Baugewerbe x VERBÄNDE

Kai Ingmar Link,

125 Jahre Bundesverband der Gipsindustrie e.V. - Ein Baustoff macht Karriere

Ursprünglich als „Deutscher Gipsverein“ gegründet, bündelt der Verband Kompetenz und Know-how rund um den Baustoff Gips.

Ein Grund zum Feiern und gekommen war alles, was in der Gipsindustrie Rang und Namen hat: Vor 125 Jahren wurde der heutige ‚Bundesverband der Gipsindustrie e.V.‘ als ‚Deutscher Gipsverein‘ gegründet. Der Verband repräsentiert heute 11 Unternehmen, die im Jahr 2022 insgesamt 7,1 Mio. Tonnen Gipsrohstoffe verarbeitet haben. © Bundesverband der Gipsindustrie e.V.

Im September 1899 trafen sich in Kassel 25 Vertreter gipsabbauender und gipsherstellender Unternehmen, um auf Anregung der damaligen Reichsregierung den „Deutschen Gipsverein“ zu gründen. Sie legten damit den Grundstein für den Erfolg des Baustoffs Gips. Im Zuge der Industrialisierung und des wachsenden Wohnraumbedarfs war man in Regierungskreisen „...geneigt, dem Gips bei Staatsbauten zur Anwendung zu verhelfen, doch fehlt ein Bindeglied zwischen den Großverbrauchern und der Gesamtheit der Hersteller...“. (Thonindustrie-Zeitung, Nr. 94, Berlin, 26. August 1899).

Seitdem hat sich Gips als Baustoff vor allem im Innenausbau mit moderner Trocken- und Leichtbauweise bewährt. Gipsplatten, Gipsfaserplatten und Gipswandbauplatten wurden ständig weiterentwickelt und ermöglichen heute einen technisch hochwertigen und nachhaltigen Innenausbau. Auch im Außenbereich werden inzwischen speziell entwickelte Gipsplatten eingesetzt. Der mehrgeschossige Holzbau profitiert von der Verwendung von Gipsfaserplatten, die moderne Anforderungen an Schall- und Brandschutz erfüllen. Ergänzt wird das Anwendungsspektrum durch Gipsputze und Gipsspachtelmassen für hochwertige Oberflächenveredelungen sowie leistungsfähige Calciumsulfat-Fließestriche.

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„Die Ziele dieses Ende des 19. Jahrhunderts neu gegründeten Vereins sind denen unserer heutigen Satzung sehr ähnlich“, betonte Thomas Bremer von der VG Orth GmbH & Co. KG bei der Jubiläumsfeier und zitiert aus der Satzung: „... gemeinnützig im Dienste der gesamten Gipsindustrie tätig zu sein und - die Natur des Gipses in chemisch-technischer Beziehung festzustellen und Unterlagen für die Erörterung technischer und wissenschaftlicher Fragen zu schaffen...“. (Tonindustriezeitung Nr. 110, 09.1919).

Im Rahmen des Jubiläums wurde auch der seit 25 Jahren amtierende Vorstandsvorsitzende Thomas Bremer geehrt. Vorstandsmitglied Raimund Heinl, CEO von Saint-Gobain Deutschland & Österreich, gratulierte im Namen des gesamten Verbandes und überreichte Bremer einen personalisierten Gipsblock". Heinl würdigte insbesondere Bremers unermüdlichen Einsatz für den Naturgips aus Deutschland und seine umsichtige und ausgleichende Führung, die den Verband entscheidend geprägt habe.

Hielt die Jubiläumslaudatio und ist selber Jubilar: Thomas Bremer, VG Orth GmbH & Co. KG (links), blickt auf eine 25jährige Tätigkeit als Vor-standsvorsitzender des ‚Bundesverbandes der Gips- und Gipsbau-plattenindustrie e.V.‘ zurück und hat in dieser Zeit den Verband entscheidend geprägt. Raimund Heinl, CEO Saint-Gobain Deutschland & Österreich überreicht Bremer symbolisch einen Gipswürfel. © Gipsindustrie Verband

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann das Bauen mit Gips immer mehr an Bedeutung und die Schwerpunkte der Verbandsarbeit verlagerten sich. Um den mineralischen Rohstoff Gips intensiver zu erforschen, wurde die Vereinsarbeit stärker wissenschaftlich ausgerichtet. 1953 erfolgte die Verlegung der Geschäftsstelle nach Darmstadt, dem Standort der Technischen Hochschule. 1970 wurde die „Forschungsvereinigung der Deutschen Gipsindustrie e.V.“ gegründet. Mit der Umbenennung in „Bundesverband der Gips- und Gipsbauplattenindustrie e.V.“ 1964 wurde der Anspruch verbunden, die normativen Grundlagen für das Bauen mit Gips voranzutreiben.

Neue Anwendungsmöglichkeiten für Gipsbaustoffe und eine zunehmend europäisch und international geprägte Normungsarbeit führten 2003 zur erneuten Umbenennung in den heutigen „Bundesverband der Gipsindustrie e.V.“. Seit 2010 hat der Verband seinen Sitz in Berlin.

Heute sind im Bundesverband der Gipsindustrie 11 Unternehmen organisiert, die im Jahr 2022 insgesamt 7,1 Millionen Tonnen Gipsrohstoffe verarbeiteten. Gips ist aus der deutschen Bauwirtschaft nicht wegzudenken und ein zentraler Baustoff für moderne, klimafreundliche Trocken- und Leichtbauweisen. Gipsbaustoffe ermöglichen ressourceneffizientes, flexibles, kostengünstiges, brandsicheres und schnelles Bauen. Sie sind ökologisch vorteilhaft und werden in nahezu allen Bereichen des Innenausbaus eingesetzt, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. In Ballungszentren können durch Nachverdichtung und Aufstockung neue Wohnraumpotenziale erschlossen werden. Aufgrund seiner besonderen bauphysikalischen Eigenschaften und seiner einfachen Verarbeitbarkeit ist Gips wirtschaftlich nicht sinnvoll durch andere Baustoffe zu ersetzen.

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