Drei Jahre in Folge sinkende Umsätze
DATEV: Mittelstand verliert an Gewicht
Die wirtschaftliche Lage der Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland spitzt sich weiter zu. Nach drei verlorenen Umsatzjahren geraten viele Betriebe zunehmend unter Liquiditäts- und Kostendruck.
Das geht dem Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, zunehmend an die Substanz. Einen Teil seiner wirtschaftlichen Bedeutung hat er bereits eingebüßt, wie die aktuelle Auswertung DATEV Spotlight Insolvenzen (inklusive Jahresrückblick) zeigt.
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit offenbart, dass die Anteile der KMU an Umsatz und Beschäftigung in Deutschland von 2018 bis 2023 um jeweils rund vier Prozentpunkte gesunken sind. Beim Anteil an der Bruttowertschöpfung sind es im selben Zeitraum gut zwei Prozentpunkte. Was diese Entwicklung noch drastischer erscheinen lässt: Die Zahl der Unternehmen ist zwischen 2018 und 2023 deutlich gestiegen – um 22 Prozent auf rund 3,16 Millionen Unternehmen und mit 99,3 Prozent ist der KMU-Anteil seit 2018 beinahe unverändert.
Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen machen also immer weniger Umsatz. Gleichzeitig steigen die Arbeitskosten kräftig: Die Löhne legten 2023 um 5,1 Prozent und 2025 um weitere 4,2 Prozent zu. „Da verwundert es nicht, dass die Steuerberater in unserer Befragung DATEV-Branchenbarometer von wachsenden Liquiditätsrisiken, Restrukturierungen und zunehmenden Geschäftsaufgaben ihrer Mandanten berichten“, sagt Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG. „Viele kleine Unternehmen nähern sich dem Punkt, an dem sich die Geschäftstätigkeit einfach nicht mehr lohnt.“
2025 war Rekordjahr bei Insolvenzen
Diese Beobachtung korreliert mit der Zahl der Insolvenzen in Deutschland, die 2025 einen neuen Höchststand erreicht hat. Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen ohne Beschäftigte sowie größere Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bei den klassischen KMU mit ein bis 100 Beschäftigten zeigt sich 2025 dagegen eine leichte Beruhigung, nachdem sie 2024 noch die höchsten Zuwächse beim Insolvenzgeschehen verzeichnet hatten.
Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich direkt in den DATEV-Systemen beobachten und prognostizieren: In den Gehaltsabrechnungsprogrammen von DATEV werden etwa 20 Prozent der Insolvenzen von Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter sichtbar – beispielsweise über Pflichtabmeldungen zur Unfallversicherung. Für die letzten Monate des Jahres 2025 deutet sich hier ein weiterer Anstieg an. Dabei bedeutet ein Insolvenzverfahren aber nicht immer das Aus für den Betrieb. Immerhin ein knappes Drittel der Unternehmen können anschließend fortgeführt werden.
„Insolvenzen sind schmerzhafte Einschnitte, aber sie markieren oft auch Übergänge, aus denen Neues entsteht. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gehen mit ihnen tiefgreifende Anpassungsprozesse einher: Geschäftsmodelle werden hinterfragt, Unternehmen neu ausgerichtet oder gegründet, Märkte ordnen sich neu“, erläutert Robert Mayr. Zugleich betont er die tragende Rolle, die die steuerliche Beratung bei der Rettung von Unternehmen in Schieflage spielt: „Steuerberater sind in diesen Phasen weit mehr als Zahlenexperten – sie geben Orientierung, sichern Existenzen und begleiten ihre Mandanten vom Risiko zur neuen Perspektive.“
Schwerpunkt bei Betriebsaufgaben wandert nach Westen
Ein interessantes Detail: Regional verschiebt sich der Schwerpunkt bei den ungeplanten Betriebsaufgaben deutlich. War 2024 insbesondere der Osten Deutschlands betroffen, liegen die Hotspots 2025 klar im Westen. Dieses Bild bestätigt auch ein Blick auf die Insolvenzen, die gegenüber dem Vorjahr besonders stark in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zugenommen haben. Auffällig ist dabei, dass es einen ähnlichen regionalen Trend bei Gewerbeanmeldungen gibt: Wo viele Unternehmen aufgeben, entstehen zugleich mehr neue – ein Zeichen für Anpassungs- und Erneuerungsprozesse.
Nach Branchen betrachtet, zeigt sich ein differenziertes Bild für das Baugewerbe, Verarbeitende Gewerbe und Gastgewerbe. Im Baugewerbe hat sich diese Zunahme seit vier Jahren verfestigt – mit einem Rekordwert von 382 Verfahren im April 2025 und einem Spitzenanstieg von über 45 Prozent im Oktober 2024. Im Verarbeitenden Gewerbe drücken anhaltend schwache Umsätze auf die Ertragslage, sodass die Insolvenzen im April 2025 mit 184 Fällen ihren bisherigen Höhepunkt erreichten. Auch im Gastgewerbe konnten nominale Umsatzsteigerungen die Effekte von Preissteigerungen, Personalmangel und steigenden Insolvenzen nicht kompensieren – im Oktober 2025 wurde hier der bisherige Höchststand erreicht.
Neue Wege aus der Baukrise
Deutschland steht im Jahr 2025 vor einer seiner tiefgreifendsten wirtschaftlichen Herausforderungen: der anhaltenden Baukrise. Was sich schon in den Vorjahren abzeichnete, hat sich nun zu einem Flächenbrand entwickelt – mit dramatischen Folgen für Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und den sozialen Zusammenhalt. Bauunternehmen bremsen Investitionen, Projekte werden gestrichen, Mieter suchen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die Krise ist nicht länger ein Problem einzelner Branchen – sie ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden.
Chancen für die Bauwirtschaft
Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.
Die Zukunft der Baubranche: Elektrische Antriebe und innovative Lösungen
Alternative Antriebe sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.









