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Artikel und Hintergründe zum Thema

Die Kraft einer Partnerschaft

Kai Ingmar Link,

70 Jahre Caterpillar und Zeppelin - ein gelebtes Beispiel transatlantischer Beziehungen

Es herrschte Aufbruchstimmung: Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg ein Trümmerfeld. Großstädte wie München lagen in Trümmern. Mehr als 3,5 Millionen Wohnungen waren zerstört und mussten wieder aufgebaut werden. Die Konjunkturlokomotive Bau nahm Fahrt auf. Eine Aufholjagd begann beim Ausbau der Infrastruktur, denn die wachsende Mobilität der Bevölkerung verlangte nach Straßen und Autobahnen. Bereits 1954 rollte der 600.000ste VW Käfer vom Band.

Neue Technologien gewannen im Lauf der Jahre eine immer größere Bedeutung, wenn es um weniger Kraftstoff und mehr Effizienz im Maschineneinsatz ging. Dafür stehen die Cat Radlader der XE-Serie mit ihrem stufenlosen, leistungsverzweigten Getriebe. © Zeppelin

Die Bundesregierung beschloss ein zehnjähriges Straßenbauprogramm in Höhe von 23 Milliarden DM, um den Erd-, Tief- und Straßenbau anzukurbeln. Genau zu dieser Zeit schloss die Fahrzeuginstandsetzung Friedrichshafen GmbH, die wenig später in den Zeppelin Metallwerken aufging, mit dem amerikanischen Baumaschinen- und Motorenhersteller Caterpillar Tractor Co. in Peoria einen Importeurs-, Vertriebs- und Servicevertrag für das Vertriebsgebiet Westdeutschland und West-Berlin ab. Was mit dem Vertrieb und Service von Cat-Produkten begann, entwickelte sich zu einer erfolgreichen internationalen Partnerschaft in vielen europäischen und eurasischen Ländern - bis heute.

Von Worms aus wurde das Caterpillar-Geschäft aufgebaut. Und damit hielt der gleislose Materialabbau und -transport mit mobilen Baumaschinen Einzug. Kettendozer, Schürfzüge und Grader von Cat waren auf deutschen Baustellen unbekannt. Stattdessen kamen schwerfällige Seilbagger und Loren oder mühsam zu bewegende Feldbahnen zum Einsatz. Damit sich das änderte, war viel Überzeugungsarbeit der Zeppelin Mitarbeiter nötig. Schnell überzeugten die Maschinen aus den USA die deutschen Bauunternehmer durch ihre Arbeitsergebnisse: Sie waren effizienter und trugen so zu Fortschritt und Wohlstand in Deutschland bei. Für Zeppelin bedeutete das, von Anfang an „in der günstigen Lage zu sein, das umfassendste Maschinenprogramm auf dem deutschen Markt anbieten zu können“, so der Baufachjournalist Heinz- Herbert Cohrs, der sich intensiv mit der Geschichte beider Unternehmen beschäftigt hat. Bei den Baumaschinen stand das erste Jahrzehnt der Zusammenarbeit im Zeichen der Weiterentwicklung.

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Caterpillar ist nicht nur der größte Baumaschinenhersteller der Welt, sondern seit vielen Jahrzehnten auch treibende Kraft für neue Technologien, die Zeppelin seit sieben Jahrzehnten begleitet. Beide Unternehmen haben die Entwicklung von Baumaschinen und -verfahren stets maßgeblich beeinflusst. Die Basis des Erfolgs ist die Kundenorientierung. Bei der Neu- und Weiterentwicklung von Cat-Maschinen und -Motoren arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit jeher Hand in Hand mit den Kunden und den Ingenieuren von Caterpillar. Produktreihen wurden kontinuierlich nach oben und unten erweitert und neue Maschinen erprobt, die bald auch den deutschen Markt erreichten, wie der erste Cat Radlader 944, damals noch „Traxcavator“ genannt. 1963 kam mit dem 988 der erste knickgelenkte Radlader von Caterpillar auf den Markt.

Von Anfang an war Zeppelin stark im Service. © Heinz-Herbert Cohrs

Um das Geschäft mit Baumaschinen auszubauen, eröffnete Zeppelin 1958 eine Niederlassung in Köln. Drei Jahre später folgten Bremen, Berlin und weitere Städte, so dass heute ein dichtes Niederlassungsnetz für kurze Wege zum Kunden sorgt. Die Geschäfte werden seit 1966 vom Stammhaus und seit 2007 von der Zentrale in München aus geführt. Parallel zum Vertrieb begann Zeppelin mit dem Aufbau seiner Serviceflotte. Schon bald kam kaum eine Baustelle in der Bundesrepublik ohne die Maschinen von Caterpillar und den Service von Zeppelin aus.

