Baugewerbe 360°
Made in Germany im Härtetest
Der Blick über die Grenzen eröffnet nicht nur neue Märkte, sondern zeigt auch, was Deutschland von anderen Ländern lernen kann.
Trotz aller Widrigkeiten ist das deutsche Baugewerbe eine feste Größe auf dem internationalen Parkett. Im Jahr 2024 erzielten deutsche Bauunternehmen Aufträge im Ausland im Wert von 45,9 Milliarden Euro. Vor allem in Schwellenländern und Entwicklungsregionen eröffnen Infrastrukturprojekte neue Geschäftschancen.
Thomas Ringer, Geschäftsführer von Ringer Gerüste und Schalungen aus Österreich, bringt es auf den Punkt: "Um weiter zu wachsen, müssen wir über die Grenzen hinausblicken." Ringer fokussiert sich dabei stark auf den deutschen Markt – auch wegen seiner Größe und Innovationskraft. Der Balkan und Skandinavien seien weitere Zukunftsmärkte, so Ringer.
Der bayerische Baumaschinenhersteller Sennebogen hat schon früh auf Globalisierung gesetzt. Michael Ibarth, Direktor für Marketing und Unternehmenskommunikation, betont: "Wir sind auf vielen Märkten in Afrika und Europa tätig. Das Auslandsgeschäft hat für uns strategische Bedeutung. Aber jeder Markt hat eigene Regeln: Politische Stabilität, stabile Währungen und eine verlässliche Handelspolitik sind entscheidend für nachhaltiges Wachstum."
Bürokratie bleibt Bremsklotz
Trotz erfolgreicher Projekte im Ausland ist der Weg dorthin steinig. Regulatorische Unterschiede und politische Unsicherheiten erschweren die Expansion. Laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie findet rund 80 Prozent des Auslandsgeschäfts deutscher Bauunternehmen in Europa statt – meist als Unterauftragnehmer oder Technologielieferanten, selten als Hauptauftragnehmer.
Thomas Ringer sieht erheblichen Nachholbedarf: "Deutschland könnte von einem Bürokratieabbau sowie einer Steigerung der Effizienz und Produktivität profitieren. Auch deshalb haben wir in den deutschen Markt investiert."
Ein weiteres Erfolgsrezept sind zielbasierte Bauvorgaben, wie sie in den Niederlanden oder Irland üblich sind. Anstelle starrer Normen werden Leistungsziele definiert, die kreative und wirtschaftliche Lösungen fördern.
Europa braucht Stärke – und weniger Stillstand
Neben nationalen Reformen ist auch eine gemeinsame europäische Linie gefragt. Michael Ibarth fordert klare industriepolitische Signale: "Die EU muss europäische Hersteller vor subventionierten und massenhaft importierten Maschinen aus China schützen. Warum sind wir so handlungsunfähig?"
Für ihn ist klar: Wettbewerbsfähigkeit braucht Verlässlichkeit. "Das ständige Hin und Her – ob beim Verbrenner-Aus, in der Energiepolitik oder bei Reglementierungen – bremst jede Investitionsbereitschaft."
"Innovation, Digitalisierung und internationale Vernetzung sind die Schlüsselfaktoren", sagt Thomas Ringer. Michael Ibarth formuliert es so: "Wenn ein Unternehmer lieber in der Schweiz investiert, weil es dort günstiger ist, dann sollten bei uns die Alarmglocken läuten."
Dieser Artikel erschien zuerst in der November-Ausgabe des Baugewerbe Magazins.













