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Artikel und Hintergründe zum Thema

Konjunkturausblick 2026

Kai Ingmar Link,

Green Code: "Positive Entwicklungsperspektiven"

Die Bauwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Nach Jahren geprägt von Kostensteigerungen, Auftragsrückgängen und politischer Unsicherheit richtet sich der Blick nun auf 2026.

Bernhard Leitner, Managing Director Green Code: "Für die Green Code GmbH sehen wir vor diesem Hintergrund trotz eines insgesamt herausfordernden Marktumfelds positive Entwicklungsperspektiven" © Pelemedia (Symbolbild)

Zwischen anhaltender Krise und vorsichtiger Zuversicht stellt sich für viele Unternehmen dieselbe Frage: Bleibt der Druck hoch – oder beginnt eine Phase der Stabilisierung?

Im Interview sprechen wir darüber, wie die Branche das Jahr 2026 einschätzt, welche wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen entscheidend werden und wo trotz aller Herausforderungen neue Perspektiven entstehen. Es geht um Zahlen und Trends – aber auch um Stimmungen, Erwartungen und konkrete Handlungsoptionen für die Praxis

Baugewerbe Magazin: Wie blicken Sie auf das kommende Geschäftsjahr: Welche Entwicklungen erwarten Sie für Ihr Unternehmen und für die Baubranche insgesamt?

Bernhard Leitner, Managing Director Green Code: Das kommende Geschäftsjahr wird für die Baubranche in Deutschland weiterhin von einer angespannten Ausgangslage geprägt sein. Hohe Baukosten, zurückhaltende Investitionen – insbesondere im Wohnungsneubau. Gleichzeitig verstärken strukturelle Probleme wie der zunehmende Mangel an qualifizierten Fachkräften den Druck auf klassische Bauprozesse erheblich. Gerade dieser Fachkräftemangel wird aus unserer Sicht ein zentraler Treiber für einen grundlegenden Wandel der Bauweise sein. Automatisierte und industrialisierte Vorfertigung im Werk bietet hier einen entscheidenden Vorteil: Sie reduziert die Abhängigkeit von schwer verfügbaren Fachkräften auf der Baustelle und verlagert komplexe, qualitätsrelevante Arbeitsschritte in kontrollierte Produktionsumgebungen. Fü r Auftraggeber bedeutet dies eine höhere Kalkulationssicherheit und für die Branche insgesamt einen wichtigen Schritt hin zu ef izienteren Bauprozessen.

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Für die Green Code GmbH sehen wir vor diesem Hintergrund trotz eines insgesamt herausfordernden Marktumfelds positive Entwicklungsperspektiven. Der Bedarf an wirtschaftlichen und planungssicheren Baulösungen steigt spürbar. Betonfertigteile, intelligent geplant und materialoptimiert eingesetzt, bieten hier klare Vorteile in Bezug auf Bauzeit, Qualitätssicherung und Ressourcenef izienz. Wir erwarten daher, dass sich der Markt im kommenden Jahr weiter in Richtung systematisierter und vorgefertigter Bauweisen bewegt. Mit Blick nach vorne sehen wir ab Ende 2026 eine leichte Markterholung, da der Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur unverändert hoch ist – es wird jedoch noch Zeit benötigen, bis Vertrauen, Investitionsbereitschaft und Prozesse wieder vollständig ins Laufen kommen.

BGW: Welche größten Herausforderungen erwarten Sie im kommenden Jahr für Ihr Unternehmen?

Leitner: Eine der größten Herausforderungen bleibt die allgemeine Investitionszurückhaltung. Viele Projekte werden verschoben oder neu bewertet, was zu längeren Entscheidungsprozessen und höherem Wettbewerbsdruck führt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Nachweisführung kontinuierlich. So etwa im Hinblick auf CO₂-Bilanzen, ESG-Kriterien oder Förderfähigkeit. Eine besondere Herausforderung sehen wir zudem im nach wie vor bestehenden Vorurteil gegenüber dem Baustoff Beton. Beton wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig pauschal als nicht nachhaltig eingeordnet, ohne zwischen konventionellen Bauweisen und modernen, innovativen und ressourcenoptimierten Fertigteilsystemen zu differenzieren. Dabei wird oft ü übersehen, dass Betonfertigteile durch präzise industrielle Herstellung, hohe Dauerhaftigkeit, geringe Fehlerquoten auf der Baustelle und ihre Eignung für das zirkuläre Bauen einen wesentlichen Beitrag zur Ressourceneffizienz leisten können und die Lebensdauer der Gewerke eindeutig erhöhen.

BGW: Welche Erwartungen haben Sie an Politik, Auftraggeber und die Branche insgesamt für das kommende Jahr?

Leitner: Angesichts der sich weiter verschärfenden Wohnungsbaukrise erwarten wir von der Politik dringend ein Umdenken. Es braucht vor allem verlässliche, langfristig planbare Rahmenbedingungen sowie einen konsequenten Abbau überbordender Bürokratie. Derzeit stellen komplexe Genehmigungsverfahren, umfangreiche Nachweispflichten und eine Vielzahl teils redundanter Regelungen ein erhebliches Hemmnis für Bauprojekte dar. Besonders problematisch ist dabei die fehlende Harmonisierung aufgrund verschiedener Normen und Vorschriften. Daher erwarten wir klare, homogene und verlässliche Vorgaben, die bundesweit sowie auf regionaler und kommunaler Ebene möglichst einheitlich angewendet werden. Eine weitere Anforderung umfasst, dass das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht werden sollte, inklusive Bauzeit, Nutzungsdauer, Rückbau- und Recyclingfähigkeit. An Auftraggeber appellieren wir, Offenheit gegenüber neuen, systemischen Lösungen zu zeigen und nicht ausschließlich auf vermeintlich bekannte Bauweisen zu setzen. Gerade in Zeiten hoher Kosten und knapper Ressourcen sind industrielle und serielle Baukonzepte ein zentraler Hebel, um Bauprojekte wirtschaftlich und zugleich nachhaltig umzusetzen. Von der Branche insgesamt wünschen wir uns mehr Zusammenarbeit, mehr Mut zur Vereinfachung und eine stärkere Konzentration auf das Wesentliche. Nur wenn Komplexität dort reduziert wird, wo sie keinen Mehrwert schafft, kann die Baubranche den aktuellen Herausforderungen wirkungsvoll begegnen

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