BAU 2025

Kai Ingmar Link,

Fraunhofer-Institut entwickelt biobasierte klimaneutrale Baustoffe

Das Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP in Dresden erforscht neue Wege zur Entwicklung von biobasierten klimaneutralen Baustoffen. Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die Nutzung phototropher Mikroorganismen zur Gewinnung biogener Materialien. Das Ziel ist, innovative Verfahren zur Reduktion von CO₂-Emissionen im Bausektor voranzutreiben und nachhaltige Alternativen zu fossilen Baustoffen bereitzustellen.

Photobioreaktor des Fraunhofer FEP zur Kultivierung phototropher Mikroorganismen im Labormaßstab unter definierten Licht-, Temperatur-und Gasbedingungen © Fraunhofer-Institut

Elektronenstrahltechnik zur Unterstützung der Bioproduktion

Das Fraunhofer FEP setzt auf elektronenstrahlunterstützte Verfahren zur Optimierung der biogenen Kalksynthese. Dabei werden phototrophe Mikroorganismen eingesetzt, die durch Photosynthese CO₂ aus der Atmosphäre binden und in Kalkstein umwandeln. Dieser Prozess, der in der Natur seit Milliarden von Jahren existiert, wird in der Forschung angepasst, um ihn für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen.

Dr. Ulla König, Projektleiterin der Gruppe Biokompatible Materialien am Fraunhofer FEP, betont:
„Die Optimierung und Skalierbarkeit der biogenen Kalksteinsynthese auf Basis des mikrobiellen Biomineralisationsprozesses spielt eine wesentliche Rolle für zukünftige großtechnische Anwendungen. Deshalb haben wir am Fraunhofer FEP die Optimierung der Biomineralisation phototropher Mikroorganismen mit einem neuartigen Lösungsansatz kombiniert. Dabei nutzen wir das biostimulative Potenzial der Elektronenstrahltechnologie.“

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Aus der Forschung in die Praxis: Anwendungen für die Bauindustrie

Die entwickelten Verfahren zielen darauf ab, den CO₂-Fußabdruck der Bauwirtschaft zu reduzieren. Im Fokus stehen emissionsarme Baustoffe, die CO₂ langfristig binden und einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten können. Ein wichtiger Meilenstein ist die biogene Kalksteinproduktion, die fossile Rohstoffe wie Kalkstein sukzessive ersetzen soll. Mit Hilfe der Elektronenstrahltechnologie kann die Produktivität des Biomineralisierungsprozesses gesteigert werden. Die niederenergetischen, nichtthermischen Elektronen wirken biostimulierend auf die Stoffwechselvorgänge der Mikroorganismen und erhöhen so die Effizienz der biogenen Kalksynthese.

Perspektiven für zirkuläres und klimaneutrales Bauen

Die Entwicklung biobasierter Baustoffe steht in direktem Zusammenhang mit den Klimazielen Deutschlands, bis 2045 klimaneutral zu werden. Der Bausektor als einer der weltweit größten CO₂-Emittenten benötigt neue Materialien und Herstellungsverfahren, um diese Ziele zu erreichen. Das Fraunhofer FEP arbeitet daran, zirkuläre Prozesse zu entwickeln, die auch das Recycling von Abfall- und Reststoffen integrieren.

Präsentation auf der BAU 2025

Das Fraunhofer FEP präsentiert seine Ergebnisse und zukünftige Forschungsansätze auf der Messe BAU 2025 in München. Vom 13. bis 17. Januar 2025 können sich Besucherinnen und Besucher am Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Allianz BAU (Halle C2, Stand 528) über die neuesten Entwicklungen informieren und mit den Forschenden über gemeinsame Projekte diskutieren.

Innovative Ansätze in der Baustoffforschung

REAMODE – Versuchsanlage zur Modifizierung von organischen Materialien mit beschleunigten Elektronen © Fraunhofer

Die Forschung zu biobasierten klimaneutralen Baustoffen zeigt, wie innovative Ansätze das Bauen nachhaltiger gestalten können. Mit der Kombination von Elektronenstrahltechnologie und biogenen Verfahren leistet das Fraunhofer-Institut einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung und zur Entwicklung ressourcenschonender Materialien.

Beispiele biobasierter Baustoffe

Cyanobakterien: Forschende des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) und des Fraunhofer FEP entwickelten ein Verfahren, bei dem Cyanobakterien durch Fotosynthese Kalkstein bilden und gesteinsartige Strukturen formen. Dieser Prozess bindet CO₂ und integriert es in das Material.
Bio-Beton: Alternativ zu herkömmlichem Beton können biogene Materialien wie Bakterien und Pflanzenkohle eingesetzt werden. Diese Ansätze reduzieren die CO₂-Emissionen und bieten nachhaltige Alternativen.

Zukunftsperspektiven

Die Entwicklung biobasierter Baustoffe ist ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren Bauwirtschaft. Durch die Integration von biogenen Verfahren und der Nutzung von Elektronenstrahltechnologie können CO₂-Emissionen reduziert und ressourcenschonende Materialien bereitgestellt werden. Diese Innovationen tragen dazu bei, die Klimaziele zu erreichen und die Umweltbelastungen des Bausektors zu minimieren.

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