Baukrise 2024
Baufertigstellungszahlen 2023: Stabilität trotz Krise im Wohnungsbau
Das Statistische Bundesamt hat heute bekanntgegeben, dass im Jahr 2023 deutschlandweit insgesamt 294.400 Wohnungen fertiggestellt wurden, was nahezu dem Vorjahresniveau entspricht. Ein bemerkenswerter Anstieg ist bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (+4,1%) und Zweifamilienhäusern (+3,8%) zu verzeichnen. Aktuell befinden sich weitere 390.900 Wohnungen im Bau.
Der soziale Wohnungsbau, für den der Bund den Ländern bis 2027 insgesamt 18,15 Milliarden Euro zur Verfügung stellt, verzeichnete 2023 einen deutlichen Anstieg bei den Bewilligungszahlen. Die Zahl der geförderten Wohneinheiten stieg um mehr als 20% auf insgesamt 49.430.
Klara Geywitz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, kommentiert: „Die Baufertigstellungszahlen für 2023 zeigen ganz deutlich: Die Lage im Wohnungsbau ist stabil. Neben den 294.400 fertiggestellten Wohnungen befinden sich derzeit weitere 390.900 Wohnungen im Bau. Mit unserer zielgerichteten Wohnungspolitik haben wir die richtigen Anreize gesetzt, um Projekte aus dem Bauüberhang trotz der schwierigen Rahmenbedingungen am Bau zu realisieren. Der soziale Wohnungsbau erweist sich dabei als absoluter Stabilitätsanker für die Bau- und Immobilienbranche. Unsere milliardenschwere Förderung für den bezahlbaren Wohnraum bringt auch immer mehr private Wohnungsbaugesellschaften in den sozialen Wohnungsbau. Das zeigt: Die Förderung des Bundes wirkt. Und wir unterstützen weiter. Im Sommer starten wir ein Programm, um Familien beim Bestandserwerb zu unterstützen, im Herbst kommt ein neues Förderprogramm für bezahlbaren Neubau im Niedrigpreissegment. Unsere Förderpolitik und die deutlich verbesserten Rahmenbedingungen im Wohnungsbau, wie der Rückgang der Inflation und Bauzinsen sowie Einkommenszuwächse und vermehrte Hypothekenabschlüsse, werden die Bau- und Wohnungsbranche weiter unterstützen.“
Zum sozialen Wohnungsbau:
Die Gesamtzahl der geförderten Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau ist im Jahr 2023 im Vergleich zu 2022 um gut 20 % (8.400 Wohneinheiten) auf insgesamt 49.430 Wohneinheiten gestiegen.
Stimmen zu den Wohnungsbauzahlen
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie:
Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen lag 2023 mit rund 294.400 auf dem Niveau von 2022 und damit über allen Prognosen, die zwischen 215.000 und 270.000 lagen. „Es ist zunächst einmal ein Ergebnis, dass die Leistungsfähigkeit der Bauwirtschaft auch in konjunkturell schwierigen Zeiten und unter problematischen Rahmenbedingungen beweist. Es zeigt außerdem den enormen zeitlichen Verzug bauwirtschaftlicher und baupolitischer Entscheidungen“, kommentiert Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie die Fertigstellungszahlen, die das Statistische Bundesamt heute bekannt gegeben hat. Denn viele der Fertigstellungen des Vorjahres dürften noch auf Genehmigungen zurückzuführen sein, die in den Jahren bis 2022 unter deutlich besseren Rahmenbedingungen beantragt und erteilt worden sind. „Unterm Strich bleibt allerdings: Auch im Vorjahr wurden weniger Wohnungen gebaut, als es der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum eigentlich erfordert. Weder die Politik noch wir als Branche sollten sich deshalb mit diesem Ergebnis zufriedengeben“, so Müller weiter.
Wohin die Reise am Wohnungsmarkt angesichts negativer Vorzeichen hinzugehen drohe, zeige sich bei den Baugenehmigungen. Diese hätte 2023 mit nur noch 260.000 um nahezu ein Drittel niedriger gelegen als 2021. Auch im ersten Quartal 2024 habe es mit einem weiteren Rückgang von 22 Prozent keine Trendwende gegeben. Politik, Bauwirtschaft und Immobilieninvestoren stünden daher in der Pflicht, in ihren Anstrengungen zur Versorgung breiter Schichten der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum nicht nachzulassen. Schließlich sei 2023 die Zahl der Sozialwohnungen weiter zurückgegangen.
