zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Neubau

Max Kandler,

Schmetterling mit changierender Hülle - Keramikelemente am Neubau des Landratsamtes Landshut

Platzmangel und der Anspruch, verschiedene Außenstellen der Verwaltung zu bündeln, führten zum Neubau für das Landratsamt Landshut. Der Standort gilt als ungewöhnlich, da das Gebäude am Ortsrand von Essenbach auf einer zuvor landwirtschaftlich genutzten Fläche entstand. Der viergeschossige Baukörper ist als unregelmäßiges Polygon ausgebildet und eröffnet weite Ausblicke, viel Tageslicht und vielfältige Perspektiven. Umlaufende Fassadenbänder mit dunklen, seidenglänzenden Keramikelementen des Herstellers MOEDING ergänzen das lebendige Erscheinungsbild und prägen die visuelle Identität des Projekts.

Der Neubau des Landratsamts Landshut fasst rund 600 Arbeitsplätze der Kommunalverwaltung an einem Standort zusammen. Über einen großzügigen Vorplatz zum Haupteingang hin, der in das verbindende Atrium führt, erhält das neue Landratsamt eine repräsentative Adresse. © Henrik Schipper Photography

Das Landratsamt versteht sich bewusst als Bauwerk, das einen Brückenschlag zwischen Verwaltung und ländlichem Raum ermöglicht. Mit dem Neubau setzt der Landkreis Landshut ein Zeichen für eine zukunftsorientierte Architektur, die in der Landschaft weithin sichtbar ist. Der Entwurf des Büros dasch zürn + partner folgt keiner klassischen Gebäudetypologie. Statt eines herkömmlichen Quaders spannt sich das Gebäude aus zwei abgewinkelten Flügeln auf, die ein zentrales Atrium fassen. So entsteht ein ausgedehntes Volumen in der offenen Landschaft am südlichen Rand der Marktgemeinde Essenbach. In unmittelbarer Nähe liegen eine Musikschule und eine Veranstaltungshalle, wodurch sich der Solitär in ein junges Quartier einfügt und dessen räumliche Entwicklung mitprägt.

Anzeige

Synergien in Nutzung und Funktion

Im Anschluss an einen Wettbewerb ging 2019 das Stuttgarter Architekturbüro als Sieger hervor. Die Aufgabe umfasste die Planung eines Neubaus, der steigenden Raumbedarf decken und mehrere bestehende Standorte zusammenführen sollte. Dabei sollten zugleich zeitgemäße bauliche Standards berücksichtigt werden. Der Anspruch, eine moderne, serviceorientierte und bürgernahe Verwaltung zu schaffen, zeigt sich im äußeren Erscheinungsbild ebenso wie im inneren Aufbau des Gebäudes. Bereiche mit hohem Publikumsverkehr befinden sich im Erdgeschoss und bieten damit eine gute Erreichbarkeit sowie eigene Erschließungswege. Die Gebäudefigur mit vier Flügeln gewährleistet kurze Wege und erleichtert die Orientierung im Haus. Arbeitsplätze und Dienstleistungsbereiche verteilen sich auf bis zu vier Ebenen und profitieren von dem vielfältigen Tageslichteinfall sowie den Ausblicken in die umgebende Natur. Die Topografie umspielt das langgestreckte Volumen, das nur in einer Ausrichtung über alle vier Geschosse aus dem Gelände ragt.

Stimmige Materialkompositionen innen und außen

Das Gebäude mit rund 24.000 Quadratmetern BGF ist als Stahlbetonskelett mit aussteifenden Kernen und einer anteiligen Holzkonstruktion ausgeführt. Der Innenraum zeigt eine helle und ausgewogene Materialkombination aus Glas, Sichtbeton und einem hohen Anteil an Holz, beispielsweise in Raumhüllen, in der Treppenanlage des großzügigen Atriums oder im Sitzungssaal im obersten Geschoss. Außen wechseln sich umlaufende Bänder aus Glas und Keramik ab, die die horizontale Ausdehnung des Gebäudes betonen. Die dunklen Profile setzen sich in vertikal geschichteten Keramikelementen fort, wodurch die opaken Wandflächen deutlich hervortreten. Dies erzeugt Tiefe und Struktur, die von reliefartig modellierten Keramikbändern verstärkt wird. Die Bänder bestehen aus drei Plattenformen mit unterschiedlich breiten Ansichtsflächen und gestaffelten Oberflächen. Die unregelmäßige Reihung führt zu einer lebendigen Faltung, die das Erscheinungsbild des Neubaus prägt.

Objektspezifisch entwickelte Keramikelemente

Die gemeinsam von MOEDING, den Architekten und den Bauherren über zwei Jahre entwickelten Keramikelemente verleihen dem Landratsamt eine charakteristische plastische Wirkung. Je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen entsteht eine changierende Oberfläche, welche die Gestaltungsintention des Projekts unterstützt. Für die Gebäudeecken wurden spezielle Formen entwickelt, die das Relief beidseitig nahtlos weiterführen. Farbe und Textur der Platten sind das Ergebnis umfangreicher Bemusterungen. Die Entscheidung fiel auf einen vulkanfarbenen Scherben mit teiltransparenter Glasur. Diese lässt die Grundfarbe immer wieder durchscheinen und ermöglicht unterschiedliche optische Eindrücke. Die schwarz-blau-grünliche, leicht glänzende Glasur erzeugt eine schimmernde Außenhülle, die durch Farbspiel und Faltung besondere Licht- und Schatteneffekte hervorbringt. Damit verstärkt sich das Bild eines stilisierten Schmetterlings, der sich aus der grünen Umgebung heraus elegant sichtbar macht.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Hybridbau

Leipfinger-Bader: Seriell saniert mit System

Vorgefertigte Holzwände bringen mehr Tempo und Struktur in die Bestandssanierung. Bei einem ehemaligen Hotel in Bayern wurden sie bereits werkseitig mit Rollladenkästen und Lüftungstechnik ausgestattet – und auf der Baustelle als Einheit montiert.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren