Zukunftsfähigkeit
Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung 2024: Wege zur Gestaltung der Transformation
Zukunftsweisende Fragen und Lösungen rund um den Baustoff Beton und Betonwerkstein sowie dessen erfolgreiche Transformation in eine nachhaltige Zukunft standen im Mittelpunkt der diesjährigen Dyckerhoff Weiss Betonwerkstein-Tagung, die Ende April in Wiesbaden stattfand.
Ein zentraler Aspekt bei der Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Unternehmen der Betonwerksteinbranche ist derzeit das Thema „Transformation“. „Was tun wir, um den CO2-Druck von der Branche zu nehmen?“ - mit dieser Frage begrüßte Martin Möllmann, Geschäftsführer der Dyckerhoff GmbH und Leiter des Vertriebsbereichs Weißzement, die rund 80 Gäste der diesjährigen Dyckerhoff Weiss Betonwerksteintagung im Wiesbadener Info-Zentrum. Damit brachte er zugleich das Ziel der Veranstaltung auf den Punkt: Es sollten verschiedene Wege aufgezeigt werden, die dazu beitragen, den Transformationsprozess erfolgreich zu gestalten. Dazu gehören innovative Bau- und Produktionsverfahren ebenso wie neue, CO2-reduzierte Zemente und Betone.
Potenziale des 3D-Drucks im Betonwerk
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Sandra Gelbrich und Henrik Funke von der Technischen Universität Chemnitz (Fachgebiet Leichtbau im Bauwesen). In einem spannenden Tandemvortrag zeigten sie die „Potenziale des 3D-Drucks im Betonwerk“ auf, sicherlich eine der zukünftigen Schlüsseltechnologien im Bauwesen. Im Mittelpunkt ihrer Betrachtungen standen die so genannten Additiven Technologien" im 3D-Betondruck - immer untermauert mit relevanten Praxisbeispielen wie der Herstellung dünnwandiger Fassadenelemente. Die zunehmende Übertragung dieser Technologien auf das Fertigteilwerk erfordert eine weitere Digitalisierung und Automatisierung in der Betonfertigteilindustrie. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Verarbeitungstoleranzen der verwendeten Betone relativ gering sind und die Entwicklung und Anwendung robuster Betone erforderlich ist. Die Reduzierung des Zementgehalts ermöglicht eine Verringerung des CO2-Fußabdrucks, insbesondere bei der additiven Fertigung mit groben Gesteinskörnungen. Der Einsatz von klinkerreduzierten (bi- und ternären) Zementen und rezyklierten Gesteinskörnungen führt jedoch zu einer zunehmenden Schwankung der Ausgangsstoffe. Daher werden neue Betone mit angepassten Zusatzmitteln für sichere, reproduzierbare und robuste Betone benötigt, so die Referenten in ihrer Zusammenfassung bzw. ihrem Ausblick.
In einem weiteren Vortrag befasste sich Dr. Karl-Uwe Voss von der Materialprüfungs- und Versuchsanstalt Neuwied mit den „ästhetischen“ Aspekten von Betonwerkstein. Im Mittelpunkt seines Vortrages zur „Beurteilung optischer Beeinträchtigungen von Betonoberflächen“ stand der neue „Leitfaden zur Beurteilung von Oberflächenbefestigungen mit Betonbauteilen“, der von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe über mehrere Fachverbände hinweg erarbeitet wurde. Vor dem Hintergrund der zunehmenden optischen Bedeutung von Bauteilen soll damit eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der optischen Eigenschaften von Betonoberflächen geschaffen werden. Ziele des Leitfadens sind daher zum einen die Beschreibung möglicher Ursachen für optische Abweichungen und zum anderen die Erarbeitung objektiver Beurteilungsgrundlagen. In seinem Vortrag ging der Referent unter anderem auf die Fragen ein: „Wie groß ist die optische Bedeutung eines Bauteils oder Objektes“, „Was sind produktionsbedingte bzw. unvermeidbare Farbschwankungen“ oder „Wann gehen Ausblühungen über das übliche Maß hinaus“. Er wies ausdrücklich auf die Bedeutung von Musterflächen hin, mit denen die gestalterischen Anforderungen an Betonwaren im Vorfeld durch Bemusterung festgelegt werden können. Dabei ist es wichtig, eine ausreichend große Anzahl von Produkten zur Verfügung zu haben, um Farbe, Textur und Oberflächenbeschaffenheit unter Berücksichtigung der unvermeidlichen Schwankungsbreite darstellen zu können.
