Baugewerbe EXKLUSIV
Der "Sika-Spirit"
Zu Jahresbeginn gab der Bauchemie-Hersteller Sika dem angereisten Fachpublikum erste Einblicke in die neue Strategie des Unternehmens. Der Slogan "One Sika" vereint nun nicht nur neue Marken, sondern auch das Handels- und Direktgeschäft. Wie genau, erklärt Sika-Geschäftsführerin Daniela Schmiedle im Interview mit Baugewerbe-Chefredakteur Kai Ingmar Link:
Baugewerbe: "One Sika" lautet das Motto der neuen Strategie, was dürfen wir uns darunter vorstellen?
Daniela Schmiedle: „One Sika“ steht zum einen für Produkte und Systeme aus einer Hand, für alle Anforderungen rund um das jeweilige Bauwerk wie zum Beispiel Brücken, Datacenter, Bürogebäude oder Parkhäuser. Zum anderen steht es aber auch für Markenqualität unter einem Dach: Die starken Produktmarken PCI, SCHÖNOX, Sika und THOMSIT haben sich unter der gemeinsamen Dachmarke Sika versammelt – dies bringen wir seit Mitte 2024 auch durch ein sichtbares Dual Branding zum Ausdruck. Unsere neue Strategie unterstreicht, dass wir ein großes Portfolio abdecken. Wir werden damit noch kunden- und branchenorientierter und bieten Produkte, Systeme und Lösungen für sämtliche Anforderungen der Märkte und unserer Kunden. Davon profitieren Architekten, Planer und Bauherren ebenso wie Bauunternehmer und Verarbeiter, weil wir für alle Herausforderungen am Bau gemeinsam die richtigen Lösungen finden können. Das ist natürlich ein großer Anspruch an uns selbst – wir haben uns die Aufgabe auch nicht einfach gemacht. Wir decken Bereiche ab, die sehr viel Know-how erfordern. Das reicht von Bauwerksabdichtung über Bodenbeschichtungen bis zu Flachdachabdichtung.
BGW: Sika hat 2023 die MBCC Group übernommen – wie ist hier der Stand der Integration?
Schmiedle: Mit der Übernahme der MBCC Group haben wir unsere Präsenz in allen Regionen ausgeweitet und unser Produkt- und Dienstleistungsangebot im Neubau, wie auch in der Sanierung sehr gut ergänzt. Zudem haben wir auch unsere Wachstumsplattform weiter gestärkt: MBCC ergänzt und erweitert Sikas Angebot in vier von fünf Kerntechnologien und sieben von acht Zielmärkten. Unsere Kunden profitieren von einem breiteren und effizienteren Vertriebsnetz in allen Kernmärkten. Aber auch organisatorisch war die Übernahme eine große Herausforderung: Weltweit sind mehr als 6.000 neue Beschäftigte zu Sika gekommen, rund 1.300 davon allein in Deutschland. Seit Anfang 2024 bieten wir in Deutschland nun ein gemeinsames komplementäres Produktportfolio, seit Mitte 2024 betreuen gemeinsame Verkaufsteams unsere Kunden im Direkt- und im Handelsgeschäft. Wir können festhalten, dass die Übernahme ein großer Erfolg ist.
BGW: Die Akquisition war ein großer Schritt für Sika. Wurden die Mitarbeitenden in den Prozess eingebunden?
Schmiedle: Sika setzt ganz klar auf Empowerment. Wir sprechen nicht umsonst vom "Sika-Spirit". Die emotionale Komponente ist im Arbeitsleben einfach von großer Bedeutung. Das ganze Team will die Ziele gemeinsam erreichen. Mir persönlich ist die emotionale Bindung an das eigene Unternehmen sehr wichtig. Und den Mitarbeitenden auch. Der interne Zusammenhalt ist einer der wesentlichsten Faktoren des Erfolges. Wir investieren ja auch in Menschen und deren Kernkompetenzen. Wir sehen uns bei Sika als eine familiäre Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel, daher war es klar, dass wir alle gemeinsam an diesem Projekt arbeiten. Und eine Messe wie die BAU hilft natürlich dem Teambuilding. Jeder kann seine Stärken zeigen und Sika will das Umfeld schaffen, um diese auszuleben.
BGW: Auch das Jahr 2025 ist turbulent gestartet. Wie begegnet Sika den momentanen Herausforderungen?