In den 70er Jahren brachte Zeppelin den ersten hydraulischen Raupenbagger von Caterpillar auf den deutschen Markt. Auch die Planierraupen wurden weiterentwickelt. Ende des Jahrzehnts eroberten die Cat Dozer mit dem neuen Delta-Laufwerk weltweit den Markt. Fortschrittliche Maschinentechnik und hochwertiger Service ergänzten sich immer besser.

Cat Schürfzüge, unterstützt von Cat Kettendozern, waren die Vorreiter der gleislosen Erdbe- wegung auf deutschen Baustellen. © Heinz-Herbert Cohrs

In den 80er Jahren wandte sich Zeppelin auch der Entwicklung von Baumaschinen zu. Unter eigenem Markennamen vertrieb Zeppelin Mobilbagger von Sennebogen und Macmoter sowie Radlader und Minibagger von Schaeff. Ein Jahrzehnt später kamen Zeppelin Kompaktlader hinzu, die zunächst von Lanz hergestellt wurden.

Damals ahnte noch niemand, welcher Umbruch und welche Chancen bevorstanden. Denn die Wiedervereinigung löste einen beispiellosen Boom für Baumaschinen aus. Und mit den neuen Bundesländern kam ein neues Vertriebsgebiet hinzu, was sich auch im Umsatz niederschlug: Zeppelin erhielt die exklusiven Vertriebs- und Servicerechte von Caterpillar auch für die neuen Bundesländer. Kein Wunder, dass der Umsatz der Zeppelin Metallwerke 1990 erstmals die Milliardengrenze und knapp zwei Jahre später die Zwei-Milliarden-Marke überschritt.

Von Worms aus wurde das Caterpillar-Geschäft aufgebaut. © Zeppelin

Doch damit war die Expansion in Ostdeutschland noch nicht abgeschlossen. Zeppelin dehnte sein Vertriebsgebiet weiter aus: Ab 1991 umfasste es auch das heutige Tschechien und die Slowakei, ab 1992 Österreich. 1994 entstanden aus den Zeppelin Metallwerken die Zeppelin Baumaschinen GmbH und weitere Gesellschaften, die 1995 unter der Holding Zeppelin GmbH zusammengefasst wurden. Ab 1996 belieferte Zeppelin die Ukraine, ab 1998 auch Nordwestrussland. Es folgten Südwestrussland, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und Weißrussland.

Die 90er Jahre waren auch eine Phase der technischen Entwicklung. Mehr Leistung und Fahrerkomfort standen im Vordergrund. So führte Caterpillar zahlreiche Innovationen ein: Komfortkabinen mit mehr Platz und besserer Sicht, mit Komfortsitz, Klimaanlage und einfach zu bedienenden Bedienelementen. Die Radlader erhielten revolutionäre Lenksysteme und die Raupenbagger der Serie 300 erstmals eine elektronische Hydrauliksteuerung. Riesige Radlader und Muldenkipper kamen auf den Markt und wurden auch bei der Wismut, dem größten Erdbewegungsprojekt seiner Zeit, eingesetzt. 1998 präsentierte Caterpillar auf der bauma eigene Minibagger bis fünf Tonnen Einsatzgewicht, gefolgt von kompakten Radladern bis sechs Tonnen Einsatzgewicht, die bald die Verkaufszahlen anführten.

Auch beim Mauerfall wirkten Cat Baumaschinen mit. © Zeppelin

Typisch für das folgende Jahrzehnt: Es war geprägt von der Globalisierung - die Digitalisierung nahm Fahrt auf. Kundenfeedback wurde immer wichtiger für die Weiterentwicklung von Maschinen und Dienstleistungen. Zudem gewannen neue Technologien immer mehr an Bedeutung, vor allem ging es darum, weniger Kraftstoff zu verbrauchen und die Maschinen effizienter zu nutzen.

Dafür standen die Cat Radlader der XE-Serie mit ihrem stufenlosen, leistungsverzweigten Getriebe, der Kettenbagger Cat 336E H mit Hybridantrieb und der neue Kettendozer Cat D7E mit dieselelektrischem Antrieb. Gleichzeitig wird die Einbindung der Maschinen in das Betriebsmanagement immer wichtiger, um Prozesse und Abläufe zu verbessern. Maschinensteuerungen und Flottenmanagement tragen dazu bei.

