Mehrgeschosser
Konstruktion - SAWA in Rotterdam
Im weichen Untergrund des Rotterdamer Hafens ruht die Konstruktion auf einer aufwendigen Pfahlgründung. Bodenplatte und das „Deck“ sind in Stahlbeton gefertigt, ebenso der aussteifende Erschließungskern und die hohen, mehrgeschossigen Säulen, die den hohen Durchgang unter dem abgetreppten Bauteil auf der Stirnseite des Ensembles tragen. Alle übrigen Komponenten sind in Holzbauweise erstellt. Im Zentrum der Konstruktion steht ein klassisches Stützen-Unterzug-System aus Brettschichtholz und Baubuche mit Deckenelementen aus Brettsperrholz (CLT). Die tragenden Holzstützen haben Querschnitte von 60 x 60 cm, auf denen ebenfalls 60 cm breite und 52 cm hohe Unterzüge aufliegen. Darauf folgt eine massive CLT-Decke mit einer Dicke von 24 cm. Die Decken spannen über circa sechs Meter bei einem Achsraster von etwa 7,30 m.
Die Außenwände sind nichttragend und ebenfalls in Holzbauweise ausgeführt. Auch die Innenwände bestehen aus einer nichttragenden Trockenbauweise, was die Flexibilität des Open-Building-Konzepts unterstützt. Für die vertikale Aussteifung wurden zwei Hauptachsen definiert: Zum einen ein konventioneller Stahlbetonkern für das Treppenhaus, zum anderen ein 6-geschossiges Holzfachwerk, das als zusätzliche Aussteifungseinheit dient. In den unteren vier Geschossen dient eine massive CLT-Wand zur Aussteifung.
Besonderheiten und Herausforderungen im Detail
Eine der größten konstruktiven Herausforderungen stellte das System der Laubengänge dar: Die Balkonplatten aus Stahlbeton-Fertigteilen sind auf auskragende Holzbalken aufgelegt, die durch die thermische Hülle hindurchragen. Der Anschluss war insbesondere hinsichtlich Wärmebrückenfreiheit und Lastabtragung komplex. Die Kragarme tragen nicht nur Eigen- und Verkehrslasten, sondern auch erhebliche vertikale Lasten aus den darüberliegenden Geschossen. An den einzelnen Knotenpunkten mussten Lasten von bis zu 6000 kN durch die Bauteile geleitet werden – und das bei Quer- und Druckbeanspruchung. Dies erforderte hochpräzise entwickelte Stahlverbindungen im Inneren des Holzquerschnitts.
Ein weiteres zentrales Element der Statik sind die mehrfach eingesetzten Holzfachwerkträger, die ebenfalls der Gebäudeaussteifung dienen. Insgesamt acht großformatige Träger wurden als vorgefertigte Elemente über je mindestens zwei Geschosse hinweg montiert und besitzen eine Länge von 14 Metern. Ihre Spannweite beträgt maximal sechs Meter, da sie auf Zwischenstützen montiert sind. Die Unter- und Obergurte der Fachwerke greifen ineinander, sodass beim Aufsetzen eines neuen Geschosses der Obergurt des darunterliegenden Trägers als Untergurt dient. Diese Systematik ermöglichte eine präzise und effiziente Montage.
Sonderlösungen und Einzelfallprüfungen
SAWA weist mehrere konstruktive Einzelbereiche auf, die von klassischen Rasterlösungen abweichen. Besonders relevant ist hier ein viergeschossiger Gebäudeteil, der sich aus dem Achsraster löst und in einem Winkel zum Hauptraster steht. Hier konnten keine herkömmlichen Unterzüge eingesetzt werden, sodass eine Sonderlösung entwickelt werden musste: sogenannte „Galgenstützen“. Diese bestehen aus einem Stück ausgeschnittenem Brettsperrholz, das in einem monolithischen Bauteil sowohl Stütze als auch auskragendes Tragglied vereint. Um deren Tragfähigkeit zu beweisen, mussten spezielle Druckprüfungen durchgeführt werden – ein Aufwand, der sich jedoch durch das Wegfallen komplizierter Verbindungsmittel rechtfertigte und nun als innovatives Vorbild dienen kann.
Logistik und Bauabwicklung
Auch die logistischen Rahmenbedingungen des Projekts waren bemerkenswert. Das Baugrundstück liegt unmittelbar am Rotterdamer Hafenbecken und ließ kaum Platz zur Lagerung von Materialien. Die Vorfertigung der Holzbauelemente – darunter auch große Fachwerkträger – ermöglichte eine Just-in-time-Lieferung per LKW und teilweise sogar per Schiff. Die Elemente wurden unmittelbar am Einbautag angeliefert und montiert, was höchste Präzision in Planung und Ausführung erforderte.












