Kräne
Maßgeschneiderte Kranlösung von Wolffkran unter Extrembedingungen
Die Sanierung des Lavalette-Staudamms im Département Haute-Loire zählt zu den technisch anspruchsvollen Infrastrukturmaßnahmen im französischen Wasserbau. Der historische Damm, auch als Barrage de Lavalette bekannt, wird grundlegend modernisiert. Im Fokus stehen der vollständige Austausch von drei Hochwasserklappen aus den 1950er-Jahren sowie die Überarbeitung einer weiteren Klappe aus den 1990er-Jahren. Jahrzehntelange Beanspruchung und betriebliche Anforderungen machten diese Sanierung zwingend erforderlich.
Für Bauunternehmer und Projektverantwortliche liegt die Besonderheit des Projekts jedoch weniger in der Baumaßnahme selbst als in den Rahmenbedingungen. Die Dammkrone misst lediglich 6,7 Meter in der Breite. Gleichzeitig führt eine öffentliche Straße über das Bauwerk, die während der Bauzeit nur eingeschränkt gesperrt werden darf. Damit entstand eine Situation, die sowohl statisch als auch logistisch höchste Präzision erforderte.
Kranlösung auf schmalem Grat
Im Zentrum der Ausführung steht ein Wolff 7534.16 Clear von Wolffkran. Der spitzenlose Turmdrehkran wurde auf einem City Portal 520 mit 5,2 Metern Seitenlänge installiert. Diese Portallösung ermöglicht es, den Verkehr unterhalb des Krans aufrechtzuerhalten. Für Entscheider im Bauwesen ist dieser Ansatz ein praxisnahes Beispiel dafür, wie sich Infrastrukturmaßnahmen mit verkehrlichen Anforderungen in Einklang bringen lassen.
Vor der eigentlichen Kranmontage mussten zunächst 12 Meter lange Verteilträger mithilfe eines Mobilkrans eingebracht werden, um die Lasten sicher in die Dammkonstruktion einzuleiten. Anschließend errichtete ein 90-Tonnen-Mobilkran das Portal sowie den Turmdrehkran. Windgeschwindigkeiten von über 45 km/h verlängerten die Montagezeit deutlich. Statt der geplanten zwei Tage waren rund dreieinhalb Tage erforderlich – ein realistisches Szenario, das Projektleiter bei vergleichbaren Standorten in ihre Terminplanung einbeziehen sollten.
Trotz der Portalkonstruktion bleibt der Betrieb klar reglementiert. Aus Sicherheitsgründen darf die Straße nicht mit Last überschwenkt werden. Daher wird sie werktäglich zwischen 9 und 14 Uhr gesperrt, um sämtliche Hebevorgänge in einem definierten Zeitfenster durchzuführen. Diese organisatorische Taktung zeigt, wie eng Bauablaufplanung und Sicherheitsmanagement bei komplexen Sanierungen verzahnt sein müssen.
Leistungsfähigkeit des Wolff 7534.16 Clear im Praxiseinsatz
Der eingesetzte Wolff 7534.16 Clear verfügt über eine Hakenhöhe von 20,4 Metern, eine Auslegerlänge von 40 Metern und eine maximale Tragfähigkeit von 16 Tonnen. In der Sanierung übernimmt der Kran sowohl den Einbau temporärer Konstruktionen als auch das Ausheben und Positionieren der neuen Hochwasserklappen.
Eine besondere Herausforderung stellte der Rückbau eines rund 51 Tonnen schweren Beton-Gegengewichts dar. Da eine Demontage im Ganzen nicht möglich war, wurde der Block vor Ort segmentiert. Einzelne Elemente mit Gewichten von bis zu 16 Tonnen wurden anschließend mit dem Turmdrehkran ausgehoben und abtransportiert. Hier zeigte sich die Bedeutung einer exakt abgestimmten Traglastreserve und einer präzisen Laststeuerung, insbesondere unter beengten Platzverhältnissen und bei eingeschränktem Schwenkbereich.
Integrierte Komplettlösung als Projektfaktor
Für das ausführende Konsortium war nicht allein die Kranleistung entscheidend, sondern die Kombination aus Technik, Portalkonstruktion, Montagekonzept und Service. Die frühzeitige Einbindung des Kranherstellers in die Baustellenplanung ermöglichte eine Lösung, die statische, logistische und betriebliche Anforderungen miteinander verknüpft.
Gerade bei Infrastrukturprojekten mit rund 24 Monaten Bauzeit, wie im Fall der Sanierung des Lavalette-Staudamms, gewinnt die kontinuierliche Betreuung in Betrieb, Service und Wartung an Bedeutung. Ausfallzeiten oder ungeplante Stillstände hätten direkte Auswirkungen auf die eng getakteten Sperrzeiten und damit auf den Gesamtbauablauf.
Praxisrelevanz für Bauunternehmen und Projektverantwortliche
Das Projekt am Lavalette-Staudamm verdeutlicht, dass Sanierungsvorhaben im Bestand zunehmend unter komplexen Randbedingungen stattfinden. Begrenzte Flächen, laufender Verkehr und hohe Sicherheitsanforderungen sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Entscheidend ist die frühzeitige Integration von Hebetechnik, Baustellenlogistik und Verkehrsführung in ein ganzheitliches Konzept.
Für Bauunternehmer und Geschäftsführer liefert dieses Projekt ein konkretes Praxisbeispiel dafür, wie sich durch maßgeschneiderte Systemlösungen Risiken minimieren und Bauabläufe stabilisieren lassen. Der Einsatz des Wolff 7534.16 Clear auf einem City Portal unterstreicht, dass technische Innovation im Turmdrehkranbereich heute nicht nur über Traglasten definiert wird, sondern über die Fähigkeit, komplexe Rahmenbedingungen wirtschaftlich zu beherrschen.
Mit Blick auf die wachsende Zahl an Sanierungen im europäischen Infrastrukturbestand dürfte dieses Projekt richtungsweisend sein. Wer anspruchsvolle Bestandsbauwerke modernisiert, braucht Lösungen, die Technik, Logistik und Betriebssicherheit in Einklang bringen – auch auf schmalem Grat.













