Nutzfahrzeuge: Mercedes eSprinter
Sauber macht lustig
Ein neues Antriebskonzept und eine ganz andere Performance – der Mercedes eSprinter ist wieder da. Unsere Testfahrt zeigt die Stärken und Schwächen des Flaggschiffs aus Stuttgart.
Der neue E-Sprinter ist jetzt auch in mehreren Längen, mit Anhängerkupplung und als Fahrgestell erhältlich
© Mercedes-Benz und Randolf UnruhOben ist der Himmel sorgfältig poliert, unten der neue eSprinter ebenfalls – hier geht es also um Premium-Transporter, wie die Marke gerne betont. Dazu zählt seit vielen Jahren ohne Zweifel der Sprinter als Aushängeschild. Nicht unbedingt jedoch der bisherige eSprinter mit Einheitskarosse, wenig Mumm und sehr knapper Batterie. Sauber war bisher nicht wirklich lustig, jedenfalls nicht für die Ansprüche im Handwerk. Doch nun wird mit der neuen Generation des Top-Stromers aus Stuttgart alles anders.
Vortrieb mit Verstand
Druck auf den Startknopf, die blauen Nadeln der Instrumente schnellen kurz bis zum Anschlag. Klassische Armaturen verzichten auf digitale Spielereien – kein Manko, im Gegenteil. Die Speichen des Pkw-Lenkrads sind gut gefüllt mit mehr als einem Dutzend Tasten, das will gelernt sein. Funktioniert aber besser als beim bisherigen Bedien-Wirrwarr. Den schlanken D-N-R-Lenkstockhebel in Position gerückt, der Transporter ist bereit zum Ablegen. Als Sprinter im Wortsinn entpuppt er sich dabei allerdings nicht: Zwar nimmt er im agilsten Fahrprogramm „Comfort“ dynamisch Fahrt auf, aber stets überlegt. Das betrifft beide Motorvarianten mit 100 kW und 150 kW. Die stärkere Ausführung ist ein Fall für hohe Lasten, schwere Strecken, Anhängerbetrieb. Ansonsten genügt die Basismotorisierung vollauf, das Drehmoment von 400 Nm ist identisch.
Sicher in der Spur
Hier ist ein Kastenwagen als 3,5-Tonner unterwegs. Es gibt den eSprinter in mehreren, wenn auch nicht allen Längen, dazu als Fahrgestell für Pritschen, Kipper, und Koffer. Und mit Anhängerkupplung. Dass der E-Transporter mit Stern leise fährt, ist keine Überraschung. Eher die gepflegte Fortbewegung im Vergleich zum Wettbewerb. Mit einem Batteriepaket unter dem Boden und einer Ballastkiste obendrauf wiegt er sich flauschig in den Federn. Das zurückhaltende Temperament verleitet nicht zur Raserei. Die starre Hinterachse, veredelt als De-Dion-Ausführung mit GfK-Federn, hält den Transporter sicher in der Spur. Der Fahrersitz hüllt den Wagenlenker fast samtig in Wohlbefinden ein. Die Klimatisierung mit Wärmepumpe sowie heizbarem Lenkrad und temperiertem Sitz spart Strom und vermittelt Behaglichkeit. So stellt sich das typische Mercedes-Gefühl der ruhigen Insel im hektischen Verkehr ein.
Ein Blick auf die Kosten
Der kleinste und einfachste eSprinter als Kastenwagen ist laut Konfigurator für netto 39 993 Euro im Angebot, das ist ein Wort. Mit 100 kW Motorleistung, 56-kWh-Batterie, einer Normreichweite von 224 km und einer knappen Tonne Nutzlast in der Serienausstattung. Die nächstgrößere Batterie mit 81 kWh bringt rund 100 km mehr Reichweite, kostet aber gut 8000 Euro Aufpreis und knapp 200 kg Nutzlast. Der Schritt zur stärkeren Maschine bedeutet 1000 Euro zusätzlich. Wer die dickste Batterie von 113 kWh ordert, muss aus Gewichtsgründen zum 4,25-Tonner greifen und aus Platzgründen beim Kastenwagen zum Sprinter in der langen Version mit Hochdach. Macht dann 62 388 Euro. Das will gut überlegt sein, auch angesichts der zwangsläufigen Kombination mit Tempobegrenzung, allgemeinem Lkw-Überholverbot und Fahrtenschreiber.









