Bauwirtschaft
Sustina AG setzt neue Impulse im Wohnungsbau
Die Sustina AG aus Münster entwickelt derzeit ein Wohnensemble in Essen-Kupferdreh, das konsequent nach den Prinzipien des „Einfach Bauens“ (Gebäudetyp E) und einer integrierten, interdisziplinären Projektarbeit (IPA) geplant wird. Ziel ist es, bezahlbaren, ökologisch hochwertigen Wohnraum effizienter zu realisieren und gleichzeitig Planungs- und Bauprozesse neu zu denken.
In Deutschland fehlen hunderttausende bezahlbare, neue Wohnungen. Der Bauturbo soll es nun richten. Das Bundeskabinett hat eine entsprechende Regelung im Bundesbaugesetz beschlossen, die unter anderem die Planung und Genehmigung neuer Wohnungen wesentlich beschleunigen soll. Die Sustina AG, eine Gesellschaft zur Planung und Entwicklung von nachhaltigen Quartieren aus Münster, hat bereits den ganz eigenen Wohnungsbauturbo eingelegt, versteht die aktuellen Herausforderungen weniger als Hindernis, sondern vielmehr als Chance, bestehende Regulatorien, Prozesse und Vorurteile in Planungs- und Bauprozessen zu hinterfragen und so Lösungen für eine effizientere und qualitätsvollere Zusammenarbeit zu finden.
Ihr Ansatz ist das Unternehmen auf Zeit für das jeweilige spezifische Projekt. Gemeinsam mit ausgewählten Projektpartnern bildet Sustina so eine Allianz, in der die Projektbeteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgen, nämlich die Realisierung von ökologisch und gestalterisch wertvollem und bezahlbarem Wohnraum. Die Projektarbeit erfolgt überwiegend digital, interdisziplinär und damit sehr wirkungsvoll. Das erste Wohnquartier entsteht ab 2026 in Essen-Kupferdreh. Das Ensemble besteht aus drei Baukörpern mit je fünf Geschossen. Der Planung und Realisierung liegen Kriterien des einfachen Bauens zugrunde: in der Konstruktion überwiegt Holz, die Technik folgt einem low-tech-Ansatz. Außerdem ist eine DGNB-Zertifizierung in Platin angestrebt und das Ensemble ist Pilotprojekt für den Gebäuderessourcenpass in NRW, in Kooperation mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Wohnen im “Deilegrund”: Das Projekt
Die Entwicklungen von Sustina setzen auf Gemeinschaftssinn und nutzen die Vorteile der Community. Sustina denkt hierfür aus der Perspektive der Zielgruppe, bietet vielfältige Optionen für gemeinschaftliche Nutzung, also Sharing-Möglichkeiten und Begegnung sowie für flexibles Leben. So auch das Quartier, das ab 2026 in Essen entsteht. Es soll ein positiver Ort werden, der den Quartiersgedanken durch Offenheit und Vielfalt stärkt. Die drei Baukörper, die einen gemeinsamen Innenhof als Begegnungsfläche ausbilden, werden insgesamt 123 Wohnungen bieten, die eine soziale Vielfalt forcieren. Denn neben den herkömmlichen Zwei-, Drei oder Vier- bis Fünfzimmerwohnungen entstehen Gruppenwohnungen für Menschen mit Behinderung und eine Wohngruppe für Senioren. Überdies fördern eine Gemeinschafts-Werkstatt, ein Waschsalon, ein Veranstaltungs- und Bewegungsraum sowie multifunktionale Gemeinschaftsflächen die Begegnung, den Austausch und das Miteinander. Alle Wohnungen werden barrierefrei ausgebildet, ein im Vergleich überdurchschnittlicher Anteil rollstuhlgerecht. Eine Tiefgarage mit Elektroladesäulen und Fahrradstellplätzen sowie direktem Zugang zu allen drei Baukörpern sorgt für einen PKW-freien Außenraum. Das gesamte Quartier wird möglichst zirkulär gebaut. So wird unter anderem im Bereich der Konstruktion und der Fassade auf bereits verfügbare Ressourcen (Holz und Recyclingziegel) zurückgegriffen. Außerdem werden die Materialmengen durch kluge planerische Lösungen, wo es möglich ist, reduziert und auf diese Weise die Umweltwirkung stark minimiert. Das optimierte Energiekonzept und der Low-Tech-Ansatz in der Gebäudetechnik lassen die Sustina ein Quartier realisieren, das in der Bilanz mehr Energie erzeugt als verbraucht wird.
Um während Planung, Bau und Nutzung fundiert bewerten zu können, welchen Beitrag das Quartier zur Kreislaufwirtschaft leistet, wird im Projekt ein Gebäuderessourcenpass als zentrales digitales Arbeitsergebnis entwickelt. Mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen (MHKBD) arbeitet die Sustina AG hierfür an einem eigenen Prozess sowie an der notwendige Betrachtungstiefe. Das Quartier dient dabei als Pilotprojekt, um Praxiserfahrungen zu gewinnen und belastbare Erkenntnisse für eine mögliche regulatorische Verankerung des Gebäuderessourcenpasses zu schaffen. Der Pass schafft unter anderem Transparenz über Materialeinsatz, Treibhausgasemissionen und Kreislauffähigkeit und fungiert zugleich als digitales Materialkataster für einen möglichen späteren Rückbau.









