrverlegern, das zurzeit von Caterpillar gebaut wird. Es wurde mit einem Mast von 6,1 Metern geordert. Neumaschinendisponent Jan Deventer kümmerte sich um die Bestellung und Abwicklung. "Im Fall des Rohrverlegers, der per Schiff aus den USA nach Bremerhaven gebracht wurde, war es diesmal etwas aufwendiger", erklärt er. Dort erfolgte der Umbau gemäß Kundenwunsch.
So sollten zusätzlich feste Anschlagpunkte zum Anheben und Verladen des Mastes durch Klemmen ausgeführt werden. Die Kranflasche sollte außerdem zwei weitere Gewichtsplatten und eine zusätzliche Hakensicherung erhalten. Zudem war angedacht, Anschlagpunkte für die Verbolzung des Rollenrückstuhls anzufertigen und am Mast anzuschweißen. Darüber hinaus war eine Stange im unteren Bereich des Mastes zur Führung und zum Schutz der Hydraulikschläuche der Rückvorrichtung vorzusehen. Die Mitarbeiter mussten außerdem unter der Hauptverlagerung des Mastes zwei zu verschraubende Stützböcke anbringen. Diese dienen zur temporären Ablage des Mastes. Das Windenseil des Lasthakens galt es, so weit zu kürzen, dass bei Bodenkontakt der Kranhaken noch eine komplette Lage auf der Windentrommel liegt.
Entsprechend einer Konstruktionszeichnung, die von RWE Power bereitgestellt wurde, sollten eine Begehung mit Hand-, Knie- und Fußleisten sowie Schwingungsdämpfer zwischen den Handlaufsegmenten rund um den hinteren/seitlichen Bereich der Fahrerkabine gefertigt und installiert werden. Die Trittflächen mussten sie mit verzinkten Lichtgitterrosten ausführen. Hinzu kam eine separate Aufstiegsleiter, um das Auf- und Absteigen zur Fahrerkabine sicherer zu machen.
Die Klimaanlage wurde mit einem zusätzlichen Filter ausgestattet. Den nötigen Rundumblick gewährleisten fünf Kameras. Außerdem installierten die Mitarbeitenden zusätzliche Fahr- und Arbeitsbeleuchtung. Gefordert war auch der Einbau einer Druckbetankung, um die Maschine mit Diesel zu versorgen – und zwar vom Boden aus.
Cat für Braunkohletagebau
Wofür dieser Aufwand? Auf einer Länge von rund 95 Kilometern durchziehen die Transportadern den Braunkohletagebau. Auf ihnen und per Werksbahn werden jährlich bis zu 28 Millionen Tonnen Braunkohle befördert. Von den Bunkern geht es zu den Kraftwerken Neurath und Niederaußem. Auch an die 110 Millionen Kubikmeter Abraum, den sechs Absetzer wieder im Kippenkörper des Tagebaus einbringen, transportieren die Bandanlagen. Die Lage der Bandanlagen muss sich permanent dem Abbau beziehungsweise der Kippe anpassen.
Dabei setzen die Bergleute auf die Biegefähigkeit der Schienen, sagt Jaroslaw Pyrcik, Abteilungsleiter Infrastruktur bei RWE Power. Denn die einzelnen Bandtraggerüste der Bandanlagen sind an ihren Füßen formschlüssig mit einer Schiene verbunden. Diese lässt sich entsprechend über ihre ganze Länge verbiegen, wenn die Bandanlagen mittels Rückraupen den Großgeräten nachgezogen werden. Über den Rollenrückstuhl, der im Lasthaken der Rückraupe hängt, wird die Rückschiene fixiert, wenn die Rohrverleger hintereinander an der Bandanlage entlangfahren. Sie heben die Anlage an und beim Vorbeifahren wird diese in ihre neue Lage gezogen. Meter für Meter schreitet das Gespann voran. Im Fall des Cat PL87 ist es ein Sechszylinder-Dieselmotor, Typ C15, mit 238 kW (324 PS) basierend auf neuester Motorentechnik der Abgasstufe V mit AdBlue und DPF. Bis zu 120 Meter wird die Anlage auf diese Weise verrückt.
Die Endposition der neuen Rücklage des Förderbandes wird punktgenau per GPS angelegt. Deswegen nutzt der neue Cat PL87 von Zeppelin Baumaschinen auch die 3D-Maschinensteuerung von Trimble Earthworks für Dozer sowie VisionLink, um Daten wie die GPS-Position zu übertragen. Damit der Bandförderer in seiner neuen Lage genau im Lot steht, ist eine entsprechende Planung und Vorbereitung sehr wichtig. So wird vorab mithilfe von Cat-Kettendozern vom Typ D6 das Grobplanum vorgeschoben, um durch einen Motorgrader 140 AWD das eigentliche Feinplanum, die Bandachse, zu erstellen.
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 05_2024.













