mikado-Interview

Jessica Stütz,

„Der Wald verändert sich europaweit“

mikado: Herr Pratsch: Spätestens seit Anfang Oktober, als die Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur veröffentlicht wurden, mehren sich die negativen Meldungen über den Deutschen Wald und den Holzbau. Können Sie das nachvollziehen?

Stefan Pratsch ist Ministerialrat beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus © Privat

Stefan Pratsch: Diese Meldungen kamen nicht aus unserem Haus. Ja leider ist da inhaltlich Manches falsch transportiert worden: Wir haben zwar klimabedingte Schäden im Wald - Bayerns Wälder werden gleichzeitig aber immer vielfältiger, naturnäher und reicher an Laubbäumen und Totholz. Und das ist sehr erfreulich! Die BWI bestätigt eindrucksvoll, dass sich Schützen und Nutzen hervorragend in Einklang bringen lassen. Und deshalb sind Forderungen nach großflächiger Stilllegung und Erschwernisse in der Waldbewirtschaftung, wie sie auf EU- und Bundesebene immer wieder kommen, schlichtweg fatal. Wer die naturnahe Forstwirtschaft ausbremst, erweist Walderhalt, Klimaschutz und Wirtschaftskraft einen Bärendienst.

Mit welchen Daten wird eigentlich eine solche Bundeswaldinventur durchgeführt?

Für die vierte Bundeswaldinventur (BWI 2022) hat die Bayerische Forstverwaltung in den Jahren 2021 und 2022 in einem Stichprobenverfahren rund 100 000 Bäume über ganz Bayern vermessen und Informationen zur Waldentwicklung erhoben. Mittlerweile können wir auf Zahlen seit 1987 zurückgreifen. Die BWI liefert alle zehn Jahre fundierte Daten zur Entwicklung und zum Zustand der Wälder in Deutschland und bietet die Grundlage für forst-, wirtschafts- und umweltpolitische Entscheidungen sowie für die forstliche Förderung und Beratung der Waldbesitzer.

Anzeige

Welche Faktoren haben dem Wald in den vergangenen Jahren am meisten zugesetzt?

Alle unsere Hauptbaumarten haben mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Trockenheit und Hitze sind das eine, Insektenschäden und Sturmereignisse das andere. Wir sehen, dass sich der Wald europaweit verändert. Die katastrophalen Schadensszenarien, wie wir sie aus manchen Teilen Deutschlands kennen, sind im Süden bislang ausgeblieben. So müssen wir uns aber für die Zukunft wappnen, zum einen um Schäden möglichst einzugrenzen und zum anderen um den Waldumbau voranzubringen, um unsere Wälder wieder resilienter zu machen.

Der Nadelholzanteil sinkt, der Laubholzanteil steigt. Was bedeutet das für die Holzbauer?

Derzeit ist genügend Nadelholz auf den Markt und das wird die nächsten Jahrzehnte noch anhalten, wenn wir weiterhin geordnete naturnahe Forstwirtschaft in unseren Wäldern betreiben können. Gleichzeitig fördert unser Haus auch jetzt schon Forschungsvorhaben, die auch die Eignung von Laubhölzern für den Holzbau stärker in den Fokus rücken sollen. Die Eigenschaften von Laubholz sind für den Holzbau hier und da noch eine Herausforderung, wenngleich es bereits vorbildliche Einsatzmöglichkeiten gibt. Ich bin mir aber sicher, dass auch in Zukunft hier zahlreiche innovative Lösungen gefunden werden.

Die Statistiken besagen, dass der Wald seit Kurzem eine „Kohlenstoff-Quelle“ statt einer Kohlenstoff-Senke ist. Was ist Ihre Meinung dazu?

Wir haben genug Holz in unseren Wäldern und wenn wir es mit dem Klimaschutz wirklich ernst nehmen, dann müssen wir es unbedingt verstärkt nutzen! Naturwälder und ungepflegte Wirtschaftswälder fallen irgendwann dem Sturm oder dem Käfer zum Opfer. Dann werden nicht nur die Senkenfunktion sondern auch die Speicherfunktion besonders geschwächt. Deshalb wäre es völlig falsch, wenn man die Waldbewirtschaftung negativ bewertet – ganz im Gegenteil.

Was können Zimmerer und Holzbauer tun, um den Rohstoff Holz effizienter zu nutzen?

Wichtig wäre, dass wir den sinnhaften Verbrauch steigern, um weniger fossile Energie einsetzen zu müssen. Nicht nur der Einsatz von Holz ist klimafreundlich, auch die Vermeidung von fossiler Energie hilft uns im Kampf gegen den Klimawandel. Es macht sicher Sinn, auch heute schon beim Holzbau daran zu denken, wie am Ende des Lebenszyklus die Wiederverwertung sichergestellt werden kann.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren