DED-Arc-Prozess für Bohrgestänge:
Additive Aufarbeitung zur Lebensdauerverlängerung
Das HDD-Verfahren (Horizontalspülbohren) ermöglicht die unterirdische Verlegung unterschiedlichster Leitungen ohne Grabenaushub. Die Bohrgestänge werden dabei mechanisch stark beansprucht, wobei der abrasive Verschleiß nur lokal auftritt. Wird ein Mindestmaß in diesen Bereichen unterschritten, müssen die Bohrgestänge mit hohem finanziellem Aufwand neu angeschafft werden. Die H & E Bohrtechnik GmbH hat gemeinsam mit dem Fachgebiet Fertigungstechnik der TU Ilmenau ein Verfahren entwickelt, um die verschlissenen Bereiche aufzufüllen. Eingesetzt wird dabei das DED-Arc-Verfahren, ein lichtbogenbasierter, additiver Prozess unter Einsatz eines Schweißroboters. Durch die Auswahl eines geeigneten Zusatzwerkstoffes kann so nicht nur ein Wiederherstellen der Grundkontur erzielt werden, sondern zusätzlich eine Erhöhung der Verschleißbeständigkeit in den kritischen Bereichen im Vergleich zum Ausgangswerkstoff, wie die nachfolgend beschriebenen Ergebnisse zeigen.
In dem öffentlich geförderten Forschungsvorhaben „AddBohr“ wurden zunächst im Labor an verschlissenen Bohrgestängeabschnitten von 60 cm Länge Versuche durchgeführt, um geeignete Prozesseinstellungen einzugrenzen. Parallel dazu erweiterte die H & E Bohrtechnik GmbH ihre Infrastruktur um einen Hallenanbau, in dem der neu beschaffte Schweißroboter und das Handlingsystem für die bis zu 3 m langen Bohrgestänge untergebracht sind. Der Aufbau der Aufarbeitungsstation ist in Abbildung 1 zu sehen.
Die Versuche im Labor dienten im ersten Schritt der Identifikation eines geeigneten Zusatzwerkstoffes. Die angestrebten Eigenschaften waren neben einer fehlerfreien Anbindung an den Grundwerkstoff eine Erhöhung der Verschleißfestigkeit im Vergleich zum Ausgangsmaterial. Zur Analyse dieser Eigenschaften wurden Schliffbilder angefertigt sowie Verschleißprüfungen in Anlehnung an die Norm DIN EN ISO 28080 durchgeführt. Die Verschleißprüfungen simulieren den abrasiven Verschleiß, welcher bei den Bohrvorgängen zwischen Gestänge und Erdreich auftritt, mit Hilfe eines Reibrades, das einen Reibweg von 1000 m zurücklegt. Eine aufgeschweißte Probe wird währenddessen mit einer definierten Kraft von 200 N gegen das Reibrad gedrückt, wobei zusätzlich als Reibmittel Normalkorund eingesetzt wird Abbildung 2 (links) veranschaulicht die Ergebnisse von Verschleiß- und Härteprüfungen.
Während ein grundwerkstoffähnlicher Zusatzwerkstoff aus CrMo1 eine weichere Oberfläche und damit auch einen höheren Volumenverlust infolge der Verschleißprüfung als der Grundwerkstoff aufweist, ist die Verschleißfestigkeit beim Hartauftrag durch eine Volumendifferenz, die in etwa noch 20 % des Grundwerkstoffs beträgt bei signifikant höherer Härte um die 700 HV10 (Vergleich Grundwerkstoff: ~ 320 HV10) deutlich gestiegen. Die hohe Verschleißfestigkeit des Hartstoffs ist dabei im martensitischen Gefüge sowie in der Bildung von Chromkarbiden begründet. Weiterhin fällt auf, dass die Standardabweichungen und damit die Streuungen der Ergebnisse durch den Einsatz des Hartauftrags deutlich verringert werden können.
Entscheidend war neben der Wahl zielführender Schweißparameter (wie Schweißgeschwindigkeit, -kennlinie und Drahtvorschubgeschwindigkeit), die Schweißstrategie und vor allem auch die Kühlstrategie. Um möglichst kurze Fertigungszeiten zu realisieren, wurde ein kontinuierlicher Auftrag mit einem Raupenüberlapp von 33 % favorisiert, sodass Nebenzeiten durch Abkühlpausen vermieden werden. Um dennoch ein Abtropfen der Schmelze durch einen zu hohen Wärmeeintrag zu vermeiden und die für den Zusatzwerkstoff geeigneten Zwischenlagentemperaturen einzustellen, wurden verschiedene Kühlstrategien basierend auf Druckluft untersucht. Als zielführend erwies sich eine Kühlung des Rohres von innen. Auf diese Weise konnte eine ununterbrochene Schutzgasabdeckung gewährleistet und somit eine möglichst gleichmäßige Oberfläche erzielt werden. Zur Bestimmung der Endkonturnähe wurde optische 3D-Messtechnik eingesetzt, mit deren Hilfe Abweichungen von der Sollgeometrie sichtbar gemacht werden können (siehe Abbildung 2, rechts). Für die Bohrgestänge wurde ein Zylinder mit einem Durchmesser von 82 mm (entspricht dem Neuzustand) als Zielgeometrie definiert, wobei Abweichungen von bis zu ± 1 mm durch den Raupenauftrag toleriert werden.
Im letzten Schritt erfolgte die Übertragung der Ergebnisse aus dem Labor der Fertigungstechnik der TU Ilmenau auf die Anlage vor Ort bei der H & E Bohrtechnik GmbH. Während die Schweißparameter aufgrund vergleichbarer Anlagentechnik übernommen werden konnten, war bedingt in den größeren Abmessungen eine veränderte Wärmeableitung zu erwarten. Nach Anpassung des Volumenstroms der inneren Luftkühlung konnte die Endkonturnähe ebenso wie im Labor mit minimalen Abweichungen erreicht werden.
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse des Forschungsprojektes „AddBohr“, dass lokal verschlissene Bohrgestänge durch additive Aufarbeitung nicht nur in einen mit neuwertigen Gestängen vergleichbaren Zustand versetzt werden können, sondern dass auf diese Weise zusätzlich eine verschleißfestere Oberfläche generierbar ist. Es ist dementsprechend zu erwarten, dass aufgearbeitete Gestänge in der praktischen Nutzung eine verlängerte Lebensdauer zeigen. Zukünftig plant die H & E Bohrtechnik GmbH weitere Optimierungsschritte im Hinblick auf Prozess und Logistik, sodass langfristig die Erweiterung des bestehenden Dienstleistungsportfolios um die Aufarbeitung von externen Bohrgestängen geplant ist.
Gefördert wird das Forschungsprojekt im Programm „KMU-innovativ“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter den Förderkennzeichen 02P19K580 / 02P19K581.