Schmiedle: Was uns trotz der aktuellen Krise der Bauindustrie hilft, ist die Tatsache, dass wir schon früh den Fokus auf Sanierung, Renovierung und Modernisierung gelegt haben. Zum Beispiel haben wir für den Zielmarkt Betonschutz (Engineered Refurbishment) ein großes Portfolio für die Betoninstandsetzung und fokussieren uns auch hier auf die Sanierung. Und im Bereich Sika Handel Bau gibt es viele Kampagnen rund um die Themen Sanierung, Renovierung und Modernisierung.
BGW: Nachhaltigkeit, Recycling, Kreislaufwirtschaft sind Schlagworte, die man immer öfter auch im Bereich der Bauwirtschaft findet. Wie sieht es hier bei Sika aus?
Schmiedle: Trotz der momentanen Krise am Bau bleiben bei uns die Themen Nachhaltigkeit, Net Zero und Kreislaufwirtschaft stark im Fokus. Mit dem Sustainability Portfolio Management“ (SPM) haben wir uns das Ziel gesetzt, alle neu entwickelten Produkte mit verbesserten Leistungs- und Nachhaltigkeitsmerkmalen auf den Markt zu bringen. Ferner möchten wir bis 2050 das Ziel „Net Zero“ erreichen und die Treibhausgasemissionen um 90 % im Vergleich zum Basisjahr 2022 senken. Ein großer Teil unserer Produkte leistet bereits heute einen wichtigeren Beitrag zu einer nachhaltigen Bauwirtschaft.
Zum Thema Kreislaufwirtschaft kann ich einige Beispiele nennen: Wir haben zum Beispiel ein Projekt abgeschlossen, bei dem eine 20 Jahre alte Dachbahn bei der Sanierung von einem Gebäude abgebaut und auf einem anderen Gebäude wieder aufgebracht wurde. Darüber hinaus wurde eine unserer Dachabdichtungsbahnen Cradle-to-Cradle zertifiziert – hier waren wir der erste Hersteller, der dies anbieten konnte. Und im Bereich der Beton- und Gipszusatzmittel (Concrete) haben wir mit der ReCO2ver-Techologie ein Verfahren zum Beton-Recycling entwickelt. Bei Bodenbeschichtungen oder Produkten unter Fliese und Belag wird es dann schon kniffliger, da dies meist zweikomponentige Produkte sind, die nicht so leicht wieder auszubauen sind. Momentan werden sie abgefräst und landen im Bauschutt. Aber auch hier arbeiten wir an alternativen Systemen.
Beim Thema Nachhaltigkeit spielt auch die Regulatorik eine Rolle. Wir brauchen dringend Regularien, die es zulassen, recycelte Materialien unter sicheren Bedingungen wieder zu verwenden. Ich sehe gute Impulse und viel Bewegung, einige Initiativen machen Hoffnung. Allerdings brauchen wir dringend einheitliche Regularien. Denkbar für eine nachhaltige Vergabe wäre für mich ein Punktesystem, wie es die KPMG vorgestellt hat, um zu fördern, dass nachhaltige Produkte verwendet werden, auch wenn sie teurer sind.
BGW: Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?
Schmiedle: Wir sind positiv gestimmt für 2025 und sehen das Potenzial, mit allen vier Marken am Markt zu wachsen. Grundsätzlich konzentrieren wir uns auf unsere Stärken, und darauf, was wir gut können. Sika ist eine mutige Firma und geht gerne voran, auch und vor allem bei der Transformation der Baubranche. Wir sind immer an neuen und innovativen Technologien interessiert, die uns weiterbringen. Daran arbeiten auch alle Kolleginnen und Kollegen in unseren 18 Forschungszentren weltweit zusammen. Zudem sind wir mit unseren acht Zielmärkten mit unterschiedlichen Zielgruppen sehr breit aufgestellt, was uns erlaubt, auf alle Anforderungen der Märkte und unserer Kunden schnell und umfassend zu reagieren. Das ist sicher auch ein Grund, warum uns die aktuelle Krise weniger hart trifft als noch im Jahr 2009.
Vielen Dank für das Gespräch!
Über Sika
Sika ist ein Unternehmen der Spezialitätenchemie, global führend in der Entwicklung und Produktion von Systemen und Produkten zum Kleben, Dichten, Dämpfen, Verstärken und Schützen für die Bau- und Fahrzeugindustrie. Sika ist weltweit präsent mit Tochtergesellschaften in 103 Ländern, produziert in über 400 Fabriken, entwickelt innovative Technologien für Kunden rund um den Globus und trägt damit maßgeblich zur nachhaltigen Transformation der Bau- und Fahrzeugindustrie bei. Die mehr als 33.000 Mitarbeitenden erwirtschafteten im Jahr 2023 einen Umsatz von CHF 11,2 Milliarden.














