Fokus auf kritischen Teilen

Lydia Freyth und Gereon Küpper,

Ersatzteilmanagement gegen Stillstände von Höveler Holzmann

Lydia Freyth von Höveler Holzmann. © Höveler Holzmann

Ob Gewinnung oder Verarbeitung: Mineralische Rohstoffe verlangen den Anlagen alles ab. Das Ersatzteilmanagement spielt deshalb eine entscheidende Rolle. Warum, erklären Gereon Küpper und Lydia Freyth von Höveler Holzmann.

Ungeplante Stillstände von Anlagen und Fahrzeugen haben erheblichen Einfluss auf die Overall Equipment Effectiveness (OEE) und können täglich Millionen Euro kosten. Obwohl Ausfälle so weit wie möglich vermieden werden müssen und jederzeit ein hoher interner Servicegrad gewährleistet sein muss, zeigt die Erfahrung, dass das Ersatzteilmanagement bei der Gewinnung und Aufbereitung mineralischer Rohstoffe oft auf historisch gewachsenen Prozessen basiert. Eine Folge ist, dass die Instandhaltungsstrategie meist entkoppelt vom Bestandsmanagement verfolgt wird. Wo Bestände intransparent und Verantwortlichkeiten unzureichend geklärt sind, ist ein mangelhafter Servicegrad unausweichlich. Dabei verbessert ein leistungsfähiges Ersatzteilmanagement nicht nur die Bereitstellungszuverlässigkeit, sondern die Qualität und Stabilität ganzer Prozesse.

Lieferverzögerungen gefährden Verfügbarkeit

Diese sind beim Handling mineralischer Baustoffe ein besonders kritischer Faktor für die OEE: Schließlich werden die Maschinen und Anlagen für die Gewinnung und Verarbeitung besonders beansprucht und müssen trotzdem stets einsatzbereit sein, um die nötigen Mengen zu liefern. Gleichzeitig kommt es im gesamten Bereich der Förder- und Antriebstechnik, aber auch bei Ersatzteilen für Brech- und Siebanlagen sowie Fahrzeugersatzteilen für Bagger, Radlader, Raupen und andere schwere Nutzfahrzeuge vermehrt zu Lieferverzögerungen. Entstehen bei kritischen Ersatzteilen außergewöhnlich lange Vorlaufzeiten, gerät der gesamte Betrieb schnell ins Stocken. Hinzu kommt, dass es beim Handling von Artikeln und der Ermittlung von Bedarfen in vielen Organisationen an Transparenz und einer adäquaten Stammdatenqualität fehlt. Bestandsdaten werden häufig nur initial erzeugt und unzureichend gepflegt. Organisatorisch befindet sich das Ersatzteilmanagement meist in einer Zwischenposition zwischen Einkauf und Instandhaltung – mit fehlenden eindeutigen Verantwortlichkeiten als Folge. Zu all diesen Herausforderungen kommt hinzu, dass im verschleißintensiven Umfeld der Mineralik und Baustoffproduktion ein hoher Servicegrad gefragt ist: Die Sicherstellung der Materialverfügbarkeit ist eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe wie die Instandhaltung und das Bestandsmanagement. Unzureichendes Knowledge Management, Fachkräftemangel und die wachsende Abhängigkeit von externen Dienstleistern können die Situation zusätzlich verschärfen.

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Ersatzteilmanagement ganzheitlich denken

Um das Ersatzteilmanagement zu verbessern und damit die Verfügbarkeit der Anlagen und des Fuhrparks zu steigern, müssen Unternehmen ihre innerbetrieblichen Prozesse effektiv und effizient gestalten. Verantwortliche, die das Projekt in einzelne Maßnahmen unterteilen und fokussiert vorgehen, können schnell nachhaltige Ergebnisse erzielen. Konkret sollten Stakeholder dafür folgende Herausforderungen angehen:

• Fokussierung auf kritische Teile

• Transparenzsteigerung der Verbräuche

• Optimierung der operativen Lagerprozesse

• enge Kollaboration mit Lieferanten

Trotz der Gliederung in einzelne Aspekte sollte das Bestandsmanagement bei allen Schritten ganzheitlich betrachtet werden. Eine Definition der Bestandsstrategie ist eine gute Vorbereitung, um einen Überblick zu verschaffen.

Fokussierung auf kritische Teile

Eine Kernherausforderung des Ersatzteilmanagements bei der Gewinnung und Aufbereitung mineralischer Rohstoffe sind die heterogenen Bedarfe bei hohen Erwartungen an die Verfügbarkeit. Mithilfe einer Artikelkategorisierung können Verantwortliche zu einer Kategorisierung der Bedarfe hinsichtlich der Risikoklasse gelangen und sich auf kritische Teile fokussieren. So können die Einkaufsanstrengungen und die Bestandssteuerung zielgerichtet organisiert werden.

Transparenzsteigerung der Verbräuche

Um manuellen Aufwand zu reduzieren, ist eine Steigerung der Transparenz der Verbräuche unerlässlich. Der Einsatz geeigneter IT-Tools (zum Beispiel für Instandhaltungsplanung) und Richtlinien für Bedarfsträger ermöglichen ein lückenloses Tracking der Bedarfsträger und Verbräuche, das Verantwortlichen einen umfassenden Überblick über die Ersatzteilsituationen verschafft. Das ermöglicht nicht nur die historische Auswertung und die Erstellung von Vorhersagen, sondern erleichtert auch eine gemeinsame Bedarfsplanung mit Lieferanten, um immer die nötigen Liefermengen sicherzustellen.

Optimierung der operativen Lagerprozesse

Für Klarheit und Überblick im Ersatzteillager ist die Definition von Logistikprozessen in der Instandhaltung unerlässlich. Ob Kanban-System oder Vendor Managed Inventory – für die Lageroptimierung gibt es vielfältige Ansätze. Auch kleinteiligere Maßnahmen zur Transparenzsteigerung müssen Verantwortliche konsequent sicherstellen: etwa die kurzfristige Umsetzung von Aufräum- und Entsorgungsmaßnahmen, die Kennzeichnung aller Lagerplätze oder den Einsatz von Geräten zur mobilen Datenerfassung bei allen Lagerbewegungen.

Enge Kollaboration mit Lieferanten

Um Engpässe proaktiv zu vermeiden, sollten Unternehmen die Zusammenarbeit mit Lieferanten verstärken. So wird es möglich, Lösungen für Lieferprobleme gemeinsam zu finden, etwa in Form eines zugesicherten Vorhaltebestands beim Lieferanten mit abgestimmten Lieferzeiten. Informationen über Stücklisten unterstützen zusätzlich bei der Risikoklassifizierung.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 06_23.

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