Holzbau Baden-Württemberg
"Das Zimmererhandwerk ist moderner als je zuvor!"
Gerd Renz ist seit fünf Jahren Präsident von Holzbau Baden-Württemberg, dem bundesweit zweitgrößten Landesverband in der Holzbaubranche. Für mikado fasst er das Jahr 2025 aus seiner Sicht zusammen.
Gerd Renz: "2025 stand für das Zimmererhandwerk in Baden-Württemberg im Zeichen der Erneuerung. Mit einem neuen Verbandslogo, einem neuen Mitglieder-Magazin und dem modernen visuellen Erscheinungsbild hat sich der Landesverband klar für die Zukunft positioniert. Die Resonanz aus Betrieben, Mitgliedern, Politik und Öffentlichkeit zeigt: Das Zimmererhandwerk tritt kraftvoller, moderner und sichtbarer auf als je zuvor. Die Novellierung der Landesbauordnung Baden-Württemberg war ein Meilenstein des Jahres und ein wichtiges Signal für schnelleres, digitales und kosteneffizienteres Bauen. Die Reform brachte unter anderem vereinfachte Genehmigungsprozesse, mehr digitale Verfahren, klarere Regelungen und Erleichterungen für nachhaltige Bauweisen wie den Holzbau. Sie ist ein Baustein auf dem Weg zu effizienteren Strukturen, die den Wohnungs- und Klimazielen des Landes entsprechen.
Die Ausbildungszahlen sind weiter hervorragend: Rund 700 Azubis im 2. Lehrjahr und 700 im dritten Lehrjahr zeigen die Attraktivität des Zimmererberufs. Jeder dieser jungen Menschen entscheidet sich bewusst für ein modernes Handwerk, ist Teil der Energiewende, trägt zum Klimaschutz bei und stärkt die Zukunft der Betriebe. Wichtig bleiben dabei gute Arbeitsbedingungen und attraktive Perspektiven, damit die jungen Fachkräfte langfristig im Handwerk bleiben.
Mit der neuen Bundesregierung verbindet das Handwerk die klare Erwartung, dass der angekündigte Bau-Turbo endlich Realität wird. Notwendig sind starke Förderprogramme, steuerliche Entlastungen, KfW-Bürgschaften und Nachrangdarlehen, Bürokratieabbau in Genehmigungen und Verwaltung, mehr Planungssicherheit für Investoren und Kommunen sowie die Priorität für serielles und modulares Bauen. Der Ball liegt jetzt in Berlin – unsere Branche ist startklar.
Neben einigen Fortschritten bleiben dennoch große Herausforderungen bestehen: Die mangelnde Wirtschaftlichkeit vieler Projekte, hohe Planungs- und Gutachtenkosten, lange Genehmigungszeiten, unzureichend ausgebaute Stromnetze trotz PV-Pflicht sowie die Investitionszurückhaltung aufgrund der Zinslage. Die Pflicht zur Photovoltaik darf keine Einbahnstraße sein: Wenn der Bürger liefern muss, muss die Infrastruktur es auch können.
Unser Verbandstag, der ‚Landesholzbautag‘ am 19./20. September dieses Jahr in Reutlingen war ein Höhepunkt mit einer starken politischen Präsenz, fachlicher Tiefe, und vielen Impulsen zu Sanierung, Digitalisierung, Wohnraumstrategien und Nachwuchs. Die Botschaft war klar und motivierend: ‚Die Zimmerer sind bereit – packen Sie mit an!‘
2025 wurden auch zahlreiche Kooperationen intensiviert: Mit der Bauwirtschaft BW, dem GaLaBau BW, der Landesregierung sowie mit verschiedenen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Kommunen. Die Südachse Bayern/Baden-Württemberg entwickelte sich weiter zu einem kräftigen Motor des Holzbaus in Deutschland.
Trotz schwieriger Märkte bleibt die Stimmung für das nächste Jahr verhalten positiv. Die wesentlichen Gründe hierfür sind das politische Interesse am Klimabauen, die steigende Nachfrage nach serieller Sanierung, Wachstumsfelder wie Aufstockung und Umnutzung, die hohe technische Kompetenz der Betriebe sowie Digitalisierung in Planung und Fertigung.
Das Zimmererhandwerk in Baden-Württemberg geht also gestärkt in das Jahr 2026 – bereit, die Chancen einer klimaneutralen und zukunftsfähigen Baukultur zu ergreifen. Es gilt die Möglichkeiten zu nutzen, der Sanierungsstau und der Wohnraumbedarf sind immens. Wenn die Politik in die Gänge kommt und es nicht nur bei Versprechen bleibt, sind die Chancen für den Holzbau sehr gut. Nun gilt es, die Spielräume, die die neue Landesbauordnung mit sich bringt, in den Bauämtern der Kommunen konsequent umzusetzen und zu nutzen."