Müller mahnte vor allem ein stärkeres Engagement der Politik an. „Mit einem mutigen und beherzten Abbau hemmender staatlichen Regulatorik können wichtige Impulse gesetzt werden, ohne dass dem Staat nennenswerte Kosten entstehen“, so Müller. „Lange Planungs- und Genehmigungszeiten, sich ständig verändernde Vorgaben zur Bauqualität, ausufernde Bauvorschriften sowie unterschiedliche Landesbauordnungen: wenn endlich die Schere an diesem Vorschriftenwirrwarr angesetzt wird, könnten die Bauunternehmen mehr industriell und seriell bauen sowie Baukosten aus eigener Kraft deutlich reduzieren. Am besten gelingt das mit voll digitalisierten und personell gut ausgestattet Bauverwaltungen.“
Angesichts weiterhin hoher Zinsen und Baupreise reiche dies aber vor allem kurzfristig nicht aus, dem Wohnungsneubau wieder auf die Sprünge zu helfen. Wolle die Politik die ambitionierten selbstgesteckten Ziele erreichen, müsse auch mehr Geld in die Hand genommen werden, vor allem im Rahmen eines Zinsverbilligungsprogramms. „So schön das Ergebnis für 2023 auch ist, vor allem in den Ballungsgebieten und ihrem Umland bauen wir weiter dem steigenden Bedarf hinterher“, erklärte Müller.
Felix Pakleppa, Hauptgeschschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe:
Wohnungsbau: „Die Durststrecke kommt erst noch“
Die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zu den Baufertigstellungen von Wohnungen für das Jahr 2023 kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe:
„Rund 295.000 Wohnungen sind im vergangenen Jahr gebaut wurden. Das ist noch lange keine Entwarnung für den Markt. Man darf nicht vergessen: Durchschnittlich zwei bis drei Jahre dauert es von der Genehmigung bis zur Schlüsselübergabe. Was 2023 fertig geworden ist, sind die rund 24 Monate zuvor beauftragten Wohnungen.
Angesichts der seit zwei Jahren Monat für Monat sinkenden Baugenehmigungszahlen muss man leider sagen: Die Durststrecke kommt erst noch. Denn immer weniger Menschen bauen, die Aufträge bei unseren Unternehmen werden immer weniger. Für dieses Jahr rechnen wir nur noch mit maximal 250.000 fertiggestellten Wohnungen – Tendenz fallend. Ohne den Start der neu angekündigten Förderprogramme im Neubau, ohne geringere energetische Anforderungen und Zinssätze in den KfW-Programmen werden wir einen immensen Einbruch am Wohnungsbaumarkt sehen.“
Dr. Hannes Zapf, Vorstandsvorsitzender der DGfM:
„Wohnungsbau muss einfach sein und sozial gerecht gefördert werden“
294.400 – so lautet die Zahl der aktuellen Baufertigstellungen für Wohngebäude. Damit verfehlt die Bundesregierung einmal mehr ihr selbst gestecktes Ziel deutlich. Die Vergangenheit ist damit ein wenig besser als erwartet, aber die Zukunft ist weiterhin düster. Denn die rund 295.000 in 2023 fertiggestellten Wohneinheiten beruhen auf den besonderen Finanzierungs- und Förderbedingungen der Jahre 2021/22. Diese haben sich jedoch seit dem zweiten Quartal 2022 rapide verschlechtert, ohne dass die Bundesregierung wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen hätte.
Wohnungsbau: Nach Förderstopp und Zinssprung starker Rückgang im Jahr 2024 erwartet
Im ersten Quartal 2022 hatte die KfW innerhalb von nur zwei Monaten Förderzusagen in Höhe von 11 Milliarden Euro für etwa 335.000 Wohneinheiten erteilt. Ein Großteil dieser Wohnungen wurde im Jahr 2023 realisiert und ist Teil der heute vermeldeten Fertigstellungszahl.
Von dem abrupten Förderstopp im März 2022 und den parallel dazu sprunghaft gestiegenen Zinsen ist diese Meldung noch nicht beeinflusst. Die Indikatoren im Wohnungsbau, insbesondere Neubaugenehmigungen und Produktionsstatistiken der Baustoffindustrie befinden sich erst seit dem zweiten Quartal 2022 im freien Fall. Daher wird ein starker Rückgang der Wohnungsbautätigkeit in 2024 erwartet.
