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Artikel und Hintergründe zum Thema

Ganz schön schräg

Kai Ingmar Link,

Beispiel für innovative Nachverdichtung dank Sto

Mitten in der Ludwigsburger Innenstadt haben Steimle Architekten ein modernes Wohn- und Geschäftshaus entworfen, das durch seine markante Kubatur und die aufwendige Fassadengestaltung besticht.

Von der Form wie eine Dachmansarde, vom Aufbau wie die Klinker-Fassade: Schräg abfallende Obergeschosse verleihen dem Gebäude zur Straßenseite Charakter. © Sto

Das Gebäudeensemble besteht aus drei freistehenden Punkthäusern, die über ein gemeinsames Erdgeschoss miteinander verbunden sind. Diese Bauweise verbindet moderne, ästhetische Ansprüche mit städtebaulicher Integration und betont die Anpassung an die umgebende Architektur durch sorgfältig ausgewählte Baumaterialien.

Sto - Architektonische Gestaltung und städtebauliche Integration

Die Fassaden der Gebäude zeichnen sich durch aufwendige Details wie geklinkerte (Dach-)Schrägen, Lichtkeile und handgeschnitzte Riemchen aus, die das Erscheinungsbild des Ensembles prägen. Die sorgfältige Planung und der Einsatz von Musterflächen und Modellen trugen wesentlich zur hohen Gestaltungsqualität der Fassaden bei. Das Neubauensemble ist als KfW-55-Gebäude konzipiert und erfüllt damit strenge energetische Anforderungen. Auf einer ehemaligen Industriebrache ist ein ausdrucksstarkes Wohn- und Büroquartier entstanden, das sich harmonisch in die noch überwiegend von Backsteinarchitektur geprägte Nachbarschaft einfügt.

Die drei polygonalen Punkthäuser stehen auf einem gemeinsamen Sockelgeschoss, dessen abgewinkelte Form sich aus dem historisch gewachsenen polygonalen Grundstückszuschnitt ergibt. Diese besondere Form ermöglicht eine abwechslungsreiche Abfolge von offenen und geschützten Bereichen, die den Hofraum beleben und gliedern.

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Sto - Verbindung von Dach und Fassade als Gestaltungselement

Das direkt an der durch die Altstadt führenden Karlstraße gelegene Gebäude dient als Bürohaus und orientiert sich in seiner Gestaltung am Stil der Gründerzeit. Die Fassadengestaltung reicht bis in die obersten Geschosse und erinnert an die Mansarddächer dieser Epoche. Während sich unter diesen Dächern in historischen Gebäuden meist Räume mit geringer Aufenthaltsqualität befanden, beherbergt der Neubau hochwertig ausgestattete und gut gedämmte Räume. Die charakteristische Dachneigung ist hier nicht als Dach, sondern als durchgehende Fassadenfläche ausgebildet, die verklinkert und hinterlüftet ist. Durch diese technisch anspruchsvolle Sonderkonstruktion konnte eine einheitliche Fassadenbekleidung mit Klinkern ohne Wärmedämmverbundsystem sicher realisiert werden.

Sto - Wohnungen und begrünte Freiflächen im Innenhof

Noch Fassade oder schon Dach? Konstruktion der schrägen Fassade der beiden Obergeschosse. © Sto

Die beiden rückwärtigen Punkthäuser, die weiter in den Hof hineinragen, beherbergen insgesamt 18 Wohnungen mit ein bis vier Zimmern. Die Fassaden dieser Gebäude sind durch bodentiefe Fenster und Balkone gegliedert, was die architektonische Vielfalt des Ensembles unterstreicht. Im verbindenden Sockelgeschoss befinden sich Gemeinschaftsräume und die Zufahrt zur Tiefgarage. Die großen Fensteröffnungen im Sockelgeschoss sorgen für ein lichtdurchflutetes Erdgeschoss und bieten Einblicke in die gemeinschaftlich genutzten Räume. Auf dem Dach des Sockelgeschosses wurden zwei begrünte Freiflächen geschaffen, die den Bewohnern als private Rückzugsorte dienen und vom öffentlichen Hof abgetrennt sind.

Energieeffiziente Systeme und nachhaltige Technologien

Durch den Einsatz moderner Dämmtechniken, Photovoltaik auf den Flachdächern, ein nachhaltiges Regenwasserkonzept und den Anschluss an das städtische Fernwärmenetz erreicht das Ensemble den KfW-55-Standard. Damit ist nicht nur eine hohe Energieeffizienz, sondern auch ein schonender Umgang mit Ressourcen gewährleistet.

Optimale Fassadengestaltung durch Materialwahl und Modellbau

Die Fassaden der Punkthäuser orientieren sich am charakteristischen Klinker der umgebenden Gründerzeitbebauung. Zwei unterschiedliche Fassadensysteme - StoTherm Mineral als Wärmedämmverbundsystem und StoVentec C als vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) - kamen zum Einsatz. Beide Fassaden sind mit rauen, unregelmäßig geformten Handformziegeln (StoBrick) gestaltet, die eine kostengünstige Alternative zu einer zweischaligen Konstruktion darstellen. Um eine ästhetisch ansprechende Oberfläche zu erzielen, wurden zahlreiche Musterflächen angelegt und maßstabsgetreue Modelle gebaut.

Schließlich entschieden sich die Architekten für einen Mix aus zwei Klinkerfarben (StoBrick Rau 2079 und 2083), die asymmetrisch im Verhältnis 1:1 verlegt wurden. Diese Anordnung verleiht den großen Flächen ein harmonisches Erscheinungsbild.

Klinker im marokkanischen Verband vor den Badfenstern geben Sichtschutz und lassen Tageslicht nach innen © Sto

Die Fenster der Punkthäuser werden durch Lichtkeile gerahmt, die die Neigung der Fassade aufnehmen und so den expressiven Charakter des Gebäudes unterstreichen. Diese Lichtkeile wurden aus vorgefertigten Dämmelementen hergestellt, die sich keilförmig von 18 auf 10 Zentimeter verjüngen. Diese Ausführung unterstützt nicht nur die ästhetische Wirkung, sondern verbessert auch die Lichtausbeute in den Innenräumen. Um Einblicke in die Badezimmerfenster zu verhindern, wurden an diesen Stellen Klinker im marokkanischen Verband angeordnet.

Individuelle Gestaltung des Erdgeschosses

Das Erdgeschoss hebt sich durch eine eigene Formensprache und Materialwahl von den darüber liegenden Punkthäusern ab. Sein fein gefilzter Putz korrespondiert farblich mit dem hellen Belag des Innenhofes und betont so den Ensemblecharakter des Projektes. Durch die klare Gliederung und die harmonische Materialwahl fügt sich der Neubau optimal in das städtebauliche Umfeld ein und setzt gleichzeitig architektonische Akzente.

Dieses Projekt zeigt, wie innovative Architektur und sorgfältige Materialwahl zusammenkommen, um ein harmonisches und nachhaltiges Wohn- und Büroquartier in der Innenstadt zu schaffen. Die Verwendung von Baustoffen wie Klinkern und die Integration von energieeffizienten Systemen machen dieses Ensemble zu einem vorbildlichen Beispiel für die Zukunft des städtischen Bauens.

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