Arbeitskleidung
Kübler - neue ASR A5.1 stellt höhere Anforderungen an Hitze- und UV-Schutz
Mit der Veröffentlichung der neuen Arbeitsstättenregel ASR A5.1 im August 2025 verändern sich die Anforderungen an den Arbeitsschutz auf Baustellen und in anderen Außenarbeitsbereichen deutlich. Während bislang vor allem organisatorische Maßnahmen im Mittelpunkt standen, gewinnt nun die geeignete Arbeitskleidung als Bestandteil moderner Schutzkonzepte erheblich an Bedeutung.
Besonders Unternehmen im Hoch- und Tiefbau stehen vor einer neuen Herausforderung: Sie müssen ihre Beschäftigten wirksam vor steigender Hitzebelastung und intensiver UV-Strahlung schützen, ohne dabei Produktivität, Bewegungsfreiheit oder Sicherheitsanforderungen einzuschränken. Die neue Regelung berücksichtigt dabei erstmals deutlich stärker reale klimatische Bedingungen wie direkte Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse und körperliche Belastung durch die jeweilige Tätigkeit.
Für Bauunternehmen bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Der Schutz vor Hitze wird nicht länger als temporäres Sommerthema betrachtet, sondern als dauerhafte Aufgabe im betrieblichen Arbeitsschutz.
Warum die ASR A5.1 den Baustellenalltag verändert
Die bisher bekannten Vorgaben zur Raumtemperatur aus der ASR A3.5 lassen sich auf Außenarbeitsplätze nur eingeschränkt übertragen. Die neue Arbeitsstättenregel ASR A5.1 verfolgt deshalb einen praxisnäheren Ansatz. Entscheidend ist nicht allein die Temperatur, sondern das Zusammenspiel mehrerer Belastungsfaktoren.
Die Empfehlungen des Ausschusses für Arbeitsstätten (ASTA) sehen technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen vor. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass technische Lösungen wie Beschattung oder Kühlung auf wechselnden Baustellen oft nur begrenzt realisierbar sind. Auch flexible Arbeitszeiten stoßen bei eng getakteten Bauabläufen an Grenzen.
Dadurch rückt die persönliche Schutzausrüstung stärker in den Fokus. Moderne Arbeitskleidung übernimmt zunehmend die Aufgabe, thermische Belastungen aktiv zu reduzieren und gleichzeitig den Schutz vor UV-Strahlung sicherzustellen.
Zwischen Schutzwirkung und Tragekomfort entsteht ein neues Spannungsfeld
Viele Bauunternehmen stehen aktuell vor der Frage, wie sich Schutzanforderungen und thermischer Komfort sinnvoll miteinander verbinden lassen. Kleidung darf den Körper bei hohen Temperaturen nicht zusätzlich belasten, muss aber gleichzeitig robust, langlebig und bei PSA-Anwendungen normgerecht bleiben.
Nach Einschätzung von Joachim Geyer, Key Account Manager bei der Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co. KG, gewinnen dabei Materialentwicklung und intelligente Bekleidungskonstruktionen zunehmend an Bedeutung.
Vor allem leichte Polyester- oder Polyamid-Mischgewebe mit feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften bieten Vorteile für Tätigkeiten unter hoher thermischer Belastung. Sie transportieren Feuchtigkeit schneller vom Körper weg und trocknen deutlich schneller als klassische Baumwollgewebe. Gleichzeitig bleiben sie widerstandsfähig genug für den anspruchsvollen Baustelleneinsatz.
Für Sicherheitsfachkräfte und Einkäufer werden technische Kennwerte künftig wichtiger. Materialgewicht, Wärmedurchgangswiderstand sowie Werte zur Wasserdampfdurchlässigkeit liefern entscheidende Hinweise auf die Hitzetauglichkeit moderner Arbeitskleidung.
Konstruktion entscheidet über den thermischen Komfort
Nicht nur das Material selbst beeinflusst den Tragekomfort bei Hitze. Entscheidend ist zunehmend die Konstruktion der Kleidung. Strategisch platzierte Ventilationszonen, luftdurchlässige Mesh-Einsätze und ergonomisch geführte Luftkanäle können die Wärmeabgabe des Körpers deutlich verbessern.
