Rechtstipp

Frederick Brüning,

Der Bauprozess: Komplex und vielschichtig

Der Bauprozess ist ein komplexer Produktionsvorgang, der von unterschiedlichen Interessen geprägt ist:

Ein zentraler Problempunkt ist das gleichzeitige Planen und Bauen ("baubegleitende Planung"), das oft aus Zeitdruck entsteht. © Pelemedia (Symbolbild)

Während Auftraggeber vor allem auf Kostenkontrolle, Qualitätssicherung und Termintreue achten, verfolgen Auftragnehmer in die Gewinnmaximierung. Diese Gegensätze sind jedoch nicht zwangsläufig unvereinbar. Für beide Vertragsparteien ist die erfolgreiche Durchführung des Bauvorhabens von elementarer Bedeutung. Trotz ökonomischer Rationalität wird oft vergessen, dass das Bauen weit mehr ist: Es ist ein gesellschaftliches Ereignis und eine "Kulturleistung".

Gerade in der Bauphase besteht ein hohes Konflikt- und Eskalationspotenzial. Der Bundesgerichtshof hat mit seiner Kooperationsrechtsprechung versucht, dem entgegenzuwirken. Bei Meinungsverschiedenheiten über Vertragsänderungen oder deren Umsetzung sind die Parteien grundsätzlich verpflichtet, einvernehmliche Lösungen durch Verhandlungen anzustreben. Tatsächlich hat sich die Rechtsprechung nur begrenzt weiterentwickelt.

Ein zentraler Problempunkt ist das gleichzeitige Planen und Bauen ("baubegleitende Planung"), das oft aus Zeitdruck entsteht. Die "Reformkommission Bau von Großprojekten" hat in einem Bericht sowohl Mängel im Vergabeverfahren als auch in der Vertragsgestaltung identifiziert. Ihre Empfehlungen: klarer Vertragsaufbau, Regelungen zum Risikomanagement, klare Regelungen für Nachträge, zur Bauzeit und zur Abnahme.

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Alternative Vertragsmodelle

Der Versuch des Ausgleichs der Interessen ist durch verschiedene rechtliche Gestaltungen, insbesondere durch innovative Vertragsmodelle ("alternative Projektabwicklungsmodelle") unternommen worden. Insbesondere im angloamerikanischen Raum zielen diese Modelle auf eine optimierte Projektabwicklung ab, indem wieder verstärkt Modelle von Mehrparteienverträgen im Zusammenhang mit der Bauerrichtung diskutiert oder angewendet werden. Ob und inwieweit sich diese Modelle in einzelnen Bereichen durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Sie könnten Modellcharakter für andere komplexe Vertragsbeziehungen mit mehreren Beteiligten haben.

Bauprojektmanagement

Rechtsanwalt Frederick Brüning © Brüning Legal

Das klassische Bauprojektmanagement selbst ist ohne rechtliche Steuerungsinstrumente kaum denkbar. Denn innovative Managementansätze wie Lean Construction versuchen, durch strukturierte Abläufe Effizienz zu steigern. Die rechtliche Absicherung bleibt aber essenziell. Dieser Zusammenhang unterstreicht, dass die Bauphase nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch rechtlich im Immobilienwirtschaftsrecht verankert sein muss.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Juni-Ausgabe des Baugewerbe Magazins.

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