Städte und Gebäude: Materiallager der Zukunft
Die bereits im Eröffnungsvortrag angesprochenen Themen Recyclingmaterial" und Betonzusatzmittel" wurden in zwei weiteren Vorträgen aufgegriffen. Sebastian Rauscher von der Heinrich Feeß GmbH & Co. KG aus Kirchheim/Teck stellte seinen Beitrag zum Thema „Recyclingstoffe für Betonwaren“ unter den Leitgedanken der Kreislaufwirtschaft - ganz nach dem Motto „Städte und Gebäude sind die Rohstofflager und Materialspeicher der Zukunft“. Er zeigte auf, was bei der Herstellung zu beachten ist, um vom Gebäudeabbruch zu einem hochwertigen Rohstoff und damit zu qualitätsgesicherten und normgerechten rezyklierten Gesteinskörnungen unterschiedlichster Art zu gelangen. Vor dem Hintergrund, dass CO2-optimierte Betone mit einer Reihe von technischen bzw. bauchemischen Herausforderungen einhergehen, wie z.B. Wasserbedarf und Verarbeitungszeit oder Verarbeitbarkeit und Pumpen, aber auch Frühfestigkeit und Dauerhaftigkeit, stellte Dr. Marco Decker von der Master Builders Solutions Deutschland GmbH aus Staßfurt „Betonzusatzmittel für nachhaltigere Betone“ vor. Er stellte ein „Intelligent Cluster System (ICS)“ vor, das über einen Mechanismus zur verzögerten Freisetzung und Adsorption verfügt. Mit dem Hochhausneubau Edge East Side in Berlin präsentierte der Referent ein eindrucksvolles und erfolgreiches Praxisbeispiel für den Einsatz von Low Carbon Concrete unter extremen Bedingungen. Unter anderem musste der Beton hier in eine Höhe von 140 m gepumpt werden, mit den Herausforderungen der Konsistenzerhaltung und Robustheit. Last but not least plädierte er für ein „Umdenken“ beim Einsatz von Beschleunigern.
Klimafreundliches Bauen durch neue Bindemittel
Abgerundet wurde der Vortragsteil durch Christian Bechtoldt von der Dyckerhoff GmbH aus Wiesbaden, der sich - ganz im Sinne der eingangs postulierten Zielsetzung - mit Bindemitteln für klimafreundliches Bauen" beschäftigte. Er zeigte auf, dass es grundsätzlich zwei Möglichkeiten gibt, die angestrebte Dekarbonisierung von Zement und Beton mit Hilfe optimierter Bindemittel bzw. Baustoffe zu erreichen: Zum einen Bindemittel mit reduziertem Klinkerfaktor, also der Einsatz von Ersatzstoffen mit geringerem CO2-Footprint. Zum anderen Bindemittel mit höherer Leistungsfähigkeit, so dass die Einsatzmengen im Baustoff bzw. im Bauteil deutlich reduziert werden können. Zu ersteren zählt nicht zuletzt der neu entwickelte CO2-reduzierte Zement Dyckerhoff Weiss BLUE STAR. Dieser Puzzolanzement wurde im vergangenen Jahr mit der Normbezeichnung CEM IV/A (P) 42,5 R vom VDZ zugelassen und ist seitdem im Lieferprogramm des Werkes Amöneburg enthalten. Im Vergleich zu CEM I-Zementen werden bei der Herstellung von Dyckerhoff Weiss BLUE STAR rund 15 % weniger CO2 freigesetzt. Die bekannt brillante Weiße bleibt erhalten, die Helligkeiten sind identisch. Wie Christian Bechtoldt aufzeigte, beschäftigen sich die Experten von Dyckerhoff bereits seit einiger Zeit mit alternativen Einsatzstoffen für die Weißzementproduktion, um auch hier den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Der enge Austausch zwischen den F&E-Einrichtungen von Dyckerhoff und Buzzi führte dazu, dass Puzzolane, die in Italien traditionell zum Standard gehören, in den Fokus rückten und sich vor allem natürliche Puzzolane als geeignete Einsatzstoffe erwiesen, um Klinker zu ersetzen. Darüber hinaus zeigte sich, dass weiße Puzzolane gut in die Weißzementproduktion integriert werden können. Eine Lösung, die beweist, dass auch Weisszement in eine CO2-effiziente Zukunft transferiert werden kann.