Gerade im Baugewerbe zeigt sich, wie praxisrelevant diese Entwicklungen geworden sind. Arbeitsprozesse im Straßenbau, in der Abfallwirtschaft oder im Tiefbau erzeugen hohe körperliche Belastungen bei direkter Sonneneinstrahlung. Kleidung muss daher nicht nur schützen, sondern aktiv zur thermischen Entlastung beitragen.
Die Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co. KG beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren intensiv mit diesem Themenfeld. Sommerhosen aus den Kollektionen Reflectiq und Activiq wurden gezielt für Arbeiten unter hohen Temperaturen entwickelt und verfügen über integrierte Belüftungsbereiche im Kniekehlen-, Schritt- und Oberschenkelbereich. Ziel ist ein verbesserter Temperaturausgleich bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten.
Hitze- und UV-Schutz werden Teil moderner Gefährdungsbeurteilungen
Neben thermischer Belastung rückt auch der Schutz vor UV-Strahlung stärker in den Mittelpunkt. Die neue Arbeitsstättenregel ASR A5.1 orientiert sich dabei verstärkt am UV-Index und erweitert die Anforderungen an personenbezogene Schutzmaßnahmen.
Damit gewinnt UV-zertifizierte Arbeitskleidung für viele Bauunternehmen strategische Bedeutung. Kleidung mit geprüftem UV-Schutz kann künftig ein relevanter Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung sein, insbesondere bei dauerhaftem Arbeiten im Freien.
Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich: Der klassische Ansatz, ausschließlich Sonnencreme oder Kopfbedeckungen einzusetzen, reicht langfristig nicht mehr aus. Vielmehr entsteht ein ganzheitlicher Ansatz aus Materialtechnologie, Bekleidungskonstruktion und organisatorischen Schutzmaßnahmen.
Forschung an kühlenden Textilien nimmt Fahrt auf
Die steigenden Anforderungen an den Hitze- und UV-Schutz treiben auch die textile Forschung voran. Im Mittelpunkt stehen neue Gewebestrukturen, innovative Beschichtungen und leistungsfähige Mischgewebe, die Schutzwirkung und Atmungsaktivität miteinander verbinden sollen.
Die Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co. KG beteiligt sich gemeinsam mit weiteren Industriepartnern am IGF-Forschungsprojekt der Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF). Ziel des Projekts ist die Entwicklung neuartiger textiler Werkstoffe mit kühlender Wirkung.
Im Fokus stehen dabei spezielle Beschichtungen, die Sonnenstrahlung stärker reflektieren und gleichzeitig Wärme in Form langwelliger Strahlung effizienter abgeben können. Erste Forschungsansätze zeigen, dass sich Oberflächentemperaturen dadurch spürbar reduzieren lassen.
Gerade für das Baugewerbe eröffnen solche Entwicklungen langfristig neue Möglichkeiten. Arbeitskleidung könnte künftig nicht nur passiv schützen, sondern aktiv zur Temperaturregulierung beitragen.
Beratungskompetenz wird für Bauunternehmen immer wichtiger
Die neue Arbeitsstättenregel ASR A5.1 lässt in vielen Bereichen bewusst Spielräume für individuelle Gefährdungsbeurteilungen. Dadurch steigt der Beratungsbedarf in Unternehmen erheblich.
Bauunternehmer, Projektleiter und Sicherheitsfachkräfte müssen künftig genauer bewerten, welche Maßnahmen unter den jeweiligen Arbeitsbedingungen erforderlich und praktikabel sind. Hersteller von Arbeitskleidung werden deshalb zunehmend zu technischen Ansprechpartnern im Arbeitsschutz.
Für die Branche zeichnet sich bereits jetzt ab: Der Umgang mit Hitze- und UV-Belastung entwickelt sich zu einem dauerhaften Managementthema. Moderne Arbeitskleidung wird dabei nicht mehr nur als Ausstattung betrachtet, sondern als integraler Bestandteil sicherer und wirtschaftlicher Baustellenprozesse.









