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Veranstaltung

Max Kandler,

52. Rosenheimer Fenstertage: Umgang mit disruptiven Veränderungen

Die 52. Rosenheimer Fenstertage standen unter dem Leitmotiv „Die Fensterwelt im Wandel“ und widmeten sich den gegenwärtigen Umbrüchen sowie den daraus resultierenden Chancen für die Fenster- und Fassadenbranche.

Oskar Anders (Vorstand ift Rosenheim) und Dr. Jochen Peichl (Geschäftsführer ift Rosenheim) eröffnen die 52. Rosenheimer Fenstertage © ift Rosenheim

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die tiefgreifenden Veränderungen, die sich aus Klimawandel, demografischen Entwicklungen, weltpolitischen Krisen, steigenden Baukosten, Wohnraumknappheit und Fortschritten im Bereich künstlicher Intelligenz ergeben. Bereits im Auftaktvortrag machte Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler, Institutsleiter des ift Rosenheim, deutlich, wie umfassend und dynamisch dieser Wandel ausfallen wird.

In vielen Beiträgen spielte der Buchstabe „R“ als Symbol für die neun Prinzipien der Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle. Die rund 670 Teilnehmenden erhielten praxisorientierte Lösungswege und Hinweise für den Umgang mit aktuellen Herausforderungen. Dadurch boten die 52. Rosenheimer Fenstertage für Hersteller, Systemgeber und Zulieferunternehmen erneut wichtige Impulse zur strategischen und operativen Weiterentwicklung.

Nach der offiziellen Eröffnung durch Dr. Jochen Peichl und Oskar Anders sowie den Grußworten des Rosenheimer Oberbürgermeisters Andreas März ging Prof. Dr.-Ing. Heusler im Vortrag „Die Welt im Umbruch – Konsequenzen für die Fenster- und Fassadenbranche“ direkt auf die globalen Rahmenbedingungen ein.

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Er verdeutlichte, wie ökologische, demografische, geopolitische und technologische Faktoren ineinandergreifen und neue Anforderungen erzeugen. Zwar werden Elemente des EU Green Deal über das sogenannte Omnibusverfahren abgeschwächt, dennoch wird sich seine Wirkung über die kommenden Jahre voll entfalten.

Heusler zeigte anhand zahlreicher Beispiele auf, dass Finanzierungsentscheidungen zunehmend an Nachhaltigkeitsbewertungen gekoppelt sind und dass die neue Bauproduktenverordnung Nachhaltigkeit als zentrale Anforderung verankern wird. Die Prinzipien der neun „R“ bilden dabei einen wesentlichen Bestandteil des Übergangs zur Kreislaufwirtschaft: Längere Nutzungsdauern durch Repair, Refurbish und Remanufacture sowie die Wiederverwendung durch Reuse werden positiv bewertet, während Recycling und Recover künftig nachteilig wirken können.

Diese Vorgaben müssen frühzeitig in die Planung einfließen, da Wettbewerbsfähigkeit sonst kaum noch zu erreichen ist. Serielle und modulare Bauweisen können die digitale und nachhaltige Transformation besonders effizient unterstützen, indem sie strukturierte Datennutzung und automatisierte Produktionsprozesse ermöglichen. Die steigenden Auswirkungen des Klimawandels, etwa Extremwetterereignisse, erfordern zudem klimaresiliente Bauprodukte.

Heusler formulierte hierzu strategische und praktische Empfehlungen für das gesamte Ökosystem der Fenster- und Fassadenbranche. Die Transformation sollte als evolutionärer Prozess verstanden werden, der mit rechtzeitigen Anpassungen gelingen kann. Er warnte jedoch: Ohne entschlossene Weiterentwicklung drohen „disruptive Entwicklungen, die nur wenige Gewinner, aber viele Verlierer kennt“.

Auch Roland Sitzberger (Porsche Consulting) teilte diese Einschätzung. Er stellte dar, wie grundlegend sich Wertschöpfungsketten im Bauwesen ändern müssen, um bei steigenden Material- und Energiekosten, Fachkräftemangel und Wohnungsnot zukunftsfähig zu bleiben.

