Interview
Hessens höchstes Gebäudes in Holzhybridbauweise - Schöne Orte entstehen lassen
Zu den Teilnehmern am Architekturwettbewerb für den mehrgeschossigen Wohnturm in Wiesbaden gehörten auch Klaus Leber Architekten aus Darmstadt und Lars Otte Architektur aus Köln, die sich zu diesem Zweck zu einer ARGE zusammengeschlossen hatten. Sie überzeugten die Jury am Ende mit einem Entwurf, der den Begriff „Leuchtturm“ gleich in mehrfacher Hinsicht mit Inhalt füllt: als achtgeschossiger „Turm“, den das Architektenteam aus dem ausgeschriebenen Quader entwickelt hatte; als Pilotprojekt, das mit seiner Holzhybridbauweise bereits vor Inkrafttreten der Holzbaurichtlinie 2024 in Hessen deren Möglichkeiten ausleuchtet; als modulares Gebäude, dessen Nutzungshorizont weit in die Zukunft hineinreicht; und schließlich als Fanal für den Bau förderfähigen Wohnraums in hochqualitativer Holzbauweise.
mikado sprach mit den Architekten Lars Otte und Klaus Leber, wie der Wohnturm und Tetris Riegel entstanden sind.
Herr Leber, Herr Otte, Sie haben sich in Mainz-Kastel zu einer ARGE zusammengeschlossen...
Leber: Wir kannten uns bereits aus früheren Wettbewerben, bei denen uns die Freude an der gemeinsamen Arbeit verband. Und die Affinität zum Holz: Leber Architekten arbeiten schon seit etwa 25 Jahren mit diesem Baustoff, wobei ein besonderes Interesse dem modularen und seriellen Bauen gilt.
Otte: Nach langer Lehrtätigkeit im Fachgebiet „Industrielle Methoden der Hochbaukonstruktion“ der TU Darmstadt plane und baue ich seit Jahren vorwiegend in Holz. Eine Affinität, die aus meiner Schreinerlehre herrührt.
Und die sich in einem konstruktiven Verständnis zeigt, das man nicht bei allen Architekten findet…
Leber: Bei einem Holzbau denken wir die Konstruktion von Anfang an mit und legen die Grundstruktur früh fest. Sie prägt z.B. über Gesimse und Lisenen ja auch das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes.
Otte: Jedes Glied der Fassade hat auch eine Funktion, wobei der konstruktive und gestalterische Aspekt stets im Einklang stehen sollten. Im Falle des Wohnturms weist die Fassade explizit auf die Konstruktion und Grundordnung des Gebäudes hin. Die Fassadendetails bekommen somit eine zusätzliche Bedeutungsebene.
Leber: Wichtig für uns als Planer ist, dass wir eine professionelle Grundstruktur entwerfen, die auch dann noch funktioniert, wenn später andere Gewerke übernehmen. Das hat hier funktioniert, auch wenn es Detailänderungen gab.
Den ausgeschriebenen Quader in einen Turm umzuwandeln, war aber schon etwas gewagt?
Otte: Absolut, aber wir konnten uns aber als „Leuchtturmprojekt“ einfach keinen Neubau vorstellen, der sich praktisch nicht zeigt, weil er auf die Traufhöhe der umliegenden Gebäude beschränkt ist.
Leber: Der Wettbewerb umfasste auch einen benachbarten Neubau mit gestapelten Reihenhäusern, für den wir einen speziellen Tetristyp entwickelt haben. Wir haben verschiedene Ensembles durchgespielt und uns bewusst über die Geschossigkeit hinweggesetzt. Mit Erfolg: Für Wohnturm und Tetrisriegel bekamen wir den Zuschlag.
Und einen Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnbau…
Leber: Wobei der Fokus für uns bei diesem Preis auf „Gemeinsinn“ liegt. Soziale Räume spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Park bildet als Grünraum eine gemeinsame nachbarschaftliche Mitte innerhalb des Ensembles.
Otte: Es geht ja immer auch darum, durch unsere Konzepte schöne Orte entstehen zu lassen, an denen es sich zu leben lohnt. Um den sozialen Zusammenhalt weiter zu stärken, planten wir ergänzende Gemeinschaftsräume.
Herr Leber, Herr Otte, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Einen ausführlichen Beitrag zum Wohnturm lesen Sie ab dem 10. Februar in unserer mikado-Ausgabe 0102.2026.