Im Jahr 2011 ging Zeppelin eine enge Kooperation mit der neu gegründeten Sitech Deutschland GmbH als exklusivem Technologiepartner für den Vertrieb und Service von Maschinensteuerungen ein. Technologien trieben die Nachfrage nach Baumaschinentechnik weiter an. Ein wichtiges Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und die nächsten Jahre bestimmen wird, ist die Nachhaltigkeit. Emissionen ist dabei ein wesentliches Kriterium für die Maschinen.

Caterpillar übertrug 1990 Zeppelin die exklusiven Vertriebs- und Servicerechte für Cat Baumaschinen und Motoren für das Gebiet in Ostdeutschland. © Zeppelin

Nicht nur im Ausland, auch im Inland wurden neue Märkte erschlossen: Mit dem Cat Zweiwegebagger M323F stieg Zeppelin in den Markt für Mobilbagger im Gleisbau ein. Neue Typen und Weiterentwicklungen bei Umschlagbaggern bis hin zu elektrischen Maschinen mit Kabelanschluss ermöglichten höhere Marktanteile im Recycling.

Bei den Raupenbaggern und später auch bei den Mobilbaggern der neuen Generation wurden zahlreiche Assistenzsysteme zum Standard. Mit diesen Maschinen setzten Caterpillar und Zeppelin neue Maßstäbe für den hocheffizienten Einsatz von Baumaschinen. Auch bei vielen anderen Cat-Maschinen wurden in den letzten Jahren Assistenzsysteme eingeführt. Dazu gehört das Cat Fleet Management, das für viele Bauunternehmen zum Standard geworden ist, um ihre Bauprozesse zu verbessern. Auch auf dem Weg zu autonom fahrenden Cat Muldenkippern, die seit Jahren unfallfrei Millionen von Kilometern in den großen Minen der Welt zurücklegen, sind erste Schritte getan. Die Vorstufe dazu ist Cat Command - eine Technologie zur Fernsteuerung von Baumaschinen, die ebenfalls weiterentwickelt werden soll. Auch bei den elektrischen Baumaschinen sind die Weichen gestellt: Auf der bauma 2019 wurde ein erster batterieelektrischer Kompaktradlader vorgestellt, auf der nächsten bauma drei Jahre später ein Minibagger und je ein mittelgroßer Cat Radlader und Raupenbagger sowie Caterpillar-Eigenentwicklungen in der Ladetechnik.

Die erste bauma 1998 auf dem neuen Messegelände in Riem stand ganz im Zeichen der kompakten Baumaschinen. © Zeppelin

1954 betreuten sieben Zeppelin-Mitarbeiter Cat-Baumaschinen und -Motoren und erwirtschafteten damit einen Umsatz von 300.000 DM. Längst hat sich die Partnerschaft zwischen Zeppelin und Caterpillar auf zahlreiche Länder Mittel- und Osteuropas bis nach Zentralasien ausgedehnt. Im Jahr 2000 übertrug Caterpillar Zeppelin die Verantwortung für den Vertrieb und Service von Cat-Baumaschinen sowie Cat- und MaK-Motoren für Schweden, Dänemark und Grönland. Heute ist der Zeppelin Konzern weltweit an mehr als 340 Standorten in 26 Ländern und Regionen vertreten, die meisten davon im Vertrieb und Service für Cat Maschinen und Motoren. Die Zeppelin Baumaschinen GmbH ist mit 1.886 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 1,33 Milliarden Euro im Jahr 2003 die größte Gesellschaft des Zeppelin Konzerns, der im vergangenen Jahr mit über 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro erwirtschaftete.

Neue Absatzmärkte werden im Vertrieb und Service längst auch durch zahlreiche Online-Tools bedient, die Kunden effektiv informieren und ihnen das Tagesgeschäft erleichtern, wenn es zum Beispiel um Online-Ersatzteilbestellungen geht. Dazu gehören ein informativer Internetauftritt, ein umfangreiches Online-Gebrauchtmaschinenangebot, die Baggerbörse - eine Bewertungsplattform für gebrauchte Baumaschinen - sowie Webshops für Ersatzteile, Anbaugeräte, Zubehör und zunehmend auch für komplette Baumaschinen inklusive eines Baumaschinen-Konfigurators.

Mit einem Klick zur Wunsch-Baumaschine wie den Cat Kettenbaggern der neuen Generation im Zeppelin Online-Konfigurator. © Zeppelin

Ergänzend unterstützen Apps die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der optimalen Kundenberatung und schaffen so noch effizientere Prozesse in Vertrieb und Service.

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