Anhand konkreter Beispiele erläuterte er den Nutzen kundenorientierter Wertschöpfung, neuer Geschäftsmodelle sowie modularer und industrieller Bauweisen. Unternehmen seien gefordert, Prozesse anzupassen, in digitale Technologien zu investieren und Partnerschaften zu nutzen, um Effizienz und Produktivität zu steigern.

Im abschließenden Plenumsvortrag des Mittwochabends appellierte Prof. Dr. Manfred Fischedick (Wuppertal Institut) im Vortrag „Earth for All – Aufbruch in eine Zukunft für alle“ an die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Er verwies auf die bereits spürbaren Folgen steigender Temperaturen und zunehmender Wetterextreme und betonte, dass politische und technische Lösungen vorliegen.

Die Fensterbranche habe eine wichtige Rolle bei der energetischen Sanierung, der Klimaneutralität und der Kreislaufwirtschaft. Neben dem Klimaschutz seien auch planetare Grenzen und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Fischedick schloss mit dem Aufruf zu gemeinschaftlichem Handeln, um gesteckte Klimaziele zu erreichen.

Am Donnerstag widmete sich Prof. Christian Niemöller (SMNG Rechtsanwaltsgesellschaft) aktuellen juristischen Entwicklungen. Ein Schwerpunkt lag auf dem „Justizstandort-Stärkungsgesetz“, das seit dem 1. April 2025 in Kraft ist und auf eine schnellere Klärung wirtschaftsrechtlicher Streitigkeiten abzielt – auch in englischer Sprache.

Er erklärte relevante Fallstricke, unter anderem die freie Wahl des Gerichtsstands und die stillschweigende Zustimmung zur englischen Verfahrenssprache. Im Anschluss stellte er Urteile mit hoher Praxisrelevanz vor, darunter Entscheidungen zu kaufmännischen Bestätigungsschreiben, Baustellenprotokollen, der Wirksamkeit digitaler AGB-Verweise sowie zur Kündigung von VOB/B-Verträgen bei Verzug.

Der bayerische Abend mit „Oktoberfestflair“ war wieder ein besonderes Highlight © ift Rosenheim

Weitere zentrale Themen der 52. Rosenheimer Fenstertage waren Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Im Themenblock „Nachhaltigkeit und Resilienz“ präsentierte Norbert Sack (ift) Ergebnisse eines laufenden F&E-Projektes zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in der Fenster- und Fassadenbranche. Prof. Dr. Martin Teich (Hochschule München) stellte Strategien zum nachhaltigen Umgang mit Flachglas vor und veranschaulichte, was sich hinter ReUse, ReFurbish und ReManufacture konkret verbirgt.

Prof. Dr. Alexander Stolz (Fraunhofer EMI) zeigte, wie sich die Wirtschaftlichkeit klimasicherer Bauprodukte durch Softwaremodelle darstellen lässt. Eine Anpassung der Datenbasis an deutsche Gegebenheiten sei noch erforderlich.

Der Themenblock „Digitalisierung in der Baubranche“ nahm anschließend die strukturellen Herausforderungen der Digitalisierung in den Blick. Thomas Kirmayr (Fraunhofer-Allianz Bau) erklärte, wie ein digitales Bauökosystem aufgebaut werden muss und warnte davor, Daten ohne abgestimmte Struktur zu sammeln. Interoperabilität sei nur möglich, wenn Normen, rechtliche Vorgaben und einheitliche Datenstrukturen geschaffen würden.

Projekte wie GAIA-X und Construct-X verfolgen diesen Ansatz. Besonders kleine und mittlere Betriebe benötigten Unterstützung beim Aufbau digitaler Kompetenzen, um Daten und Werkzeuge für nachhaltige und effiziente Prozesse sinnvoll einsetzen zu können.

Michael Breckl-Stock (ift Rosenheim) stellte erste Einblicke in den „Digitalen Produktpass“ (DPP) vor, der in der Bauproduktenverordnung verankert ist. Der DPP soll produktrelevante Daten in maschinenlesbarer und interoperabler Form bereitstellen und über Jahrzehnte verfügbar machen.

