Mehrgeschossiger Holzbau
Barrierefreies Mehrfamilienhaus in Saarmund
Brandenburgs größtes Wohnbauprojekt in Holzbauweise soll seinen zukünftigen Mietern ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben im eigenen Zuhause bis ins hohe Alter sichern. Für den Bauherrn – die Berliner Gokom Immobiliengruppe, die für dieses Projekt eigens die „Daheim in Saarmund GmbH“ gründete – waren bei der Planung wie der Realisation des Projektes zwei Aspekte von zentraler Bedeutung: die gesellschaftliche wie ökologische Nachhaltigkeit. Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, wurde unter anderem die Gebäudehülle im Standard-Effizienzhaus- 40-Plus nach BEG in Holztafelbauweise umgesetzt. Das Bauvorhaben nimmt damit in Brandenburg eine echte Vorreiterrolle ein und hat eine Leuchtturmfunktion für zukünftige Projekte.
Brandschutzanforderungen der Gebäudeklasse 4
Da in Brandenburg bislang noch keine Holzbau-Standards wie etwa in den südlichen Bundesländern implementiert waren, musste hier teils im wahrsten Sinne des Wortes Pionierarbeit geleistet werden. „Für den Geschossbau wurde in Brandenburg erst 2022 die Holzbaurichtlinie eingeführt. Nahezu alle Decken- und Wandkonstruktionen mussten daher die K260-Brandschutz-Kapselungskriterien erfüllen. Das bedeutet, dass alle Holzbauteile den Flammen bei einem Gebäudebrand über einen Zeitraum von mindestens 60 Minuten standhalten müssen. Selbst während der direkten Feuereinwirkung darf die Bekleidung der Holzbauteile nicht zusammenbrechen und die Temperatur hinter der Brandschutzbekleidung darf im Mittel nicht über 250 Grad Celsius steigen.“
Um die strengen Anforderungen der K260-Kapselung zu erfüllen, entwickelte man gemeinsam mit den projektbeteiligten Unternehmen Isover und Rigips spezielle Wand- und Deckenkonstruktionen, die neben größtmöglicher Brandsicherheit „ganz nebenbei“ auch einen entscheidenden Beitrag zur hohen Energieeffizienz und Schallschutzqualität der Bauteile leisten. „Die Erreichung des Kapselkriteriums gemäß den Zertifizierungsvorgaben durch das ‚Materialprüfungsamt für das Bauwesen – Abteilung Holzbau – Überwachungs- und Zertifizierungsstelle Technische Universität München‘ ist grundsätzlich nur mit nichtbrennbaren Dämmstoffen der Euroklasse A1 mit einem Schmelzpunkt größer 1000 Grad Celsius möglich. Davon ausgehend bauen sich alle Außenwände von innen nach außen wie folgt auf: Die innenseitige Beplankung bildet eine Rigips RB Bauplatte, gefolgt von einer 50 mm breiten Installationsebene. Zwei Lagen 18 mm starke Rigips RF Feuerschutzplatten schützen dann das 200 mm Ständerwerk mit einer Gefachdämmung aus Isover Ultimate ZKF-031. Außenseitig erhält das gedämmte Ständerwerk dann erneut eine Beplankung mit 2 x 18 mm Rigips RF Feuerschutzplatten, diese wird dann abschließend noch einmal ergänzt um ein 120 mm starkes Wärmedämm-Verbundsystem“, erläutert Josef Niehues den Aufbau der Außenwände.
Nichtbrennbare Hochleistungs-Mineralwolle plus Feuerschutzplatten-Kapselung
Insbesondere durch die Kombination aus Rigips RF Feuerschutzplatten zur brandsicheren Bekleidung und der nichtbrennbaren Gefachdämmung aus der Hochleistungs-Mineralwolle Ulitmate (Nennwert der WLF = 0,031 W/(m²K), nichtbrennbar A1 Schmelzpunkt > 1000 Grad Celsius und AFr > 25kPa) ergeben sich in jeder Hinsicht leistungsstarke Außenwandkonstruktionen. Sämtliche Brandschutzanforderungen wurden zuverlässig erfüllt, gleichzeitig konnte der geforderte U-Wert von 0,11 W/(m²K) bereits mit einem vergleichsweise schlanken Wandaufbau realisiert werden. Und auch die in Teilbereichen der Fassaden geforderten Schallschutzanforderungen von R´w,ges ≥ 42 dB wurden problemlos erreicht. Bei den Innen- und den Wohnungstrennwänden mit erhöhten Schallschutzanforderungen setzte man ebenfalls auf das Zusammenspiel von Feuerschutzplatten und nichtbrennbaren Dämmlösungen. Während die Innenwände in den Wohneinheiten mit einem 100 mm Ständerwerk und einer Dämmung aus Isover Steinwolle Protect BSP 40 und einer beidseitig zweilagigen Beplankung aus 18 mm Rigips RF (bzw. imprägnierten RFI) Feuerschutzplatten realisiert wurden, waren die Wohnungstrennwände mit zwei 80 mm Ständerwerken und einem 10 mm breiten Hohlraum konzipiert worden. Die Ständerwerke wurden ebenfalls wieder mit nichtbrennbarer Steinwolle gefüllt und beide Wandseiten mit 2 x 18 mm Feuerschutzplatten beplankt.
Auszug aus mikado 12.2024