Neubauförderung der Bundesregierung seit dem zweiten Quartal 2022: nicht vorhanden, falsch oder wirkungslos
Statt diesem freien Fall durch verstärkte Förderung entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung seitdem den Konjunkturmotor Bau durch nicht vorhandene, falsche oder wirkungslose Förderprogramme zusätzlich abgewürgt.
Nicht vorhanden, weil nach dem Förderstopp im März 2022 und dem Auslaufen des Baukindergeldes erst im Juni 2023 das Förderprogramm Wohneigentum für Familien startete. Das Programm Jung kauft Alt läuft noch immer nicht und das neubewilligte Programm Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment wird wohl kaum vor Oktober 2024 abrufbar sein wird.
Wirkungslos, weil die Förderung kaum abgerufen wurde. Eklatantestes Beispiel ist auch hier das Programm zur Förderung von Wohneigentum für Familien, welches es in 2023 lediglich auf Zusagen für 1.675 Wohnungen brachte. Zum Vergleich, mit dem Baukindergeld wurde im Jahr 2020 von der KfW der Bau von 124.731 Neubauwohnungen, also fast die 75-fache Anzahl unterstützt.
Falsch, weil nur noch eine Übererfüllung von Mindeststandards und somit nur veränderte Qualitäten, nicht aber mehr Quantität gefördert wurde.
Insgesamt vergab die KfW im Jahr 2023 lediglich Förderzusagen für den Neubau von etwa 96.000 Wohneinheiten. Im Jahr 2022 wurden noch ca. 406.000 Wohnungen gefördert. Ein Absturz um drei Viertel.
Die stark rückläufigen Genehmigungszahlen im Wohnungsbau, die die Fertigstellungszahlen von 2024 und 2025 ankündigen, sind damit auch ein Spiegelbild der verfehlten Förderpolitik der Bundesregierung.
Die geringe Anzahl ist das Hauptproblem des Wohnungsbaus
Die derzeitige Fördersystematik verlangt die Übererfüllung von Standards und gleicht im besten Fall die Mehrkosten dafür aus. Eine Steigerung der Fertigstellungszahlen im Wohnungsneubau wird damit jedenfalls nicht erreicht. Vielmehr erhalten diejenigen Investoren, die sich bereits den Bau oder Kauf einer Wohnung leisten können, auf Kosten der Gesamtgesellschaft eine qualitativ bessere Wohnung.
Unabhängig von der Frage, ob ein solche Systematik sozial gerechtfertigt oder gesellschaftspolitisch sinnvoll ist, werden dadurch jedenfalls keine zusätzlichen Wohnungen angereizt. Es entstehen lediglich andere Wohnungen, aber in gleicher Anzahl.
Ähnlich verhält es sich, wenn bestimmte Baustoffe oder Bauarten in den Förderbedingungen vorgeschrieben oder Fördergelder mit Auflagen zur Miethöhe verbunden werden.
Solche Fördersystematiken führen nur zu Substitution, zu einer anderen, manchmal fragwürdigen Qualität, nicht aber zu mehr Quantität.
Einfaches bauen breit fördern, ist das Gebot der Stunde
Um eine Trendumkehr, hin zu mehr Wohnungsbau zu erreichen, bedarf es einer sofortigen Neuaufstellung des Förderrechts mit Fokussierung auf die breite Förderung des einfachen Bauens.
Es braucht wirksame Förderprogramme, die durch Zuschüsse oder anderen Eigenkapitalersatz zunächst mehr Wohnungsbau zum Mindeststandard ermöglichen. Wenn dann ein Programm die Übererfüllung von Mindeststandards erfordert, muss auch bestimmt werden, wo der Mindeststandard nicht überschritten werden darf.
Ein solches System hat die Wohnungsbauförderung in Schleswig-Holstein bereits für den Sozialwohnungsbau entwickelt. Es wäre richtig, dies auch auf die Förderung des freien Wohnungsbaus auszudehnen, dadurch Mitnahmeeffekte zu begrenzen und so die Förderung auf die bedürftigen Haushalte zu konzentrieren.
Die Herausforderungen der Bauindustrie: Eine Analyse der aktuellen Baukrise
Das Baugewerbe sieht sich gegenwärtig mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die als "Baukrise" bezeichnet werden müssen. Diese Krise hat weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der Baubranche, angefangen bei der Materialbeschaffung bis hin zur Fertigstellung von Bauprojekten. In diesem Artikel werfen wir einen genauen Blick auf die Ursachen, Auswirkungen und potenziellen Lösungsansätze für die aktuelle Baukrise.
Ein Zeichen in der Baukrise: die Aktion BauZukunft
Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.
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