Baugewerbe EXKLUSIV
Im digitalen Bewerbermarkt - Teil III
Teil 3: Nachdem wir in den ersten beiden Beiträgen der Reihe "Im digitalen Bewerbermarkt" einen Blick auf die möglichen Zielgruppen und die Auswahl der Kommunikationskanäle geworfen haben, schauen wir uns nun mit Eva Lomme vom Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk an, wie Sie Ihr Team einbinden können, um Stellen effektiv zu bewerben und gehen darauf ein, was Sie im Hinblick auf den Datenschutz beachten müssen.
Angefangen mit den Stellenanzeigen sollte hier ein Umdenken stattfinden. Häufig finden sich dort leere Worthülsen wie zum Beispiel "tolles Team", "leistungsgerechte Bezahlung" oder "moderne Ausstattung". Vermeiden Sie solche unspezifischen Floskeln. Erzählen Sie lieber eine Geschichte, indem Sie beschreiben: Was zeichnet Sie als Team aus? Stellen Sie die leistungsgerechte Bezahlung transparent dar. Zeigen Sie, wie Ihr Team mit digitalen Werkzeugen arbeitet oder welche innovativen Methoden zum Einsatz kommen.
Heben Sie sich ab, indem Sie konkret darlegen, was der Mehrwert einer Anstellung in Ihrem Betrieb ist. Was macht Sie einzigartig? Wieso arbeiten Ihre Mitarbeitenden gerne bei Ihnen? Und dies ist genau der Moment, in dem Sie Ihre Mitarbeitenden einbinden können. Erarbeiten Sie gemeinsam, welche Fähigkeiten der neue Mitarbeitende mitbringen sollte. Schreiben Sie so gemeinsam Ihre Geschichte und fördern Sie gleichzeitig auch noch den Teamgeist.
Ihr Team könnte auch Markenbotschafter für Ihren Betrieb sein. Mitarbeitende, die gerne bei Ihnen arbeiten, werden auch in ihrem Umfeld positiv von ihrem Job berichten. Fördern können Sie dies durch Aktionen wie "Mitarbeitende werben Mitarbeitende". Schaffen Sie einen Anreiz bzw. honorieren Sie eine erfolgreiche Vermittlung. Im Hinblick auf die digitale Kommunikation in den sozialen Netzwerken könnten Sie Ihre Mitarbeitenden bei der Erstellung von Content einspannen. Sie könnten zum Beispiel ein Recruiting-Video erstellen, wie:
- Hanauer Metall
- Leonhard Paul
- Gerber Bau
- Zimmerei Nordmann
Eine Alternative zu Recruiting-Videos können Interviews der Mitarbeitenden sein. Stimmen aus dem Team schaffen einen authentischen Einblick. Positiv ist, dass die Mitarbeitenden zu Wort kommen und nicht der bzw. die GeschäftsführerIn im Mittelpunkt steht. Ein schönes Beispiel ist hier die Karriereseite von "Ihr Maler Ulm". Einen positiven Eindruck hinterlassen auch Einblicke in Ihre tägliche Arbeit, also einen Blick hinter die "Kulissen".
Die Mitarbeitergewinnung über die digitalen Kanäle bietet ein großes Potenzial. Betriebe können sich von anderen abheben und sich ins Gedächtnis rufen. Damit lassen sich besonders die Personen gut ansprechen, die gar nicht unbedingt auf Stellensuche sind. Wenn Sie es schaffen, sich auf den Kanälen authentisch darzustellen und regelmäßige Inhalte kommunizieren, können Sie mit überschaubarem Budget und Zeitaufwand schnell ihre Reichweite steigern und erreichen somit immer mehr potenzielle Mitarbeitende. Die einfache Regel lautet hier: Einfach machen! Sie werden mit der Zeit Erfahrungen sammeln, was gut funktioniert und können das direkte Feedback Ihrer Follower aus den Online-Kanälen und den integrierten Datenauswertungen bei beispielsweise Instagram sehr gut nutzen, um sich weiter zu verbessern.
Immer dann, wenn Sie öffentlich Inhalte, Videos oder Bilder auf digitalen Kanälen kommunizieren, müssen Sie ein wichtiges Thema mitdenken: den Datenschutz. Sichern Sie sich ab, wenn Sie Bilder von Ihren Mitarbeitenden oder von der Baustelle Ihrer Kundschaft veröffentlichen, indem Sie sich das schriftliche Einverständnis für deren Verwendung einholen. Beispielsweise könnte dies ein Anhang zum Arbeitsvertrag sein. Im Hinblick auf Ihre Kundschaft sollten Sie sich Bilder von den Baustellen freigeben lassen. Dokumentieren Sie die Nutzungsrechte von Bildern und Videos und prüfen Sie in regelmäßigen Abständen, ob die Nutzungsrechte noch vorliegen. Akzeptieren Sie aber auch, wenn einige Mitarbeitende nicht auf den Online-Kanälen zu sehen sein möchten.
Ist der oder die Bewerbende interessiert, folgt der nächste Schritt: die Bewerbung. Überlegen Sie, wie sich die Bewerbung für die KandidatInnen so komfortabel wie möglich gestalten lässt. Eine schnelle Bewerbung ohne viel Aufwand und mit wenigen Klicks ist nicht nur für die Generation Z interessant. Die Auswahl an qualifizierten Arbeitskräften im Handwerk ist überschaubar und viele sind nicht unbedingt auf der Suche nach einer neuen Stelle. Die Bewerbung sollte also so einfach wie möglich sein und wenig Zeit in Anspruch nehmen. Haben Sie schonmal etwas von der 60-Sekunden-Bewerbung gehört? Ein Lebenslauf und Anschreiben ist hierbei nicht mehr erforderlich. Lediglich einige Kernfragen werden abgefragt. Überlegen Sie genau, welche zentralen Fragen für Sie als Filter wichtig wären, um zu entscheiden, ob sich überhaupt ein erstes Gespräch lohnt. Welche Berufsausbildung liegt vor?
Wie ist die Gehaltsvorstellung oder das früheste Eintrittsdatum? Dadurch reduziert sich nicht nur Ihr Aufwand, sondern auch die Hürde für die Bewerbenden verringert sich enorm. Mit einigen wenigen zentralen Fragen erhalten Sie einen ersten Eindruck und können entscheiden, ob eine Einladung zum Vorstellungsgespräch sinnvoll wäre. Alle weiteren Fragen können Sie dann viel besser im persönlichen Gespräch klären. Nicht vergessen: Fragen Sie die Kontaktdaten komplett ab.
Wir wünschen Ihnen viele erfolgreiche Bewerbungsgespräche und engagierte Mitarbeitende, mit denen Sie Ihr Handwerk voranbringen.
Dieser Gastbeitrag erschien zuerst in Ausgabe 09_2024.












