Fabric first
Sunstyle macht mehr Effizienz beim Bauen möglich
Der Gebäudesektor steht im Zentrum der Klimaziele und verlangt nach energieeffizienten Baukonzepten. Martin Ulmann, Marketing Manager beim Solardach-Anbieter SunStyle, erläutert, wie eine leistungsfähige Gebäudehülle den Übergang zu Netto-null-Gebäuden unterstützen können.
Rund 40 Prozent des europäischen Energieverbrauchs und etwa 36 Prozent der CO2-Emissionen entfallen auf Gebäude – sowohl in der Bau- als auch in der Nutzungsphase. Diese Kennzahlen verdeutlichen den Handlungsdruck auf Bauherren, Planer und ausführende Unternehmen, Nachhaltigkeit nicht nur über technische Anlagen, sondern über die gesamte Gebäudekonzeption hinweg zu adressieren.
Als anerkannter Referenzrahmen für energieeffizientes Bauen gilt der Passivhaus-Standard, der seit über drei Jahrzehnten vom unabhängigen Passivhaus Institut entwickelt und zertifiziert wird. Gebäude, die nach diesem Standard errichtet werden, erreichen im Vergleich zu modernen Niedrigenergiehäusern einen um bis zu 75 Prozent reduzierten Energiebedarf. Grundlage bilden fünf zentrale Prinzipien: hochwertige Fenster, eine kontrollierte Lüftung, eine durchgängige Wärmedämmung, hohe Luftdichtheit sowie ein wärmebrückenminimiertes Design.
"Fabric first"-Ansatz
Kennzeichnend ist der sogenannte "Fabric first"- Ansatz. Anstatt bauliche Defizite durch komplexe Technik auszugleichen, wird die Gebäudehülle so ausgelegt, dass sie stabile Innenraumbedingungen ermöglicht. Für Bauherren und Betreiber resultieren daraus langfristig niedrige Betriebskosten, eine hohe Betriebssicherheit sowie ein gleichbleibender Nutzerkomfort – auch unter zunehmend wechselnden klimatischen Bedingungen.
Um den Schritt von hoher Effizienz hin zur CO2-Neutralität zu vollziehen, gewinnt die Integration erneuerbarer Energiequellen am Gebäude an Bedeutung. Gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) erlaubt es, die Energieerzeugung funktional in die Gebäudehülle einzubinden. Insbesondere dachintegrierte Systeme ermöglichen eine flächige Nutzung ohne zusätzliche Aufbauten und lassen sich in unterschiedliche architektonische Konzepte integrieren.
Vollständige CO2-Neutralität
Ein Praxisbeispiel für ein CO2-neutrales Haus findet sich in einem gemischt genutzten Gebäude in Zweisimmen (Schweiz). Der Entwurf kombiniert wesentliche Passivhaus-Prinzipien wie optimierte Dämmung, reduzierte Wärmebrücken und Materialien mit hoher Wärmespeicherkapazität. Der geringe Heiz- und Kühlbedarf erlaubt den Einsatz einer kompakten Wärmepumpe, die primär der Warmwasserbereitung dient. Ergänzt wird das Konzept durch ein gebäudeintegriertes Solardach mit einer Jahresstromerzeugung von rund 12.000 kWh, das einen wesentlichen Teil des Energiebedarfs deckt.
Das Projekt verdeutlicht, dass CO2-neutrales Bauen auf dem Zusammenspiel aus effizienter Gebäudehülle, erneuerbarer Energieerzeugung und bewusster Materialwahl basiert. Für die Baupraxis eröffnet dieser Ansatz einen realistischen Weg, Emissionen im Gebäudesektor nachhaltig zu reduzieren, ohne Abstriche bei Funktionalität, Wirtschaftlichkeit oder architektonischer Qualität hinzunehmen.












