Tief- und Tunnelbau
1.300 Meter Berg über dem Kopf: Vor Ort im Brenner Basistunnel
Rund 150 Jahre nach der Eröffnung der Brenner Eisenbahnstrecke 1867 entsteht eine neue unterirdische Bahnstrecke unter dem Brennerpass. Sie wird nach der geplanten Inbetriebnahme 2027 die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt sein. Die fischer Werke luden Anfang Mai im Rahmen eines Kundenevents zur Besichtigung des spektakulären Tunnelprojekts ein.
Wer privat über den Brennerpass fährt, hat sehr wahrscheinlich das Urlaubsziel Italien vor Augen. Bei Lkw-Fahrern löst die Route wegen der großen Staugefahr eher Stress aus. Seit jeher ist die Strecke über den Brennerpass eine wichtige Handelsroute zwischen der Nordsee und den mediterranen Ländern.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Handelsgüter noch mit Pferdekutschen über die Alpen transportiert. Das Gütervolumen betrug damals 60.000 Tonnen pro Jahr, heute geht es in die Millionen. 2008 erreichte das Güteraufkommen am Brenner die 50-Millionen-Tonnen-Marke. 1860 bis 1867 wurde die erste Brenner Eisenbahnstrecke errichtet. Heute – mehr als 150 Jahre später – wird ein neuer Verbindungsweg durch die Alpen gebaut. Unter dem Brennerpass entsteht die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt – ein Megaprojekt mit einer angesetzten Bauzeit von 20 Jahren. Baubeginn war 2007, 2027 soll der Tunnel – wenn alles planmäßig läuft – in Betrieb genommen werden.
Von der Straße auf die Schiene
Heute erfolgen noch zwei Drittel der Gütertransporte über den Brennerpass auf der Straße. Mit der Fertigstellung des Brenner Basistunnels sollen mehr Güter auf die Schiene verlagert werden.
Nach seiner Fertigstellung führt der Brenner Basistunnel auf einer Strecke von 64 km von Innsbruck zur Franzensfeste und ist damit ein Teil der neuen Bahnstrecke von München nach Verona. Vom Nordportal Innsbruck bis zum Südportal Franzensfeste wird der Tunnel 55 km lang sein. Das gesamte geplante Tunnelsystem, das gerade entsteht, wird etwa 230 km lang sein. Laut David Marini von der BBT SE, der im Baulos „Mauls 2-3“ die Fachbereiche Konstruktiver Ingenieurbau, Field Engineering und Geotechnik verantwortet, sind Stand heute 80 km der geplanten Strecke ausgebrochen. Für 2018 sind weitere 20 km geplant. Dabei werden vier Röhren den Fluss Eisack unterqueren.
Hochleistungsstrecke durch das Brennermassiv
Kernstück des Jahrhundertbauwerks sind zwei Haupttunnelröhren mit je 8,1 m Durchmesser, die im Abstand von 70 m nebeneinander laufen. Sie werden jeweils eingleisig für Einbahnverkehr ausgestattet. In Abständen von 333 m verbinden Querschläge die beiden Haupttunnelröhren, die als Fluchtwege genutzt werden können. Zur Geländeoberfläche führen vier seitliche Zufahrtstunnel.
Finanziert wird das Projekt gemeinsam von Österreich und Italien. Die EU kofinanziert das Projekt zu 40 bis 50 %. Die BBT SE, eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht, wurde eigens für den Bau des Brenner Basistunnels gegründet und mit der Planung und Projektierung betraut. Die Kosten des Projekts werden auf etwa 8,8 Milliarden Euro geschätzt.
6,7 ‰ Steigung statt 27 ‰
Die 1867 fertiggestellte Brennerbahnstrecke verlief mit einer Steigung von 27 ‰. Der neue Tunnel führt nahezu flach, steigt auf österreichischer Seite mit 6,7 ‰ an, auf italienischer Seite mit 4 ‰ ab. Dadurch können den Tunnel auch längere und schwere Güterzüge befahren. Die Fahrtzeit für den Güterverkehr soll sich auf 35 Minuten reduzieren.











