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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baustelle

Max Kandler,

Bauer Cube Systems im Einsatz in Antwerpen

Mit der Oosterweelverbindung realisiert die Stadt Antwerpen eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Europas. Nach mehr als sechs Jahrzehnten wird der Autobahnring geschlossen, um Verkehrsflüsse neu zu ordnen und Engpässe wie den Kennedytunnel nachhaltig zu entlasten.

Schlitzwandarbeiten mit dem Bauer Cube System im Bereich der Antwerpener Gro-enendaallaan – die Frästiefe beträgt bis zu 30 m. © Bauer Gruppe

Das Vorhaben ist Teil des Gesamtprojekts „De Grote Verbinding“, das die Mobilität im Großraum Antwerpen strategisch neu ausrichtet. Neben leistungsfähiger Verkehrsinfrastruktur entstehen oberirdisch neue Freiräume, Grünflächen und Verbindungen für den nichtmotorisierten Verkehr. Für Bauunternehmer, Projektleiter und Entscheider im Bauwesen ist das Projekt ein Lehrbeispiel dafür, wie komplexe Tiefbaumaßnahmen unter laufender Infrastruktur realisiert werden können.

Bauabschnitt Groenendaallaan: Schlitzwandarbeiten auf engem Raum

Im Bereich der Groenendaallaan werden bestehende Straßenabschnitte sowie Auf- und Abfahrtsrampen abgesenkt und anschließend überdeckt. Die bauliche Situation stellt hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Unter einer bestehenden Brücke stehen lediglich rund 4,8 Meter Durchfahrtshöhe und etwa fünf Meter Breite zur Verfügung. Parallel verlaufende Radwege schränken die Baustelle zusätzlich ein.

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Die Schlitzwandarbeiten erfolgen hier unter beengten Bedingungen, während der Grundwasserspiegel nur knapp unter der Geländeoberkante liegt. Entsprechend anspruchsvoll sind Wasserhaltung und Abdichtung. Für das Baugewerbe zeigt sich an diesem Beispiel deutlich, dass klassische Geräte- und Logistikkonzepte an physische Grenzen stoßen, wenn Arbeiten unter Bestandsbauwerken und bei eingeschränkter Bauhöhe stattfinden.

Bauer Cube Systems: Modulares Konzept für komplexe Baustellen

Für die bis zu 30 Meter tiefen und einen Meter breiten Schlitzwände kommt das Bauer Cube Systems zum Einsatz. Entwickelt wurde es von der Bauer Maschinen GmbH gemeinsam mit dem belgischen Bauunternehmen Denys. Ziel war es, Schlitzwandarbeiten aus bestehenden Tunnelbauwerken heraus zu ermöglichen und gleichzeitig eine Lösung für innerstädtische Baustellen mit eingeschränktem Arbeitsraum bereitzustellen.

Sämtliche Systemkomponenten sind so ausgelegt, dass sie in Standard-High-Cube-Containern transportiert werden können. © Bauer Gruppe

Das System ist modular und containerbasiert aufgebaut. Sämtliche Komponenten sind für den Transport in Standard-High-Cube-Containern ausgelegt. Für Bauunternehmen bedeutet das eine signifikante Vereinfachung der Baustellenlogistik, da aufwendige Schwertransporte entfallen. Je nach Projektanforderung kann das System mit einem HD-1400-Diesel- oder einem HE-1400-Elektro-Aggregat betrieben werden. Gerade bei innerstädtischen Projekten mit strengen Emissionsvorgaben eröffnet dies zusätzliche Handlungsspielräume.

Auf der Baustelle in Antwerpen wird das System von Future Foundations, einer Tochtergesellschaft von Denys, in Zusammenarbeit mit I.CO.P. eingesetzt. Die Ausführung verdeutlicht, wie innovative Gerätetechnik gezielt zur Lösung projektspezifischer Restriktionen beiträgt.

Minimalinvasive Umsetzung unter Bestandsbauwerken

Die kompakte Bauweise von Bauer Cube Systems erlaubt den Einsatz dort, wo konventionelle Schlitzwandfräsen aufgrund von Platzmangel oder Überbauungen nicht eingesetzt werden können. Neben oberirdischen Anwendungen sind Einsätze in bestehenden Tunneln oder unter Verkehrsbauwerken realisierbar, ohne großflächige Eingriffe an der Oberfläche vorzunehmen.

Für Entscheider im Bauwesen liegt der Mehrwert vor allem in der erweiterten Planungsflexibilität. Wo bisher alternative Verfahren gewählt werden mussten, obwohl die Schlitzwand technisch die optimale Lösung darstellte, eröffnet das System neue Optionen. Das reduziert Schnittstellenrisiken, verbessert die Bauablaufplanung und schafft zusätzliche Sicherheit in komplexen Projektszenarien.

Oosterweelverbindung als Referenzprojekt für das Baugewerbe

Die Oosterweelverbindung umfasst zentrale Bauwerke wie den Scheldetunnel, die Kanaaltunnel und den Oosterweelknotenpunkt. Der rund 1,8 Kilometer lange Scheldetunnel wird mit drei Fahrstreifen je Richtung sowie einer separaten Fahrradröhre ausgeführt. Die Kanaaltunnel verlaufen unter dem Albertkanal und bestehen aus vier übereinanderliegenden Röhren auf zwei Ebenen. Der Oosterweelknotenpunkt verknüpft Tunnel, Ring und Hafen überwiegend unterirdisch.

Die Realisierung dieses Projekts verdeutlicht, wie anspruchsvolle Schlitzwandarbeiten, komplexe Baugrundverhältnisse und enge innerstädtische Rahmenbedingungen zusammenwirken. Für Bauunternehmer und Projektleiter liefert die Baustelle in Antwerpen wertvolle Erkenntnisse zur Integration innovativer Systeme in bestehende Infrastrukturen.

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