Messen & Veranstaltungen

Damir Mioc | Damir Mioc,

Nachhaltiges Bauen mit starken Partnern

Ende September haben sich Zimmerer, Holzbau-Unternehmer sowie Architekten und Planer aus dem 81fünf-Netzwerk zu ihrer Jahrestagung in Salzburg getroffen. Thomas Elster, Vorstand der 81fünf, begrüßte die über 130 Teilnehmer, die gemeinsam mit namhaften Referenten drei Tage lang über Zukunftsfragen und Entwicklungen im Holzbau diskutiert haben.

Im Netzwerk der 81fünf sind Zimmerer, Holzbau-Unternehmer und Planer verbunden. Vorstand Thomas Elster freute sich über den großen Zuspruch und regen Austausch auf der diesjährigen Jahrestagung (Fotos: 81fünf)

„Im Fokus steht für uns die Frage, wie wir unseren Vorsprung beim Thema nachhaltigen und zukunftsfähigen Bauen ausbauen und vermitteln können“, sagte Thomas Elster zu Beginn des Netzwerktreffens, das mit einer Besichtigung der Firmenzentrale von Isocell in Neumarkt eröffnet wurde. Traditionell nutzt die 81fünf die Jahrestagung, um gemeinsam mit Experten über den Tellerrand des Tagesgeschäfts zu schauen und ins Gespräch zu kommen. Die 81fünf-Partner schätzen die Atmosphäre und den Austausch mit anderen Unternehmern, der im Netzwerk sehr offen und konstruktiv geführt wird. Auch für die Industrie ist das Jahrestreffen ein wichtiger Termin, da sie dort neue Produkte vorstellen und Kontakte pflegen kann.

Der renommierte Zukunftsforscher Matthias Horx hat mit den 81fünf-Partnern einen Blick in die Zukunft gewagt. Er machte deutlich, dass die typischen Bilder von Robotern oder futuristischen Fahrzeugen zwar plakativ, aber wenig wahrscheinlich sind. Denn für den Trendforscher ist dieZukunft alles andere als linear vorhersagbar. Folglich werdesich kein Trend zu 100 Prozent durchsetzen. „Zu jedem Trend, den wir als Wissenschaftler feststellen, gibt es einen Gegentrend. Und die Zukunft liegt meist in dem Spannungsfeld dazwischen“, so Matthias Horx.

Anzeige

Arbeiten wird sich verändern

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten seinen Ausführungen nicht nur beim Thema Bauen besonders aufmerksam, sondern auch als es um die Einstellung und Erwartungen der jüngeren Generation ging. Dies zeige sich besonders bei der Art zu arbeiten, so Horx. Die 81fünf- Partner bestätigten, dass sie in den Betrieben über neue Arbeitszeitmodelle oder Übertragung von Verantwortung nachdenken, um auch für jüngere Menschen ein attraktiver  Arbeitgeber zu sein. Auch ist vielen Betrieben klar, dass es heute nicht mehr automatisch um eine lebenslange Bindung geht. Jüngere Menschen können das Handwerk als eine spannende Station oder den Ausgangspunkt für ihre weitere Entwicklung sehen.

Das Bauen erlebt zurzeit vielfältige Veränderungen. Nachhaltigkeit ist nicht zuletzt durch die neue KfW- Förderpolitik in aller Munde. Dass der Holzbau sehr gute Voraussetzungen sogar für die Kreislauffähigkeit (Cradle-to- Cradle-Prinzip) hat, zeigte eine wissenschaftliche Arbeit der Architektin und Stadtplanerin Sara Lindner. Kreislauffähigkeit gilt als die weitreichendste Form von Nachhaltigkeit, weil nichts verloren geht. Lindner hat untersucht, wie Einfamilienhäuser in Holzrahmenbauweise schon heute rückgebaut und recycelt werden können. Der Anteil der Elemente, die sich später weiter nutzen lassen, ist schon im Holzbau der vergangenen 20 Jahre hoch. Probleme treten meist bei festen Verbindungen zum Beispiel durch Klebstoffe auf. Lindner attestierte demHolzbau aber generell eine hohe Affinität für das Cradle-to-Cradle-Prinzip.

