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Artikel und Hintergründe zum Thema

Urbaner Holzbau

Jessica Stütz,

FORUM HOLZBAU - 7. Deutscher Holzbau Kongress (DHK)

Ruhiges Frühlingswetter ohne größere logistische Störungen bei An- und Abreise ermöglichten insgesamt 645 Teilnehmenden die Gelegenheit, sich während zwei Tagen Klausur im Tagungszentrum MOA Berlin beim 7. „Deutschen Holzbau Kongress“ (DHK) von FORUM HOLZBAU Ideen zu holen, Kontakte zu pflegen, neue zu knüpfen und sich bei Insidern der Baubranche über die aktuelle Lage und das DHK-Schwerpunktthema „Bauen mit Holz im urbanen Raum“ zu informieren.

Insgesamt 645 Teilnehmenden kamen nach Berlin, um sich während zwei Tagen Klausur im Tagungszentrum MOA Berlin beim 7. „Deutschen Holzbau Kongress“ (DHK) von FORUM HOLZBAU Ideen zu holen © FORUM HOLZBAU - Jan Kulke

64 Firmen beschickten die kongressbegleitende Fachausstellung zu Materialien, Bauweisen und Dienstleistungen rund um Bau und Holzbau. Und die Holzwirtschaft nutzte die Gelegenheit, sich in der Hauptstadt branchenintern auszutauschen und ihre Wünsche und Sorgen an die Politik heranzutragen.

Sowohl Bundesbauministerin Verena Hubertz (BMWSB), als auch Bundesforstminister Alois Rainer (BMLEH) kamen als Gastredner zum DHK und nutzen die Bühne. Und die Bekanntgabe der 10 Preisträger im „Bundeswettbewerb Holzbau-Plus 2025/26“ bildete einen wichtigen Anziehungspunkt im DHK-Programm. Mit insgesamt 239 Einreichungen hatte der von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (NFR) in vier Kategorien ausgelobte Architekturwettbewerb mit einer Dotierung in Höhe von insgesamt 50.000 Euro eine neue Rekordbeteiligung. Forstminister Rainer als Schirmherr des Wettbewerbs gratulierte allen anwesenden Preisträgern (Bauherren und Architekten) persönlich. Die insgesamt 10 mit Preisen, Anerkennungen und Sonderpreisen ausgezeichneten Projekte konnten im Anschluss an den Festakt am Abend des ersten Kongresstages in der DHK-Fachausstellung besichtigt werden.

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Nach der DHK-Eröffnung durch Forum-Holzbau-Präsident Dr. Heinrich Köster wies Dr. Carsten Merforth, seit November Präsident des Hauptverbandes der Holzindustrie (HDH), auf die die zentralen Qualitätsmerkmale des Holzbaus hin, die dem Werkstoff und der Branche die Wettbewerbsfähigkeit sicherten: die serielle Vorfertigung, die Kosten und Bauzeiten reduziere, und der nachwachsende Rohstoff, der CO₂‑neutrales Bauen ermöglicht. Und modulare Vorfertigung könne dem (allgegenwärtigen) Mangel an Fachkräften entgegenwirken – zumindest teilweise.

Bei mittlerweile einem Viertel Marktanteil des Holzbaus am Bau im EFH-Bereich - im MHF-Bereich weniger - würden trotzdem keinesfalls die Korken knallen, so Merforth, „weil ein großer Anteil an einem winzigen Kuchen immer noch nur ein winziges Kuchenstückchen ergibt“. Ein Viertel Marktanteil allein bedeute kein ausreichendes Wachstum, solange das gesamte Bauvolumen zu gering bleibe, so Merforth. Auch die dem Holzbau vorgelagerte Sägeindustrie und die nachgelagerten Teilbranchen Möbel, Innenausbau, Parkett, Fenster und Türen bräuchten einen größeren „Kuchen“, um nachhaltig zu prosperieren.

Der HDH-Präsident wünschte sich in Anwesenheit von Bauministerin Hubertz Politikmaßnahmen, die ausdrücklich allen Bauweisen zugutekämen, plädierte jedoch für Förderinstrumente, die nachweisliche CO₂‑Einsparungen honorierten, außerdem eine stärkere Verankerung der CO₂‑Bilanzierung in Förderentscheidungen, um dem Klimaschutz mehr Rechnung zu tragen.
Allerdings ächze die Holzindustrie aktuell unter Rohholzmangel und damit steigenden Kosten, wobei im Wald genügend Holz nachwachse. 40% des Waldes in Deutschland werde überhaupt nicht bewirtschaftet. Stofflich nutzbares Holz dürfe nicht weiter durch Nutzungsverbote und die Inbetriebnahme großer Wärmekraftwerke mit Holzfeuerung künstlich verknappt werden. Nur eine nachhaltige Versorgung des Holzbaus mit Rohstoff bedeute, dass der Holzbau weiter zulegen könne.

Die Reduzierung von Bauvorschriften (z.B. mit einem Gebäudetyp „E“) könnten das Bauen günstiger und schneller machen. Allerdings müsse für Bauherren und Hersteller die rechtliche Sicherheit gewährleistet sein – ein wichtiger Punkt. Abweichungen von anerkannten Regeln der Technik dürften im Streitfall nicht irgendwann zum Mangel werden und dann auf die Hersteller zurückfallen.
Bauministerin Hubertz bemühte sich mit Blick auf die „durchaus etwas düstere Weltlage“, zum DHK-Kongressstart Optimismus zu verbreiten. Über die Problemlage (zu wenig Bau, zu teuer und zu wenig bezahlbarer Wohnraum) und über die Vorteile von Holz und Holzbau zeigte sie sich informiert. Sie sieht Holz als „zentralen Pfeiler“ und in einer „Pole Position“, wenn es darum gehe, mit den baupolitischen Herausforderungen umzugehen.

