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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe Magazin EXKLUSIV

Stefan Ufertinger,

Wie redest du eigentlich mit mir? Kommunikation auf der Baustelle

"Auf der Baustelle geht es nun mal rauer zu." Das ist oft die Auffassung zu Umgangsformen auf Baustellen. Kommunikationsprofi Stefan Ufertinger hat Tipps für eine positive Kommunikation:

Kommunikationsprofi Stefan Ufertinger © Site Communications

Bauprojekte sind eine männerdominierte, gefühlsfreie und leistungsorientierte Welt, in der man nicht redet, sondern macht. Ist das heute noch zeitgemäß? Werden wir die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft mit diesem Mindset bewältigen können? Oder braucht es etwas anderes?

Warum ist es so schwer?

Wenn man in die Bauwelt eingeführt wird, kommt man rasch mit rauen Umgangsformen in Kontakt. Das sei normal und man müsse sich anpassen, heißt es. Sensible oder emotional veranlagte Menschen scheitern an dieser Stelle regelmäßig und ziehen sich oft in die Planung zurück. Die übrigen haben gelernt, nach Darwins Recht des Stärkeren zu agieren: Derjenige, der lauter schreit, hat am Ende mehr Geld.

Diese Muster erlernen wir nicht erst auf der Baustelle, sondern sie werden bereits früh in uns angelegt. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die nach Wohlstand und Erfolg strebt. Den größeren Reichtum und damit vermeintlich das größere Glück häuft derjenige an, der sich gegen die anderen durchsetzt. Und dazu dient in erster Linie die Art zu kommunizieren.

Der Mensch lernt vornehmlich durch Nachahmung. Bevor wir uns versehen, haben wir unzählige respektlose, konfliktreiche und abwertende Kommunikationsmuster verinnerlicht.

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Ein zweiter Grund liegt in der Belastung der Projektbeteiligten. Bei der Bauprojektabwicklung geht es meist um große Geldsummen, viele Projekte stehen im öffentlichen Fokus, viele Abstimmungen und Lösungsfindungen erfordern zahlreiche Besprechungen. Die Folge ist ein voller Terminkalender. Viele wissen nicht, welche Aufgabe sie zuerst erledigen sollen und wie sie alles in ihrem Tag unterbringen. Die Angst, etwas falsch zu machen, Mängel zu produzieren, Geld zu versenken oder Termine nicht einzuhalten, ist ein ständiger Begleiter.

Dies führt zu einer anhaltenden Stressreaktion des Körpers, die archaische Notprogramme aktiviert: Kämpfen, Flüchten oder Totstellen. Ein Abweichen von den eingeprägten Automatismen ist im Stress nicht möglich. Daher werden meist die kommunikativen Lösungsstrategien angewandt, die bislang in einer Kampfsituation "gut" funktionierten.

Unsere Welt ist immer schnelllebiger geworden, vernetzter und unübersichtlicher. In diesem Zusammenhang spricht man oft von der VUKA-Welt. VUKA ist ein Akronym aus Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. In dieser Welt wird es immer wichtiger, konstruktiv miteinander zusammenzuarbeiten und das vorhandene Wissen aller Beteiligten zu nutzen. Zudem rücken neue Generationen nach, die eine andere Arbeitswelt wollen. Bei ihnen steht nicht mehr das Streiten um den eigenen Vorteil im Vordergrund, sondern der Sinn und die Zusammenarbeit.

Eine dritte positive Entwicklung ist, dass immer mehr Frauen Interesse für die wunderbare Welt des Baus zeigen. Dieser frische Wind und die andere Herangehensweise an Probleme tun der Branche sehr gut, bedeuten aber auch, dass wir uns öffnen und gewisse Umgangsformen hinterfragen dürfen.

All das macht es erforderlich, dass eine neue Projektkultur etabliert wird. Wir brauchen neue Umgangsformen. Die drei Schlagworte, die hier entscheidend sind: Kooperation, Respekt und Wertschätzung.

Wo liegen die Herausforderungen?

Wenn man in die Bauwelt eingeführt wird, kommt man rasch mit rauen Umgangsformen in Kontakt. Das sei normal und man müsse sich anpassen, heißt es. © Site Communications

Die Art zu kommunizieren und miteinander umzugehen ist tief in unserer Gesellschaft und im prozeduralen Gedächtnis verankert. Dort sind unsere gewohnheitsmäßigen Denk-, Fühl- und Handlungsschemata abgespeichert. Neurobiologisch gesehen finden sich diese in den Basalganglien im limbischen System wieder und werden in bekannten Situationen ohne unser bewusstes Zutun abgerufen. Wichtig ist hier zu verstehen, dass dies unbewusst abläuft.

Eine zweite Schwierigkeit liegt in unserem Stresssystem. Selbst wenn wir es schaffen, uns unserer Kommunikationsmuster bewusst zu werden und in einem entspannten Zustand, wertschätzend und respektvoll zu kommunizieren, bedeutet das nicht, dass wir dies auch imStress können. Sobald der Körper in diesen Überlebensmechanismus gerät, greift er auf die alten, verankerten und erprobten Programme zurück. Er lässt sich in diesem Zustand nicht auf Experimente ein. Wir müssen Möglichkeiten finden, neue Muster zu lernen und im hitzigen Projektalltag umzusetzen.

Wie geht respektvolle Kommunikation auf der Baustelle?

Zunächst einmal ist es wesentlich, sich über sein Kommunikationsverhalten bewusst zu werden. Durch Bücher oder Seminare entwickelt sich ein Bewusstsein dafür, was die eigenen Worte beim anderen auslösen. Zudem lernt man Möglichkeiten kennen, Sachverhalte anders zu transportieren. Anschließend heißt es üben. Einzelne Dinge vornehmen und nach einem Gespräch immer reflektieren, ob man das Zielbild umgesetzt hat und das Gespräch gut verlaufen ist. Wenn nicht, was anfangs ganz normal ist, spielt man im Geiste das Gespräch noch einmal mit einem optimalen eigenen Verhalten durch. Diese Reflektion sollte ein ständiger Begleiter werden, um neue Erfahrungen zu sammeln und dadurch die alten Muster zu überschreiben. Dieser Prozess ist anstrengend, aber notwendig. Bald stellt man fest, dass das neue gewünschte Kommunikationsverhalten auch umgesetzt wird. Zunächst holprig, dann flüssiger und irgendwann selbstverständlich.

Im Idealfall wird dieser Prozess durch weitere Seminare oder ein Coaching begleitet, so dass man immer wieder Feedback und Input von einem Experten bekommt.

Zudem ist es wichtig, auf der Stressebene zu arbeiten. Zielgerichtetes Selbst- und Aufgabenmanagement, ausreichende Erholungsphasen sowie der bewusste Umgang mit seinen Emotionen, sind essenzielle Bestandteile für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang.

So gelangt man Schritt für Schritt in eine lösungsorientierte, wertschätzende und konfliktfreie Baustellenabwicklung. Patentlösungen und Abkürzungen gibt es nicht. Der Weg lohnt sich aber. Ich lade jeden Baumenschen herzlich ein, sich auf diesen Weg zu begeben.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 05_2024.

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