Fahrzeugsoftware

Max Kandler,

Schaeffler und ThunderSoft vereinbaren strategische Partnerschaft

Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einem grundlegenden Technologiewandel. Während klassische Fahrzeugarchitekturen über Jahrzehnte von einer Vielzahl einzelner Steuergeräte geprägt waren, rückt heute eine neue Generation zentralisierter Rechnerstrukturen in den Mittelpunkt. Mit ihrer strategischen Partnerschaft setzen Schaeffler und ThunderSoft genau an diesem Wendepunkt an und bündeln ihre Kompetenzen für die Entwicklung zentraler Fahrzeugrechner-Plattformen der nächsten Generation.

(v.l.) Gerd Winkler, Leiter Strategie softwaredefinierte Fahrzeuge, Business Unit Vehicle & Battery Controls, Schaeffler AG und Xu Dongchao, Vizepräsident von ThunderSoft Intelligent Automotive, besiegelten die strategische Partnerschaft auf der Beijing Auto Show. © ThunderSoft

Im Fokus der Zusammenarbeit steht die Entwicklung skalierbarer Multidomänen-Rechnerplattformen, die unterschiedliche Fahrzeugfunktionen auf einer gemeinsamen Hardwarebasis zusammenführen. Ziel ist es, Automobilherstellern den Übergang zu software- und KI-basierten Fahrzeugarchitekturen zu erleichtern und gleichzeitig Entwicklungsprozesse effizienter zu gestalten.

Zentrale Fahrzeugrechner verändern die Fahrzeugarchitektur

Die zunehmende Digitalisierung moderner Fahrzeuge verändert die Anforderungen an elektronische und elektrische Architekturen grundlegend. Bislang wurden Funktionen wie Fahrerassistenz, Infotainment, Energiemanagement oder Antriebssysteme meist über zahlreiche voneinander getrennte Steuergeräte gesteuert. Dieser Ansatz stößt jedoch angesichts wachsender Datenmengen und steigender Softwarekomplexität zunehmend an technische und wirtschaftliche Grenzen.

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Mit zentralen Fahrzeugrechnern entsteht nun eine Architektur, bei der mehrere Domänen innerhalb einer leistungsfähigen Recheneinheit zusammengeführt werden. Für Hersteller bedeutet das nicht nur eine Reduzierung der Hardwarekomplexität, sondern auch deutlich flexiblere Softwarestrukturen und schnellere Entwicklungszyklen.

Gerade im Umfeld softwaredefinierter Fahrzeuge gewinnen solche Plattformen an strategischer Bedeutung. Funktionen lassen sich künftig zentral verwalten, aktualisieren und skalieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Rechenleistung, Datensicherheit und Systemintegration erheblich.

Strategische Partnerschaft bündelt Hardware- und Softwarekompetenz

Die strategische Partnerschaft zwischen Schaeffler und ThunderSoft basiert auf einer klaren technologischen Arbeitsteilung. Schaeffler bringt seine Erfahrung in der Entwicklung und Industrialisierung komplexer Elektroniksysteme ein. Dazu zählen sicherheitsrelevante Fahrfunktionen, elektrische Antriebssysteme, Fahrwerkslösungen sowie Batterie- und Energiemanagementsysteme.

ThunderSoft ergänzt diese Kompetenzen mit Know-how in den Bereichen Fahrzeugsoftware, Betriebssysteme und Plattformarchitekturen für Infotainment- sowie Fahrerassistenzsysteme. Besonders im Bereich zentraler Softwareplattformen gilt die Integration verschiedener Fahrzeugdomänen als entscheidender Faktor für zukünftige Fahrzeugkonzepte.

Die gemeinsame Entwicklung zentraler Fahrzeugrechner-Plattformen soll es ermöglichen, bislang getrennte Funktionen auf einer einheitlichen Hardwareumgebung zusammenzuführen. Dadurch lassen sich Entwicklungsaufwand, Integrationskomplexität und Validierungsprozesse deutlich reduzieren.

Weniger Komplexität, höhere Skalierbarkeit

Für Hersteller und Zulieferer eröffnet die neue Architektur vor allem wirtschaftliche Vorteile. Durch zentralisierte Rechnerplattformen können Fahrzeugplattformen flexibler über unterschiedliche Modellreihen und Märkte hinweg eingesetzt werden. Gleichzeitig sinkt die Anzahl benötigter Steuergeräte, Kabelverbindungen und Schnittstellen.

In der Praxis bedeutet dies kürzere Entwicklungszeiten und eine effizientere Integration neuer Softwarefunktionen. Updates und Erweiterungen lassen sich einfacher umsetzen, während die Skalierbarkeit über verschiedene Fahrzeugklassen hinweg verbessert wird.

Gerade im internationalen Wettbewerb gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Automobilhersteller stehen unter zunehmendem Druck, Innovationszyklen zu verkürzen und gleichzeitig regulatorische Anforderungen für vernetzte Fahrzeuge in unterschiedlichen Märkten zu erfüllen.

Fokus auf softwaredefinierte Mobilität

Die Entwicklung zentraler Fahrzeugrechner-Plattformen gilt als wichtiger Baustein auf dem Weg zum softwaredefinierten Fahrzeug. Dabei verschiebt sich die Wertschöpfung zunehmend von einzelnen Hardwarekomponenten hin zu intelligenten Software- und Datenarchitekturen.

Für Schaeffler ist die Kooperation deshalb mehr als ein klassisches Technologieprojekt. Das Unternehmen stärkt damit seine Position im Bereich zentraler E/E-Architekturen und erweitert seine Rolle als Systempartner für moderne Fahrzeugplattformen.

Auch regional ist die Zusammenarbeit strategisch ausgerichtet. Ein erster Schwerpunkt liegt auf Europa sowie dem asiatisch-pazifischen Raum. Perspektivisch soll die Kooperation auf China und Nordamerika ausgeweitet werden. Dabei spielen regionale regulatorische Anforderungen für vernetzte und softwarebasierte Fahrzeuge bereits in der frühen Entwicklungsphase eine zentrale Rolle.

Entwicklung zentraler Fahrzeugrechner-Plattformen wird zum Wettbewerbsfaktor

Die Zusammenarbeit von Schaeffler und ThunderSoft zeigt, wie stark sich die Automobilindustrie derzeit verändert. Fahrzeughersteller benötigen zunehmend Partner, die sowohl Hardware-, Software- als auch Systemkompetenz beherrschen und komplexe Plattformlösungen industriell umsetzen können.

Mit der strategischen Partnerschaft reagieren beide Unternehmen auf genau diese Marktanforderungen. Die Entwicklung zentraler Fahrzeugrechner-Plattformen wird damit nicht nur zur technologischen Herausforderung, sondern zunehmend auch zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor in der globalen Automobilindustrie.

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