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Artikel und Hintergründe zum Thema

Statement: Peter Aicher

Jessica Stütz,

"Urbaner Holzbau – privat + öffentlich"

Auch im Holzbau war die geringere Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern zu spüren. Allerdings ist die Holzbauquote bei den Wohngebäuden ebenso weiter gestiegen wie die Holzbauquote im Segment der Nichtwohngebäude.

Peter Aicher, Vorsitzender Holzbau Deutschland, Präsident Timber Construction Europe, Präsident des Landesinnungsverbandes des Bayerischen Zimmererhandwerks © LIV Bayern / Pehlke

Das vergangene Jahr war kein leichtes für das Baugewerbe. Die Baugenehmigungen für Neubauten sind zurückgegangen. Auch im Holzbau war die geringere Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern zu spüren. Die Holzbauquote bei Wohngebäuden ist jedoch ebenso wie die Holzbauquote bei Nichtwohngebäuden weiter gestiegen. Insgesamt konnte sich der Holzbau behaupten und der Umsatz ist stabil geblieben. Noch immer werden die meisten Holzgebäude von privaten Auftraggebern realisiert, doch auch der Anteil öffentlicher und gewerblicher Auftraggeber konnte im vergangenen Jahr weiter zulegen.

Der Abwärtstrend bei der Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern konnte mittlerweile gestoppt werden. Gleichzeitig füllen immer mehr Aufträge für Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen an Bestandsgebäuden die Auftragsbücher der Zimmerer- und Holzbaubetriebe. Energetische Sanierungen und Modernisierungen sowie Aus- und Umbauten bestehender Gebäude sind längst fester Auftragsbestandteil und bestimmen einen Großteil der Arbeiten im Holzbau. Durch Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an Bestandsgebäuden können nicht nur der Energiebedarf spürbar reduziert, sondern auch klimaschädliche Emissionen deutlich verringert werden. Das im März von Holzbau Deutschland, dem Holzbau Deutschland Institut und Bauhaus Erde veranstaltete Holzbau Symposium (www.holzbau-veranstaltungen.de/holzbau-symposium) hat gezeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht, die gebaute Umwelt klimapositiv zu gestalten. Wir sehen Holz als eine Schlüsselressource für eine nachhaltige und klimafreundliche Bauwende. Nachwachsende und kreislauffähige Materialien müssen künftig eine noch größere Rolle spielen, um die Klimakrise zu bewältigen und Klimaneutralität zu erreichen.

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Ausreichend Holzvorrat vorhanden

Die Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur, die im Oktober 2024 veröffentlicht wurden, haben gezeigt, dass der Baumbestand in Deutschland unter den Folgen des Klimawandels gelitten hat. Dennoch verfügt Deutschland nach wie vor mit 3,7 Milliarden Kubikmeter Holz über den größten Holzvorrat eines Landes in Europa. "Für die Klimawirksamkeit des Waldes ist", laut Bundeswaldinventur, "neben dem Waldspeicher die Holzverwendung wichtig. Durch das Anwachsen des Produktspeichers aus heimisch geerntetem Holz werden aktuell ca. 5 Mio. Tonnen mehr Kohlendioxid aufgenommen als am Ende des Lebenszyklus der Produkte in den verschiedenen Verwendungsbereichen wieder in die Atmosphäre gelangt." Holznutzung und Verjüngung des Baumbestands können wesentlich dazu beitragen, die Klimaschutzleistung des Waldes zu steigern. Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald ist die Basis für den Holzbau. Der Fokus sollte auf dem Zuwachs und der Vitalität des Waldes liegen, nicht allein auf dem reinen Holzvorrat.

Der dringend notwendige Waldumbau hat begonnen. Wenn der Wald widerstandsfähiger gegenüber Klimaveränderungen werden soll, muss er verjüngt und durchmischt werden. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Fichtenbestände jetzt parallel zum Waldumbau zu nutzen; bevor diese durch "Verfall" den gebundenen Kohlenstoff wieder als COin die Atmosphäre abgeben. Wird das Holz zum Bauen genutzt, wird der gebundene Kohlenstoff langfristig in Holzgebäuden "gespeichert".

Gut aufgestellt dank Forschung und Entwicklung

Der Holzbau stellt sich den Veränderungen und investiert kontinuierlich in Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Um den Holzvorrat weiterhin bestmöglich zu nutzen und ihn beim Bau von Holzgebäuden noch ressourcenschonender einzusetzen, wird die Forschung sich in den kommenden Jahren unter anderem mit der Kreislaufwirtschaft, der vermehrten Nutzung von Kalamitätsholz sowie der Nutzung von Laubholz befassen.

Wir Holzbauunternehmer haben bereits viel Energie in Forschung und Entwicklung gesteckt. Sie ist auch weiter essenziell, damit die Bauwende gelingt. Wir brauchen sie aber auch um Innovationen im Holzbau zu fördern, Nachteile für den Holzbau durch Bauordnungen oder technischen Regelwerken abzubauen und um sinnvolle Normen und Standards im Holzbau zu bilden. Damit fördern wir zugleich die Akzeptanz des Holzbaus, so dass er als gleichberechtigter Baustoff anerkannt wird.

Was vor rund zwanzig Jahren noch eine Vision war, ist längst Realität. So wurden beispielsweise dank der Forschungs- und Entwicklungsarbeit die Grundlagen geschaffen, um auch in den Gebäudeklassen 4 und 5 wirtschaftlich mit Holz zu bauen. Die langjährige Mitwirkung von Holzbau Deutschland in der Normungsarbeit und bei Gesetzgebungsverfahren zeigt Erfolge. Die Anzahl der genehmigten Wohngebäude in Holzbauweise in der Gebäudeklasse 4 und 5 ist in den vergangenen rund zehn Jahren kontinuierlich gestiegen.

Beste Voraussetzungen für den urbanen Holzbau vor allem in Städten und Ballungsräumen. Gerade dort, wo der zur Verfügung stehende Baugrund begrenzt ist, können mit mehrgeschossigen Holzbauten sowie durch Aufstockungen von Bestandsgebäuden neue und bezahlbare Wohnräume geschaffen werden.

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