Baugewerbe Magazin EXKLUSIV

Christian Schaar,

Hitzeschutz in Gebäuden: Nachhaltige Strategien für mehr Wohnkomfort im Sommer

Die Zunahme von Hitzewellen macht deutlich, dass der Wohnungsbau sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen muss. Während in der Vergangenheit der Fokus vor allem auf dem Schutz vor Kälte lag, rückt der sommerliche Wärmeschutz zunehmend in den Mittelpunkt der Bauplanung.

In den letzten Jahren ist die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Deutschland und Europa gestiegen. © DCF

Hohe Innenraumtemperaturen wirken nachhaltig auf das Wohlbefinden der Bewohner aus und können sogar ein Gesundheitsrisiko darstellen: In den letzten Jahren ist die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Deutschland und Europa gestiegen. Umso wichtiger ist ein gut durchdachter Hitzeschutz, der bereits bei der Planung beginnt. Neben der optimalen Ausrichtung des Gebäudes sind die Auswahl nachhaltiger Materialien und der Einsatz intelligenter Sonnenschutzlösungen entscheidend, damit die Innenräume auch an heißen Tagen angenehm kühl bleiben.

Wohlfühlfaktor Raumtemperatur: Warum ein angenehmes Klima so wichtig ist

Eine behagliche Raumtemperatur ist eine der wichtigsten Grundlagen für gesundheitliches Wohlbefinden und einen erholsamen Schlaf. Überhitzte Räume können dagegen nicht nur zu Unwohlsein führen, sondern ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko darstellen. Das gilt insbesondere für bestimmte Personengruppen wie Kleinkinder, ältere Menschen ab 65 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen, beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei längerem Aufenthalt in heißen Räumen können Dehydrierung durch übermäßiges Schwitzen, Herz-Kreislauf-Probleme und Hitzestress mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Müdigkeit und Schwindel auftreten. Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen können unter Atembeschwerden leiden, da Hitze und Luftverschmutzung die Atemwege reizen.

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Maßnahmen für einen effektiven Schutz vor der Sommerhitze

Vor diesem Hintergrund stellt der Hitzeschutz eine zentrale Herausforderung beim Wohnungsbau dar, die auch rechtlich verankert ist. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt diesen gemäß § 14 für Neubauten sowohl in der Planung als auch in der Ausführung nach anerkannten Regeln der Technik vor. Folgende Schritte und Maßnahmen kommen für einen guten Wärmeschutz im Sommer infrage:

• Gebäudeplanung: In der Planungsphase sind mehrere Aspekte zu berücksichtigen, darunter eine optimale Ausrichtung des Gebäudes. Zu bedenken ist, dass sich Süd sowie Ost- und Westseiten schneller aufwärmen. Hier können horizontale Bauteile, wie Dachüberstände, Vordächer und Balkone als Sonnenschutz dienen.

• Baumaterialien: Materialien mit hoher spezifischer Wärmekapazität, wie Beton oder Wände aus Mauersteinen, fungieren als natürliche Wärmespeicher. Tagsüber nehmen sie Wärme auf und geben sie nachts allmählich wieder ab. Dies reduziert signifikant die Schwankungen der Raumtemperatur. Auch Estriche oder Steinböden im Wohnbereich tragen zu einem ausgeglichenen Raumklima bei und sollten daher nicht durch Teppiche oder Möbel verdeckt werden.

• Dämmung: Von besonderer Bedeutung für den Wärmeschutz im Wohnungsbau ist die Dämmung des Dachs. Neben einer ausreichenden Dämmstärke ist eine luftdichte Ausführung der Konstruktion unerlässlich, um Wärmebrücken zu vermeiden. Mehrlagig ausgeführte Bekleidungen aus Bauplatten optimieren die Isolierung zusätzlich.