Der „Bau-Turbo“ beginne Wirkung zu entfalten (z.B. in Hamburg). Nun folge ein großes Baugesetzbuch-Upgrade, um mit „ganz viel Digitalisierung“ und „ein bisschen Entschlackung bei den Umweltprüfungen“ für Effizienz und Schnelligkeit zu sorgen. Allerdings wies sie auch auf eine mitunter zähe Beschlussfindung auf Gesetzgeberebene hin und hatte entsprechend wenig Konkretes an positiven Maßnahmen für den Holzbau im Köcher.

Eine Bundeswohnungsbaugesellschaft solle den Markt „entfesseln“, weil Deutschland ein Triple-A-Rating und damit sehr gute Finanzierungskonditionen habe. Um die wichtige Forschung – auch im Bereich der Holzprodukte – zu fördern, soll ein Bundesforschungszentrum entstehen, das Verbundforschung zwischen verschiedenen Bundesländern koordiniert.

Der „Gebäudetyp E“ werde ein echter Gamechanger, zeigte sich Hubertz überzeugt, „um mal ein bisschen die Bürokratie abzuschütteln“. Die Regeln der Gebäudeökobilanzierung kämen sowieso, und beim Neubau nachhaltiger Gebäude sei eine hohe Förderquote in die Programme eingearbeitet.

Im anschließenden Podiumsgespräch mit HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge über die Akzeptanz des Bauturbos in der Praxis wies Hubertz auf spürbares kommunales Interesse am hierzu neu geschaffenen „Umsetzungslabor“ im Bauministerium hin. Denn die Praxis in Deutschland habe „ein stückweit verlernt, mit neuen (Genehmigungs-)Freiheiten umzugehen“. Bei den Umweltprüfungen sei Vieles in eine Absicherungskultur gemündet, viele Standards würden eher übererfüllt und viele Abläufe seien damit sehr langsam geworden.

Bezüglich festgestellter Hemmnisse im Vergaberecht bzw. zur Baubeschleunigung durch Gewerke-überschreitende Ausschreibungen wies Hubertz darauf hin, dass die Konzeptvergabe für viele Kommunen sehr kompliziert sei. Um Verbesserungen bemühe man sich im laufenden parlamentarischen Prozess, aber der politische Konsens über eine Förderung des Generalunternehmertums (und damit schnellerer Bauprozesse) sei nicht so einfach, weil man den lokalen Handwerks-Mittelstand nicht „über die Tischkante kippen“ wolle, der sich bei größeren Projekten mit Ausgrenzung konfrontiert sieht.

Auch auf die abschließende Nachfrage von Ohnesorge nach neuen Förderprogrammen auf Bundesebene und der Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus‘ eines Gebäudes konnte die Bauministerin nicht viel Neues berichten. Den bestehenden Wust an Förderprogrammen wolle man auf eine Zwei-Säulen-Systematik (Bestand und Neubau) reduzieren. Und sie erneuerte die Einschränkung, die man auch schon von ihrer Amtsvorgängerin vernommen hat: „Wir können kein Material bevorzugen“, weil ja auch andere nachhaltige Materialien auf den Markt kämen. Immerhin teilte Hubertz die Ansicht, dass es einer Bewertungslogik bedürfe, mit der Holzbau seine komplette Stärke ausspielen könne. Der Lebenszyklusansatz komme aber aus der europäischen Gebäuderichtlinie. Mit der Wiederverwendung und der Kreislaufwirtschaft sei man aber noch nicht da, wo man sein könnte.

Den Auftakt zum Themenblock „Bauwirtschaft im Wandel“ gestaltete Sebastian Godolt von PwC Deutschland. Die Situation habe sich für die Bau- und Immobilienbranche zu einem „Perfect Storm“ entwickelt, viele Herausforderungen gleichzeitig überlagerten sich: Kostendruck, volatile Märkte, Fachkräftemangel, enormer regulatorischer Druck und ein fundamentaler Transformationsdruck.
Godolt wies u.A. auf das Stranded-Asset-Risiko hin: „Es ist nicht so, dass ich für ein nachhaltiges Gebäude mehr bekomme, sondern ich bekomme für ein nicht nachhaltiges Gebäude weniger.“ Sprunghafte Zinserhöhungen, steigende Baukosten und rückläufigen Aufträge zwängen die Bauindustrie, sich „grundlegend neu zu erfinden“. Sie müsse sich mehr mit Automatisierung, Digitalisierung und Industrialisierung beschäftigen, weil einfach nicht genug Personal da sei. Und ohne digitale Infrastruktur seien die regulatorischen Anforderungen gar nicht mehr effizient umzusetzen. Er sei aber kein Verfechter, in die Gebäude immer mehr Technik reinzupacken, weil das nicht die Lösung sei. Vielmehr sollte man überlegen, was langfristige Nachhaltigkeit bringe. Godolt: „Ein wesentlicher Punkt ist, immer zu schauen, welche Kosten damit verbunden sind. Dabei müssen dann aber auch die CO2-Kosten ganz klar mitberücksichtigt werden.“

Immerhin: Kein anderer Baustoff vereine die zentralen Transformationsthemen so gut wie Holz: Nachhaltigkeit, Industrialisierung und Digitalisierung. Teile des Holzbaus seien hier einfach ein Stück weiter als der Bau mit konventionellen Baustoffen.

Der nächste (dann 8.) DHK-Kongress ist auf den 13. und 14. April 2027 terminiert.

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