Nachhaltiges Sanieren als Modell für die Zukunft

Mit Kay Künzel war ein ausgewiesener Spezialist im Bereich des energieeffizienten, zukunftsfähigen und nachhaltigen Bauens Gast der 81fünf-Jahrestagung. Er stellte aktuelle Bauprojekte vor, die mit einfachen Mitteln eine nachhaltige Sanierung umsetzen – sogar unter schwierigen Rahmenbedingungen: vom Mehrfamilienhaus im zerstörten Ahrtal bis zum Wohnblock in der Frankfurter Innenstadt. Künzels Ausführungen machten deutlich: Der Holzbau bietet ausreichend Möglichkeiten für nachhaltiges Bauen, es fehlt häufig nur am Willen. Das Bewusstsein für die Vorteile und die Notwendigkeit ist laut Künzel in der Gesellschaft und bei Bauherren immer noch nicht ausreichend ausgeprägt. Sein Appell spricht den 81fünf-´Partnern aus der Seele: „Sucht gute und lokale Teams, um andere Wege zu gehen. Zeigt Haltung und Begeisterung für den Baustoff Holz. Baut für Menschen und mit Menschen.“

Rund 130 Vertreterinnen und Vertreter der 81fünf-Partner trafen sich in Salzburg, um über Nachhaltigkeit und die Entwicklung im Holzbau zu sprechen

Die Auflistung der energetischen Vorzüge, die schnelle Umsetzung der Bauphase sowie der erzielte Wohnkomfort bei seinen Beispielen waren eindrücklich und wiegen für Kay Künzel die bürokratischen Hürden und die anfängliche Skepsis der Bauverantwortlichen bei Weitem auf. Er bestärkte die 81fünf-Partner darin, ihren handwerklichen, innovativen Weg weiterzugehen. Denn dieser führe zu neuen Lösungen, die für eine Bauwende dringend benötigt würden.

Über eine interessante Entwicklung bei Richtlinien zu umweltfreundlichem und sozialem Verhalten für Unternehmen (ESG) informierte Svend Kühn von Ista. Immer mehr Unternehmen müssen demnach belegen, dass ihr Handeln ökologischen und sozialen Standards entspricht. „Wir müssen also für Messbarkeit sorgen, wofür digitale Prozesse und die Zusammenführung von Systemen unabdingbar sind“, so Kühn. Gerade bei der Finanzierung von Bauprojekten spielt ESG für Banken eine immer wichtigere Rolle. Er empfiehlt den Holzbau-Unternehmen diesen Aspekt deutlich herauszustellen. Mit einer nachhaltigen Bauweise können Bauverantwortliche bei der Finanzierung Geld sparen.

Holzbau meets Start-up-Kultur

Die Jahrestagung der 81fünf bietet auch immer Platz für Begegnungen und Kontaktpflege. Während der gesamten Veranstaltung präsentierten Industriepartner ihre Produkte und informierten über neue Entwicklungen. Das stand auch im Mittelpunkt des Business-Speed-Datings, bei dem Industrie, Handwerker und Planer direkt ins Gespräch kamen. „Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit mit unseren Industriepartnern und ich danke ausdrücklich unseren Tagungs-Sponsoren für ihre Unterstützung beim Programm“, sagte Thomas Elster.

Ums Kennenlernen ging es bei einer abschließenden Runde mit Start-ups aus dem Bereich der Dienstleitungen für Bauunternehmen. Von der Visualisierung, über Baudokumentation bis zum Arbeitsschutz haben junge Unternehmen digitale Lösungen entwickelt, die von den Partnern direkt auf Herz und Nieren geprüft werden konnten. „Digitalisierung und Struktur sind zwei wichtige Säulen, um einen Betrieb für die Zukunft effizient aufzustellen. Der Holzbau bietet hierfür wie kaum eine andere Bauform gute Schnittstellen und das entsprechende Verständnis“, sieht Elster einen Vorteil für die Zimmereien und Holzbau-Unternehmen.“

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren