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Artikel und Hintergründe zum Thema

Meinung: Aufbruch in Neu-(Bau)Land

Jessica Breuer,

Warum die digitale Transformation in Deutschland zu langsam vorschreitet

Die Digitalisierung hat in vielen Branchen zu revolutionären Veränderungen geführt. Doch in der Baubranche und bei Bauzulieferern verläuft die digitale Transformation bisher nur schleppend. Im Gegensatz zu anderen Branchen, wo die Digitalisierung oft situationsabhängig und strategisch geplant erfolgen kann, ist im Baugewerbe die Anwendung digitaler Verfahren teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben. Daher handelt es sich hierbei nicht nur um eine vorübergehende Bewegung, sondern um eine konkrete Entwicklung, in der Baubranche betrifft, einschließlich aller beteiligten Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe. Wieso sind Unternehmen in dieser Branche so zurückhaltend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, speziell in einer Zeit, wo aktuelle äußere Einflüsse wie steigende Zinsen, Inflation und explodierende Baukosten die Baubranche fordert.

Jessica Breuer © WBCO

Tradierte Arbeitsweisen, fehlende Innovationskultur, Komplexität und mangelnde Standardisierung
Die Bauindustrie ist bekannt für Komplexität und Kleinteiligkeit in ihren Strukturen, bekannt für ihre Vielfalt an Produkten, Materialien und Prozessen, unterschiedliche Gewerke und Akteure. Weiter erfordert jedes Projekt eine immense Koordination von Planung, Gewerken, ausufernden Normen und Vorschriften, Gründe, die schon lange bestehen. Dazu ist die Branche geprägt von traditionellen Arbeitsweisen, die oft auf Papierformularen und manuellen Prozessen beruhen. Die Bereitschaft, innovative Technologien zu implementieren, ist häufig gering. Es mangelt an einer Kultur des Wandels und der kontinuierlichen Verbesserung. Eine offene Haltung gegenüber neuen Lösungen und Technologien ist jedoch entscheidend, um den Anschluss nicht zu verlieren. Das Schaffen eines erfolgreichen Informationsfluss zwischen Baustellen und Büros kann nicht nur für Einsparung von Zeit, sondern auch zielgerichteten Arbeitsanweisungen führen. Dabei kann auf jeder Ebene separate der Zugriff auf die Informationen selektiv verwaltet werden, was Informationssicherheit garantiert. Durch die Kombination von Informationenfluss und Know-how können Eigentümer, Stakeholder, Auftragnehmer und Entwickler, die Nachhaltigkeit und Effizienz ihrer Projekte deutlich verbessern, den Abbau von Komplexität und dem Schaffen von zielführenden Prozessen deutlich steigern.

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Fehlendes Bewusstsein für Digitalisierung
Viele Unternehmen in der Branche erkennen noch nicht ausreichend, welchen Einfluss die Digitalisierung auf ihre Wettbewerbsfähigkeit, Kostenstruktur, Bauzeitlänge oder Nachhaltigkeit hat. Gerade für kleinere Bauzulieferer können diese Kosten eine Umstellung auf digitale Lösungen eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Oftmals wird das Argument der hohen Kosten angeführt, obwohl genau dieser Invest langfristig steigende Kosten schmälert und teilweise spürbar senken kann. Das Bewusstsein für die Potenziale und Vorteile der Digitalisierung muss geschaffen werden, um eine nachhaltige Professionalisierung zu ermöglichen. Gute Software-Lösungen bieten nicht nur Optionen zu Projektabstimmung und -nachverfolgung, sondern zahlreiche Erweiterungen an. Hier können Themenblöcke, wie die Angliederung von Vertragsmanagement, eine holistische Integration von BIM (Building Information Modeling) inkl. 4-D-Projekt-Visualisierung, Budgetierung & Prognose des Projekts oder Sichtbarkeit und Kontrolle von Kosten, was u.a. das Risiko von Intransparenz ungeplanter Ausfallzeiten oder sonstiger Unterbrechungen mindern kann und für frühzeitige Sichtbarkeit sorgt.

Viele Unternehmen in der Branche erkennen noch nicht ausreichend, welchen Einfluss die Digitalisierung auf ihre Wettbewerbsfähigkeit, Kostenstruktur, Bauzeitlänge oder Nachhaltigkeit hat. © WBCO

In den letzten Jahren wurden vermehrt digitale Lösungen wie BIM, digitale Planungswerkzeuge, 3D-Druck und Robotik eingeführt. Aus Unternehmenssicht führt das zu Kostenreduktion, Transparenz und Schmälerung von Kommunikationslücken. Die Zielgruppe dabei ist breit und inkludieren von Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer bis zum Bauarbeiter, Vermessungsingenieure, Bauherren, Eigentümer, Entwickler und Hersteller und ist nahezu unbegrenzt weiterführbar.

Potenzial der Integration von ökologischem Bauen
In der heutigen Zeit, wo Nachhaltigkeit zudem einen großen Raum einnimmt, sollte auch der ideologische und praktische Wert hinter den Tools gesehen werden. Digitalisierung trägt zu einer intelligenteren Nutzung von Informationen und Daten bei, um bessere und umweltfreundlichere Gebäude schneller zu errichten. So kann die Dimension der Nachhaltigkeit eines Gebäudes durch nationale & internationale Auflagen und Zertifizierungssysteme geprüft werden. Die bei diesen Bewertungen zu berücksichtigenden Kriterien betreffen z.B. die Qualität und ökonomischen Faktoren des Standorts, Verbrauch von Wasser, Energie und Material, CO2-Emissionen oder anderen Belastungen oder Beschaffenheit der Luftqualität.

Die Bauindustrie ist bekannt für Komplexität und Kleinteiligkeit in ihren Strukturen, bekannt für ihre Vielfalt an Produkten, Materialien und Prozessen, unterschiedliche Gewerke und Akteure. © WBCO

Wettbewerbsfähigkeit und Kundenfokus
Die digitale Transformation breitet sich weltweit in allen Industriebereichen aus und ist daher für ein erfolgreiches Geschäftsumfeld unerlässlich. Auch im Baugewerbe wird sie in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Unternehmen, die die Digitalisierung verschlafen, laufen Gefahr, von innovativeren und effizienteren Wettbewerbern überholt zu werden. Die mangelnde Digitalisierung führt zu ineffizienten Arbeitsabläufen, verzögert den Bauprozess und erschwert die Zusammenarbeit mit Subunternehmen und Investoren.

Gerade Kleinunternehmer und mittelständische Bauunternehmen stellen sich oft die Frage: Lohnt es sich für uns in Digitalisierung zu investieren? Welche Mehrwerte und konkrete Nutzen ergeben sich für mein Unternehmen?
Heutzutage ist der Kunde anspruchsvoller und besser informiert als je zuvor. Die unzähligen Vergleichsmöglichkeiten gerade Online erzeugen, dass Angebote immer kritischer gewürdigt werden. Kunden erwarten bei ihren Bauprojekten eine hohe Qualität, Nachhaltigkeit und Transparenz über die gesamte Laufzeit eines Bauprojekts, wie auch schnelle und agile Reaktionen seitens des Bauteams bei der Umsetzung vor Ort - zu wettbewerbsfähigen Preisstrukturen.
Letztendlich gibt es für Unternehmen jeder Größe, nur eine Antwort: Es ist dringend an der Zeit zu handeln, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben möchten. Und in Bezug auf die Finanzierung digitaler Lösungen stehen den Unternehmen verschiedenste finanzielle Förderungen und Unterstützungen durch Bund und Länder zur Verfügung. Zudem muss mir als Unternehmer des Wettbewerbsvorteilsvorteils bewusst sein, welcher sich durch eine effiziente Komparation der Produktivität, reibungslosere Abläufe, Zeitersparnis und Kosteneinsparungen im eigenen Unternehmen implementieren lässt. Eine zeitgemäße Digitalisierung der Wertschöpfungskette auf Ihrer Baustelle eröffnet Ihnen die Möglichkeit, all diese Vorteile zu nutzen.

Die Implementierung digitaler Lösungen erfordert Ressourcen und Expertise. © WBCO

Mangelnde digitale Fachkenntnis & die Chance auf die Bau-Fachkräfte für morgen
Die Implementierung digitaler Lösungen erfordert Ressourcen und Expertise. Viele Unternehmen, insbesondere kleinere Betriebe, fühlen sich mit dieser Herausforderung überfordert. Jedoch ist dies ebenso für andere Branchen, gerade sehr Mittelstandsgeprägte Sektoren, eine Challenge gewesen. Hier kann eine gezielte Unterstützung und Weiterbildung neue Perspektiven schaffen, um den Zugang zur Digitalisierung zu erleichtern. Software-Anbieter liefern immer breitere Einführungsprogramme an und zwischenzeitlich gibt es so ganzheitliche Tool-Lösungen und Cloud-Hosting, die zusätzliche Fachkräfte an dieser Stelle oft überflüssig machen. Mittlerweile gibt zudem sehr viele gut ausgebildete Fachkräfte und Freelancer auf dem Markt die genau diese Themen im Rahmen von Einführungen und Trainings exzellent umsetzten.

Hier stellen wir sogar den Denkansatz entgegen: Wenn ich mich als Unternehmer dieser digitalen Entwicklung entziehen, was ist dann mit meinen Fachkräften von morgen. In Zeiten von spürbaren Fachkräfte-Mangel, sollte man auch in dieser Branche an eine ganzheitliche und stabile Lösung denken. Dazu gehört nicht nur die Ausbildung guter Fachkräfte nach gewohntem Prinzip, sondern auch der Invest in die Interessen und Fortbildung der Mitarbeiter. Nächste Generationen sind in diese neue, digitale Welt hineingeboren und möchten für modern aufgestellte Branchen gewonnen werden. Die Digitalisierung von Prozessen und Informationen im Baugewerbe trägt dazu bei, dass die Verantwortlichen auf der Baustelle eng zusammenarbeiten und sich effizient abstimmen und austauschen können. Dadurch entsteht eine digital perfekt vernetzte Arbeitswelt für Ihre Mitarbeiter.

Ausschlaggebend für Mitarbeiter bei ihren beruflichen Entscheidungen auf dem Arbeitsmarkt sind vor allem die Arbeitsbedingungen, die Zukunftsaussichten und die finanziellen Rahmenbedingungen. Qualifizierte Fachkräfte bevorzugen es daher, sich langfristig an Arbeitgeber zu binden, die zukunftsorientiert sind und attraktive Angebote bieten, da sie dadurch bessere Chancen auf persönliche Weiterentwicklung und eine sichere Beschäftigung haben. Bietet nicht gerade die Baubranche den nachhaltigen Gedanken und damit den Purpose den sich die nächsten Generationen so wünschen. Wenn ich an die Welt von morgen denken, denken ich da nicht an nachhaltige und Emission-arme Wohn- und Industriegebäuden, mit bepflanzten Dächern, erneuerbaren und energiesparenden Alternativen wie Solar und Windkraft, was letzten Endes auf mein Zukunftsbild eines nachhaltiges und bezahlbares Leben einzahlt.

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