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Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview des Monats

Christine Ryll,

Vorvergrauung: vom Silberberg bis ins dunkle Tal

Farbe ist nicht gleich Farbe, auch bei der Vorvergrauung nicht. Wenn der Ton sich auch nach Jahren nicht verändern soll, braucht es bei der Auswahl Fingerspitzengefühl. Carsten Hagendorff, technischer Vertrieb der Firma Häussermann, erzählt.

Carsten Hagendorff, technischer Vertrieb der Firma Häussermann © Häussermann GmbH & Co. KG

Herr Hagendorff, wie lief der Auftrag zu diesem Projekt ab?

Carsten Hagendorff: Mit dem Ziel, eine Fassade aus Holz durchzusetzen, begannen die Architekten und der Bauherr zunächst mit der Auswahl des Werkstoffs. Dazu haben wir Müller Reimann verschiedene Holzarten und deren Referenzpreise vorgelegt. Nach der Visualisierung folgten die technische Detailplanung und schließlich die Konstruktion verschiedener Muster. Aus Gründen der Nachhaltigkeit, der Erscheinung und der holzarttypischen Merkmale fiel die Entscheidung auf Weißtanne – frei von Harzkanälen in einer astarmen bis blanken Sortierung. Der Einschnitt im Sägewerk erfolgt als Rift-Halbriftschnitt. So geschnittenes Holz hat vorrangig stehende Jahresringe, eine Eigenschaft, die für weniger starkes Arbeiten des Holzes sorgt. Allerdings beschränkt diese Qualität die Dimensionierung der Querschnitte. Bei den geschosshohen Lisenen musste daher auf Konstruktionsvollholz ausgewichen werden.

Wie ging es weiter?

Im Sommer 2020 erhielten wir erste grafische Darstellungen zur Fassade und begannen daraufhin mit der Beratung zur Konstruktion, Ausführung und Oberflächenbehandlung. Es folgten fortlaufende Beratungen zur Profilgeometrie und möglichen Befestigungslösungen. Am 14. Juni 2021 stand die erste Bemusterung der Holzfassade anhand von Mockups an. Dazu lieferten wir unbehandelte Profile in der gewünschten Qualität und Bearbeitungsstufe. Durch den Fassadenbauer wurden Referenzflächen konstruiert und farblich mit einer Vorvergrauung behandelt. Wir haben viele Farbmuster gefertigt und genau geregelt, welche Profilgeometrien bei welcher Befestigung zu verwenden sind. Die fortlaufende Abstimmung zog sich über mehrere Versuchsreihen hindurch.

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Wie wurde das Material bearbeitet?

Wir haben das Schnittholz für die Füllungen und Lamellen profiliert und geliefert. Die gewünschte sägerau strukturierte Oberfläche wurde mit Hobelfräswerkzeugen hergestellt. Anschließend haben wir das Material im Vakumaten mit Keim Lignosil-Verano im Farbton 4875 im Einfachauftrag behandelt. Die KVH-Elemente wurden vom anderen Verarbeiter, der Burger Holzwerk GmbH, geliefert. Durch den großen Querschnitt der KVH-Lisenen und das hohe Elementgewichte musste hier der farbliche Auftrag ineiner Bürstenmaschine erfolgen. Da der Nassauftrag in einer Bürstenmaschine geringer ist als der vergleichende Nassauftrag im Vakumaten, wurde für die Lisenen der Zweifachauftrag berücksichtigt. So konnte über alle Elemente und Geometrien ein einheitliches Farbbild hergestellt werden. Die Schnittkanten aller Holzbauteile wurden aus optischen Anforderungen auf der Baustelle farbtongleich nachbehandelt.

Wo wurde montiert?

Die Fassade wurde vor Ort montiert. Zunächst wurde die Unterkonstruktion hergestellt und angepasst, danach erfolgte die Montage der Fassadenelemente.

Ist die Oberfläche pflegefrei?

Ja, die Hölzer müssen und sollen nicht nachgestrichen werden. Damit der Farbton der jeweiligen natürlichen Vergrauungsstufe entspricht, werden die verschiedenen Einflussfaktoren im Vorfeld genau beurteilt. Dabei ist nicht nur die Holzart, sondern im Besonderen auch der geographische Standort zu berücksichtigen. Beispielsweise vergraut Holz in Gebirgslagen – eher trocken bei hoher UV-Intensität – sehr hell. Es erhält hier eine helle silbrig graue Farbe. In tieferen Lagen, wie z.B. den typischen Ballungsräumen, vergraut das gleiche Holz deutlich dunkler. Der Farbton wird deshalb so gewählt, dass er unbemerkt in die natürliche Vergrauung übergeht.

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