Die EU-Kommission plane hierzu einen delegierten Rechtsakt im Jahr 2027. Breckl-Stock stellte klar, dass derzeit kursierende DPP-Anwendungen oftmals auf der Ökodesignverordnung basieren, die jedoch nicht für Bauprodukte gilt. Das ift Rosenheim werde daran arbeiten, den Aufwand für Unternehmen möglichst gering zu halten.

Der Themenblock „Bauproduktenverordnung und Markt“ zeigte die Bedeutung der neuen BauPVO, die seit dem 7. Januar 2025 gilt. Prof. Jörn P. Lass (ift Rosenheim) erläuterte die wesentlichen Neuerungen, darunter Nachhaltigkeit als achte Grundanforderung sowie Anpassungen bei der Konformitätsbewertung. Die Produktnormen für Fenster, Türen, Tore und Sonnenschutzsysteme haben Priorität und sollen teils im Fast-Track-Verfahren überarbeitet werden.

Die Integration von Anforderungen aus EN 16034 und EN 16361 ist für Fenster und Außentüren geplant. Das ift setzt sich für die Beibehaltung bewährter Regelungen, wie technische Nachweise für Produktfamilien, ein.

Mit Spannung erwartet wurden auch die „News aus Berlin“ von Frank Lange (VFF) und Jochen Grönegräs (BF). Die Marktanalyse zeigte, dass der Sanierungsmarkt stabil ist, während der Neubau deutlich rückläufig bleibt. Ein Aufschwung wird ab 2026 erwartet, wenn neue Förderprogramme greifen.

Die Prognos-Studie zur energetischen Gebäudesanierung verdeutlicht erhebliches Potenzial für positive wirtschaftliche und ökologische Effekte. Die Verbände wollen daher verstärkt auf Verbesserungen der Förderung hinwirken.

Im Themenblock „Fassade und Architektur“ wurde das Fassadenprojekt des „Translational Science Center (TSC)“ für den Konzern Merck vorgestellt. Dana Bilek (Hammeskrause Architekten) zeigte die architektonischen Ansätze und Simulationen zur Optimierung der Gebäudefunktionen. Martin Drexler (Schindler Fenster+Fassaden) berichtete aus Sicht des ausführenden Unternehmens über die Umsetzung der 7200 m² Holz-Alu-Fassade mit rund 50 Prozent Öffnungsfläche. Ergänzend erläuterte Heribert Ley (SUNOVATION) die Anforderungen der Photovoltaikelemente.

Internationale Einblicke bot der Vortrag von Tal Rabinovitch (Shellcon), der die Nutzung von Bambus als Fassadenwerkstoff darstellte. Hubert Lagier (CSTB) erläuterte anschließend Besonderheiten des französischen Marktes und abweichende Prüf- und Zertifizierungsvorgaben.

In der „ift Praxis“ standen konkrete Anwendungsfragen im Mittelpunkt. Felix Fischbacher (ift Rosenheim) erklärte typische Fehlerquellen bei der Fenstermontage und stellte entsprechende Lösungsmöglichkeiten vor. Bernd Saß (ift Rosenheim) präsentierte Ergebnisse eines F&E-Projektes zur schalltechnischen Bewertung kritischer Einbausituationen.

Am Donnerstagnachmittag konnten Teilnehmende Einblicke in den laufenden Betrieb des ift-Technologiezentrums, des Labors für Bauakustik und Fassaden sowie des ift-Zentralbors gewinnen.

Die 52. Rosenheimer Fenstertage boten den Teilnehmenden damit umfassende Informationen zu aktuellen Herausforderungen im Bereich Fenster und Fassade: Umgang mit disruptiven Veränderungen in der Fenster- und Fassadenbranche. Neben den fachlichen Inhalten förderten die zahlreichen Gespräche mit ift-Expertinnen und -Experten sowie der traditionelle bayerische Festabend mit Mottoparty „Bella Italia“ den Austausch innerhalb der Branche und rundeten die Veranstaltung ab.

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