Peri 3D-Druck im Geschosswohnungsbau
Europas größtes Mehrfamilienhaus markiert nächsten Entwicklungsschritt
ViliaSprint² in Frankreich demonstriert, wie 3D-Betondruck den Geschosswohnungsbau schneller, effizienter und nachhaltiger machen kann.
Der 3D-Druck im Bauwesen verlässt die Experimentierphase und erreicht den Geschosswohnungsbau. Mit ViliaSprint² entsteht in Frankreich ein Projekt, das zentrale Herausforderungen der Branche adressiert: Fachkräftemangel, steigende Kosten und der Bedarf an schnellerem Wohnungsbau.
Ein Meilenstein für den 3D-Druck im Wohnungsbau
Mit der Fertigstellung von ViliaSprint² in Bezannes setzt Plurial Novilia ein klares Signal für die Weiterentwicklung des Bauens mit additiven Verfahren. Das Mehrfamilienhaus mit 12 Sozialwohnungen und rund 800 Quadratmetern Wohnfläche ist das erste Gebäude in Frankreich, dessen tragende Struktur und sämtliche Wände direkt vor Ort mittels 3D-Betondruck realisiert wurden.
Damit verschiebt sich der Fokus vom Einfamilienhaus oder kleineren Pilotprojekten hin zu skalierbaren Lösungen im Geschosswohnungsbau – einem Segment, das für die Bauwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.
Bauzeit, Personal, Produktivität: Neue Effizienzlogik auf der Baustelle
In einem Marktumfeld mit rückläufiger Neubautätigkeit und zunehmendem Fachkräftemangel zeigt das Projekt eine alternative Produktionslogik. Die Realisierung erfolgte in nur zwölf Monaten, wobei die eigentliche Druckphase nach 34 effektiven Tagen abgeschlossen war – deutlich schneller als ursprünglich geplant.
Die Effizienzgewinne zeigen sich nicht nur in der Zeit, sondern auch im Personaleinsatz. Während im konventionellen Bau sechs Personen im Rohbau benötigt wurden, kam der 3D-Druck mit drei Bedienern aus. Diese steuern den Prozess digital und arbeiten unter ergonomisch deutlich verbesserten Bedingungen.
„Diese Leistung bestätigt das enorme Potenzial dieser innovativen Bauweise, die sowohl die Bauzeiten verkürzt als auch die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle verbessert – sowohl für die am Druck beteiligten Unternehmen Holcim und PERI 3D Construction als auch für das Generalunternehmen Demathieu Bard Construction“, erklärt Jérôme Florentin, Direktor für Projektentwicklung bei Plurial Novilia.
Technologie im Detail: Vom Material bis zur Ausführung
Die tragenden Wände wurden direkt auf der Baustelle mithilfe eines robotisierten Portalsystems vom Typ COBOD BOD2 gedruckt. Dabei wird Beton schichtweise extrudiert und präzise zu tragenden Strukturen aufgebaut.
Der von Peri eingesetzte Beton basiert auf der TectorPrint-Technologie von Holcim und ist Teil der CO₂-reduzierten ECOPact-Reihe. Durch die Beimischung synthetischer Makrofasern werden die strukturellen Eigenschaften optimiert, gleichzeitig ermöglicht das Material eine Emissionsreduktion von mindestens 30 Prozent gegenüber konventionellen Lösungen.
Die Kombination aus digital gesteuertem Druckprozess und materialtechnischer Optimierung zeigt, wie sich Bauprozesse zunehmend industrialisieren lassen – ohne die Baustelle vollständig in die Fabrik zu verlagern.
Vergleich mit konventioneller Bauweise
Um die Leistungsfähigkeit der Technologie belastbar zu bewerten, wurde parallel ein nahezu identisches Gebäude in klassischer Bauweise errichtet. Dieser direkte Vergleich liefert entscheidungsrelevante Erkenntnisse für Bauunternehmen und Projektentwickler.
Die Ergebnisse zeigen eine Halbierung der Bauzeiten im Rohbau sowie Vorteile bei Produktivität und Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig wird deutlich, dass der 3D-Druck nicht nur ein technologisches Experiment ist, sondern sich unter realen Baustellenbedingungen bewähren kann.
Nachhaltigkeit und Architektur: Mehr als nur Effizienz
Neben wirtschaftlichen Aspekten adressiert das Projekt auch ökologische Anforderungen. Die Bauweise reduziert die Abfallmenge von etwa zehn auf fünf Prozent und senkt das Transportaufkommen durch die Vor-Ort-Produktion des Betons.
Darüber hinaus eröffnet der 3D-Druck neue architektonische Möglichkeiten. Komplexe Geometrien und Rundungen lassen sich ohne zusätzliche Kosten realisieren. Gleichzeitig konnte durch optimierte Strukturen rund zehn Prozent Beton eingespart werden.
„Bei PERI 3D Construction sind wir stolz darauf, dieses Projekt als Technologiepartner und ind er Druckausführung unterstützt zu haben. Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, was heute bereits im 3D-Gebäudedruck möglich ist – auch in Frankreich: schnelleres Bauen, weniger Arbeitskräfte und vollständig tragende Strukturen. Für uns ist dies ein wichtiger Meilenstein und Ansporn, diese Technologie weiter voranzutreiben“, sagt Dr. Fabian Meyer-Brötz, Geschäftsführer von PERI 3D Construction.
Der nächste Schritt entscheidet
Trotz der technologischen Fortschritte liegen die Baukosten aktuell noch etwa 30 Prozent über denen konventioneller Bauweisen. Ursache sind vor allem Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sowie notwendige Zertifizierungen für die erstmalige Umsetzung.
Gleichzeitig zeigt das Projekt eine klare Perspektive: Mit zunehmender Skalierung und Industrialisierung könnten sich die Kosten langfristig auf das Niveau klassischer Bauweisen annähern. Ein Folgeprojekt mit rund 40 Wohneinheiten ist bereits geplant, bei dem zwei Drucker parallel eingesetzt werden sollen, um die Bauzeit weiter zu reduzieren.
„ViliaSprint² ist ein bedeutender Schritt bei der Erprobung neuer Bauverfahren und zeigt das Potenzial des 3D-Drucks für schnelleren und nachhaltigeren Wohnungsbau“, so Johnny Huat, Geschäftsführer von Plurial Novilia.
Vom Pilotprojekt zur industriellen Bauweise
ViliaSprint² steht exemplarisch für eine Entwicklung, die die Bauwirtschaft grundlegend verändern könnte. Der 3D-Druck im Bauwesen entwickelt sich vom Einzelprojekt hin zu einem skalierbaren Verfahren für den Geschosswohnungsbau.
Für Entscheider in Bauunternehmen stellt sich damit eine strategische Frage: Wann erreicht die Technologie den Punkt, an dem sie nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich zur echten Alternative wird? Die nächsten Projekte dürften darüber entscheiden, ob sich der 3D-Druck, wir aus dem Hause Peri 3D Construction, als fester Bestandteil der Bauproduktion etabliert.

















