Baugewerbe INTERNATIONAL
Projekt TverstedHouse: Schaumglas als nachhaltige Fundamentlösung
Im dänischen Tversted wurde ein innovatives Bauprojekt realisiert, das die traditionellen Baustoffe Beton und Stahl durch Schaumglas ersetzt. Das TverstedHouse, ein Wohnhaus mit Keramikwerkstatt, demonstriert den Einsatz von biobasierten Materialien und alternativen Baustoffen in der Bauindustrie.
Biobasiertes Bauen als Alternative zur konventionellen Bauweise
Das Architekturbüro nikolova/aarsø strebt bei all seinen Projekten die Verwendung biobasierter Materialien an, um die Umweltbelastung zu minimieren. „Biobasierte Architektur bedeutet einen Qualitätssprung in allen Parametern, die wir messen - vor allem in Bezug auf Umwelt und Klima“, erklärt Jonas Aarsø, der Architekt des Projekts. In Dänemark, wo viele Bauprojekte auf schwierigem Baugrund entlang der Küste stehen, ist es oft herausfordernd, klimafreundliche Fundamente zu realisieren. Schraubpfähle sind zwar eine gängige Lösung, stoßen aber an ihre Grenzen, wenn große Tiefen erreicht.
Ringförmige Fundamente ohne Beton und Stahl
Für das TverstedHouse wurde Schaumglas von Galpor als tragendes Element gewählt. Die Zusammenarbeit zwischen nikolova/aarsø, Galpor und Cellglas Sweden führte zur Entwicklung einer Fundamentlösung, die ausschließlich aus Schaumglas besteht. „Die Tatsache, dass Galpor keinen energieintensiven Schmelzprozess benötigt, reduziert den CO2-Fußabdruck erheblich“, betont Aarsø. Das Ingenieurbüro Structured Environment übernahm die technische Planung des innovativen Fundaments.
Technische Realisierung und statische Überlegungen
Eine zentrale Herausforderung war die Frage, wie das Gebäude ohne feste Verankerungen wie Beton oder Stahl mit dem Schaumglas verbunden werden kann. Schaumglas ist extrem druckfest, reagiert aber empfindlich auf Zug- und Biegekräfte. Nach sorgfältigen Berechnungen entschied das Team, dass das Gewicht des Gebäudes ausreichen würde, um auch starken Stürmen standzuhalten. „In den meisten Fällen reicht das Gewicht des Gebäudes aus, um stabil zu bleiben - so wie hier beim TverstedHouse“, sagt Aarsø.
Bodenkompensiertes Fundament: Ein Tag Bauzeit
Das Fundament in Tversted basiert auf einem bodenkompensierten System, bei dem das Gesamtgewicht des Gebäudes durch den Bodenaushub ausgeglichen wird. Das Schaumglasfundament wurde von Hand gesetzt. Dank spezieller Schraubverbindungen konnte das 200 Quadratmeter große Fundament innerhalb eines Tages errichtet werden. Trocknungszeiten und Vorbereitungen wie Dämmung oder Abdichtung, die bei herkömmlichen Materialien notwendig sind, entfallen bei Schaumglas komplett. Durch diese zeitsparende Bauweise konnte unmittelbar nach der Fundamentierung mit der Errichtung des Rohbaus begonnen werden.
Druckfestigkeit und Vielseitigkeit
Schaumglas von Galpor ist extrem druckfest und hält Belastungen von bis zu 90 Tonnen pro Quadratmeter stand. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Belastung eines Gebäudes liegt bei etwa vier Tonnen pro Quadratmeter. Aarsø und Helge Flöge, Leiter der internationalen Anwendungstechnik bei Galpor, sehen großes Potenzial: „Mit Schaumglas ist vieles möglich. Es geht darum, für dieses Material zu entwerfen“, sagt Aarsø. Durch die gleichmäßige Lastverteilung kann Schaumglas auch in mehrstöckigen Gebäuden eingesetzt werden.
Vielseitig einsetzbar ohne Wärmebrücken und mit weniger CO2-Ausstoß
Im Vergleich zu herkömmlichen Fundamenten, die aus mehreren Materialien bestehen und oft Wärmebrücken aufweisen, bietet Schaumglas den Vorteil, dass alle notwendigen Funktionen - Lastabtragung, Dämmung und Abdichtung - in einem Material vereint sind. Galpor Schaumglas, das zu 100 % aus Recyclingglas besteht, reduziert nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern verhindert auch die Bildung von Wärmebrücken. Am Übergang vom Fundament zur Außenwand treffen beim TverstedHouse nur Dämmstoffe aufeinander, was die Bauphysik vereinfacht und die Dauerhaftigkeit erhöht.
Einfache Verarbeitung und flexibler Einsatz
Schaumglas ist besonders einfach zu verarbeiten. „Die Arbeiter hatten noch nie mit Schaumglas gearbeitet, aber es ist so einfach zu verarbeiten, dass Anpassungen direkt auf der Baustelle vorgenommen werden konnten“, erinnert sich Aarsø. Auch er kannte Schaumglas bisher nur von der Dämmung von Dächern und Autobahnen. „Letztendlich war der Bau der Fundamente der einfachste Teil des Projekts“, sagt Aarsø. Nachdem der Baugrund vorbereitet war, wurden die Schaumglasblöcke einfach aufeinander gestapelt.
Bodenplatte ohne Beton: schnell und effizient
Auch bei der Bodenplatte entschieden sich nikolova/aarsø für Schaumglas. Rund 400 Quadratmeter Schaumglasplatten wurden auf einem Splittbett verlegt. Die Platten bieten nicht nur Dämmung, sondern auch die nötige Tragfähigkeit als Bodenersatz. Die Verlegung der Platten verlief schnell und unkompliziert - ein weiteres Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Materials.
Zukunftsperspektive: Baulösungen ohne Beton und Stahl
Aarsø betont, dass das TverstedHouse-Fundament für viele Standorte eine geeignete Lösung darstellt, insbesondere für Gebiete mit schwierigen Bodenverhältnissen. „Wenn wir sicherstellen wollen, dass zukünftige Generationen einen lebenswerten Planeten vorfinden, müssen wir biobasierte und zirkuläre Lösungen entwickeln.
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