• Natürliche Dämmstoffe: Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen leisten einen wesentlichen Beitrag zum Hitzeschutz im Wohnungsbau und fördern gleichzeitig ein gesundes Raumklima. Holzfaserdämmplatten, Kork, Zellulose, Hanf, Schafwolle und Stroh überzeugen durch ihre niedrige Wärmeleitfähigkeit und ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu regulieren. Bei der Auswahl von Dämmstoffen sollte stets der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) berücksichtigt werden, da dieser einen entscheidenden Einfluss auf den Wärmeverlust bzw. -gewinn hat. Ein niedriger U-Wert weist auf eine effektive Wärmedämmung hin.

• Begrünte und helle Fassaden: Neben der Wahl geeigneter Dämmstoffe sind auch architektonische Maßnahmen wie begrünte Dächer und Fassaden sowie Fassaden in hellen Farben von Bedeutung. Sie reduzieren die Wärmeaufnahme der Gebäudehülle und tragen somit zur Kühlung bei.

• Fenster: Spezielle Sonnenschutzfenster lassen weniger Sonnenstrahlung in die Innenräume. Entscheidend ist hier der Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert), der möglichst niedrig sein sollte. Sonnenschutzfenster erzielen diesen Effekt durch mehrere Scheiben im Scheibenzwischenraum, die mit Farbstoffen oder Metallen beschichtet sind. Insbesondere starke Sonnenschutz-Beschichtungen in dunklen Farbtönen reduzieren die durchgelassene Sonnenstrahlung, sind aber auch weniger lichtdurchlässig. Die Wahl der Beschichtung sollte daher einen Kompromiss zwischen Sonnenschutz und Transparenz darstellen. Ein Richtwert für Doppelverglasung liegt bei einem g-Wert von 0,30 bis 0,40, für Dreifachverglasung etwa 30 Prozent höher.

• Sonnenschutzfolien: Sie sind vor allem bei älteren Fenstern eine sinnvolle Nachrüstung. Ihre spezielle Beschichtung reflektiert einen Teil der Sonnenstrahlung und reduziert so die Wärmeaufnahme im Innenraum. Für eine optimale Wirkung ist eine fachgerechte Montage entscheidend: Die Folien müssen spannungsfrei angebracht werden, um Schäden am Fensterglas zu vermeiden.

• Sonnenschutz-Lösungen: Neben außenliegenden Jalousien, Rollläden und Markisen bieten Bäume einen effektiven natürlichen Sonnenschutz. Plissees aus speziellen Materialien wie beschichtetem PET zeichnen sich durch eine hohe Hitzebeständigkeit aus. Auch beschichtete Innenrollläden können zur Reduzierung der Sonneneinstrahlung beitragen.

• Aktive Systeme: Klimaanlagen und Wärmepumpen mit Kühlfunktion sorgen ebenfalls für angenehm kühle Räume im Sommer. Allerdings ist ihr hoher Energieverbrauch zu beachten. Als energieeffizientere Alternativen kommen Ventilatoren oder die Nutzung natürlicher Belüftungsmöglichkeiten infrage.

• Smart-Home-Technologie: Intelligente Steuerungssysteme ermöglichen eine automatisierte Anpassung von Fensterrollos, Lüftung und Klimaanlage an wechselnde Temperaturen und optimieren zugleich den Energieverbrauch.

Fördermöglichkeiten nutzen und Kosten sparen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung für die Maßnahmen zum Hitzeschutz zu erhalten. Bauherren und Sanierer können mit folgenden Fördermöglichkeiten ihre Investitionskosten erheblich senken und somit einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz und zum Wohlbefinden in ihren Wohnräumen leisten:

Christian Schaar, Geschäftsführer von S2 Architektur © REputativ

• Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert beispielsweise Maßnahmen zur Installation oder zum Austausch von außenliegendem Sonnenschutz.

• Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gewährt Zuschüsse für Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle.

• Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Kredite für den sommerlichen Wärmeschutz an.

Die genauen Förderbedingungen, Fördersummen und Antragsfristen können sich regelmäßig ändern. Es ist daher empfehlenswert, sich direkt bei den jeweiligen Förderbanken zu informieren.

Autor

Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH (s2-architektur.com). Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros, dessen Schwerpunkt ebenfalls der ökologische Holzbau ist, wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.

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