Baugewerbe EXKLUSIV
Wie rede ich eigentlich mit mir?
Das Umfeld eines Menschen ist immer ein Spiegel seiner selbst, weiß Stefan Ufertinger.
Meist liegt mangelnder Respekt im Außen im Umgang mit sich selbst begründet. Respekt beginnt immer mit der Achtung, die wir uns selbst entgegenbringen.
Diese Form des Respekts heißt Selbstachtung. Sie stellt das 4. Lernfeld des Respekt-Konzeptes dar. Entsteht hier eine Asymmetrie, ist die Folge auch eine Asymmetrie in den Beziehungen. Je geringer das Selbstbewusstsein, desto größer die Asymmetrie.
Der innere Dialog
Unser Denker im Kopf lässt einen unablässigen Gedankenmonolog sprudeln. Diese Gedanken entstehen ohne unser Zutun auf Basis unserer früheren Erfahrungen. Meist sind uns diese hauptsächlich negativen Gedanken nicht bewusst. Sie verurteilen einen selbst in Dauerschleife.
Egal, ob man sich in der Baubesprechung aufgrund zu wenig Vorbereitung blamiert hat oder eine Aufgabe nicht ordentlich erledigt hat. Der Denker ist sofort zur Stelle und diskreditiert den ganzen Menschen. "Was bist du nur für ein Trottel?", "Kannst du eigentlich gar nichts richtig machen?", oder "Dich kann man auch zu gar nichts gebrauchen!" sind dann gängige Beschimpfungen.
Meist ist das Urteil härter, als wir das mit einer Mitarbeiterin oder einer Freundin jemals tun würden. Wir können jedoch die einzigartige Fähigkeit von uns Menschen nutzen und uns diese Gedanken ins Bewusstsein bringen und damit arbeiten.
Selbstmitgefühl als Schlüssel zu mehr Respekt
Diese negative Sichtweise und die damit verbundene Verurteilung hängt vom eigenen Selbstwert ab. Je weniger davon, desto ausgeprägter ist die Schimpftirade. Diese gilt es zu durchbrechen. Dabei helfen folgende Schritte:
- Erkennen
- Unterbrechen
- Hinterfragen
- Selbstmitgefühl
Wie bereits erwähnt, ist es erforderlich, die Verurteilung in den Gedanken zunächst einmal zu erkennen. Man könnte damit beginnen, nach unliebsamen Erlebnissen in sich hineinzuhorchen: Was denke ich gerade? Wie rede ich mit mir selbst? Wie urteile ich über mein Verhalten?
Hat man erst einmal erkannt, wie vernichtend man mit sich selbst spricht, ist es wichtig, diesen Prozess zu unterbrechen. Ein klares innerliches "Stopp" hilft hier oft Wunder.
Nun beginnt man einen inneren Dialog mit dem Denker und hinterfragt dessen Ansichten. Man könnte ihm Fragen wie folgt stellen:
- War das Verhalten wirklich schlimm?
- Wie würde ich reagieren, wenn diesen Fehler ein Freund, eine Freundin gemacht hätte?
- Passiert dieser Fehler auch anderen?
- Sind die Folgen meines Verhaltens wirklich gravierend?
- Wie sehen andere mein Verhalten?
Mit den Antworten auf diese Fragen sollte sich das eigene Verhalten relativieren lassen. Nun ist es möglich, sich selbst Mitgefühl entgegenzubringen. Damit schafft man es, aus der Verurteilung in eine liebevolle Akzeptanz zu gelangen.
So geht man respektvoll mit sich selbst um
Respekt kommt vom lateinischen "respicere", was so viel heißt wie "zurücksehen". Damit ist es eng verwandt mit den Begriffen "Rücksicht" und "berücksichtigen". Respekt heißt also auch, alle Seiten seiner Persönlichkeit zu berücksichtigen. Genau darin liegt oftmals das Problem. Die negativen Seiten an uns sehen wir klar und deutlich, was wir gut machen, entgeht uns jedoch häufig.
Respektvoll mit sich selbst sein heißt also auch, das zu würdigen, was man gut kann. René Borbonus dazu: "Wer sich selbst würdigt, verhält sich würdevoll; wer sich würdevoll verhält, lässt auch anderen seine Würde." Demnach ist es sinnvoll, sich mehr mit den Dingen zu beschäftigen, die gut laufen. Mit den Fähigkeiten, die uns auszeichnen. Eine wunderbare Möglichkeit dazu ist das so genannte Erfolgstagebuch. Darin werden die Erfolge des Tages in einem Journal notiert.
Würdigt man also seine ganze Persönlichkeit und geht in einen zielführenden Dialog mit sich selbst, geht man den Weg hin zu mehr Selbstachtung. Schritt für Schritt bringt man mehr Respekt sich selbst gegenüber und demzufolge auch seinem Umfeld.
Über Site Communications
Stefan Ufertinger ist seit 2021 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry, Lean Construction Manager. Daneben berät er Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Seine Vision ist ein Kulturwandel auf dem Bau. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat es sich Ufertinger zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden". "Sozusagen vom Kleinen zum großen Ganzen. Dadurch belebe ich die Begeisterung für das Bauwesen wieder. Dieser neue Spirit führt zu einer Projektabwicklung mit Freude und Leichtigkeit, sowie Ressourcen-, Kosten- und Zeitersparnis. Die Baubranche gewinnt dadurch wieder an Attraktivität und wird zum Konjunktur- und Innovationsmotor", sagt Stefan Ufertinger. Denn er habe selbst früh erfahren, wie fordernd die Arbeit auf der Baustelle sein könne.
Dieser Gastbeitrag erschien zuerst in Ausgabe 10_2024.












