Wirtschaft & Verbände

Susanne Frank,

"Der Seniorenmarkt ist lukrativ, aber auch hochsensibel"

Bauunternehmerin Heike Eberle ist in der Baubranche eine Trendsetterin. Vor allem bei der Gewinnung und Pflege neuer Kundengruppen ist sie ganz weit vorne – dies gilt auch für die lukrative Zielgruppe der „Generation 50plus“.

Heike Eberle: Als ich mich um diese Zielgruppe bemühte, kam ich zufällig auf diese Internetseite und nahm direkt telefonisch Kontakt auf. Wir besprachen das Prozedere und die Zertifizierungsanforderungen und dann ging es auch schon los. Nach mittlerweile 2 Jahren bin ich allerdings von dieser Kooperation etwas enttäuscht. Mag auch an mir liegen, dass ich diesen „Bewerbungsaspekt“ in der Öffentlichkeit zu wenig promotet habe.

Auf jeden Fall bin ich mit meinen Strategien 2013 noch stärker auf das Bauen und Sanieren für Senioren fokussiert, so dass sich mit dem „Bundesverband Initiative 50Plus“ neue Ansatzpunkte ergeben könnten.

Unbewusst tummeln wir uns schon seit mehreren Jahren auf diesem Markt. Erst letztes Jahr haben wir uns durch ein Service-Forschungsprojekt mit ITB bewusst auf die Kundengruppe 50plus ausgerichtet.

Hinzu kommt, dass gut die Hälfte unserer Belegschaft über 50 ist. Auch mein Vater, der mit seinen 77 Jahren immer noch aktiv an meiner Seite steht, ist ein atypisches Beispiel der heutigen Gesellschaft. Und auch ich laufe stark auf die 50 zu. Die demografischen Veränderungen spiegeln sich in unseren Betrieben. Da liegt es auf der Hand, sich mit dieser Menschengruppe viel stärker zu beschäftigen.

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Ja, der Seniorenmarkt ist lukrativ, wenn auch hochsensibel. Senioren haben hohe Ansprüche, sind sehr ungeduldig, hören nicht immer ganz so gut, fordern, sind aber durchaus bereit, für eine gute Bauleis­tung das dafür nötige Geld zu zahlen. Und ganz nebenbei: Ich mag Senioren.

? Aktive kommentierende Senioren habe ich bis jetzt noch nicht erlebt. Aber wer weiß, was die Zukunft noch alles bringt. Fakt ist, dass meine Bemühungen (meine SEO-optimierten Einträge auf diese Keywords) ihre Früchte tragen.

Aktuell habe ich eine Anfrage für einen schlüsselfertigen Umbau eines Senioren-Ehepaars, die in die Pfalz zurückkehren. Die Kontaktanfrage des über 65-Jährigen Rentners erfolgte per Mail. Nach meiner Nachfrage, wie er auf uns gekommen sei, sagte er, dass er uns gegoogelt hätte. Ich denke, wir sollten die Senioren von heute nicht unterschätzen, was ihre Internetaktivitäten anbelangt. Natürlich wird es immer eine Gruppe von internetablehnenden Menschen geben, und die gibt es auch unter den 50-Jährigen.

Die Senioren von morgen sind meiner Meinung nach sehr aktiv und wissen das Internet als Suchquelle zu nutzen. Die digitalen Medien werden über kurz oder lang das Rennen machen – die guten alten Telefonbücher um ihr Überleben kämpfen.

Ich bin nicht davon überzeugt, dass die Online-Welt in allem das Rennen macht. Dazu „menschelt“ es bei uns viel zu sehr. Nein, ich bin davon überzeugt, dass wir uns auf einen Online-Offline-Mix einstellen sollten. Online dann, wenn es um reine Informationsabfrage geht, und Offline oder besser der persönliche Dialog, wenn das Gespräch, der Austausch wichtig und zielführender ist. So wie das beim Bauen und Sanieren nach wie vor der Fall ist.

Nein, meine Strategie ist es, die Kunden dort abzuholen, wo sie sich bewegen. Und da werde ich in diesem Jahr noch eine Menge tun. Das ist noch in Vorbereitung und bleibt erstmal noch geheim.

Insbesondere Senioren erwarten mehr als nur Standard bzw. mehr als das Selbstverständliche. Sie erwarten einen guten Umgangston und Hilfestellungen, wenn sie an einer bestimmten Stelle nicht weiterkommen. Dies können wir mit unserer Menscheneinstellung sehr gut erfüllen. Auch unsere Mitarbeiter ticken nach diesem Muster. Und so gehen wir auf unsere Senioren als „Baukümmerer“ zu. Zumeist schätzen sie unsere Bemühungen. Was mir bei den Senioren besonders gut gefällt: Sie sind dankbar und zeigen diese Wertschätzung, wenn ihnen im Vorfeld die entsprechende Wertschätzung entgegengebracht wurde.

Eine konsequente senioren- bzw. kundenorientierte Einstellung. Die ist die Basis und gilt übergreifend, nicht nur für die Baubranche. Wer nicht gerne den „Kümmerling“ spielt, der sollte die Finger von dieser Zielgruppe lassen. Senioren möchten im Mittelpunkt stehen und verwöhnt werden.

W Aufgrund der demographischen Entwicklung, die jeder von uns kennt, zeigt der Daumen nach oben. Ähnlich den Facebook-Likes, werden in diesem Segment Empfehlungen ausschlaggebend sein. Wer viele Fans generiert, wird sich über Empfehlungen vor Arbeit kaum retten können.

Natürlich nicht, vielmehr ist eine sehr individuelle Ansprache vonnöten. Sie brauchen die Zeit, sich mit Ihren Kunden auseinander zu setzen. Und eines kann ich Ihnen versichern: Senioren fordern Ihre Zeit und Nerven. Darauf müssen Sie gefasst sein. Wer nur oberflächlich seine Aufträge abwickelt, wird mit dem 50plus-Kundensegment keine Freude haben. Wer es aber liebt, Menschen glücklich zu machen, der wird in diesem Segment gut aufgehoben sein.

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